ESRB -Logo „E for Everyone“ und Infoblock
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Was ist das Rating-System für Videospiele?

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Julian Benson
21. Sept. 2023
ESRB -Logo „E for Everyone“ und Infoblock

Unabhängig davon, ob ihr euch ein Spiel in einem richtigen Laden, im digitalen Store einer Konsole oder hier im Epic Games Store kauft, wohin ihr auch blickt, überall findet ihr Altersfreigaben für Videospiele. Diese eindeutigen Symbole sagen euch direkt, welche Inhalte ihr im Spiel erwarten könnt und wie alt man sein sollte, um das entsprechende Spiel zu spielen. In den USA reichen die ESRB-Klassifizierungen etwa von „Everyone“ (Alle) bis zu „Adults Only“ (Nur für Erwachsene).

Es gibt viele verschiedene Alterseinstufungssysteme, unter anderem das ESRB in den USA, PEGI in Europa, ACB in Australien und CERO in Japan. Jedes hat zwar seine eigenen Klassifizierungen, aber sie alle verfolgen einen ähnlichen Ansatz bei der Bewertung von Spielen – und dank der „International Age Rating Coalition“ (Internationaler Alterseinstufungszusammenschluss) entsprechen die Alterseinstufungen in einer Region denen in einer anderen.

Lest mehr darüber, wie diese Altersfreigaben entstanden sind, was sie bedeuten, was die verschiedenen Einstufungssysteme bedeuten und vor allem, wie sie Epic Games Store angezeigt werden.
 

Die Geschichte der Videospieleinstufungen


Der 13. September 1993 ist einer der bedeutendsten Tage in der Geschichte der Videospiele. Man kennt ihn auch als „Mortal Monday“, denn an diesem Tag wurde Mortal Kombat in Nordamerika auf Sega Genesis und dem Super Nintendo Entertainment System veröffentlicht. Das Erscheinen von Mortal Kombat veränderte die Wahrnehmung von Spielen und veränderte nachdrücklich, wie sie seitdem vermarktet und verkauft wurden.

Es gab schon vor Mortal Kombat brutale Spiele, aber nie mit dieser Detailgenauigkeit. Jahrzehntelang konnten Computer und Heimkonsolen nur eine sehr begrenzte Anzahl von Pixeln und Farbpaletten verarbeiten und stellten eigentlich nur einfache, blockartige Formen in wenigen verschiedenen Farbtönen dar. In den 90er Jahren änderte sich das. Die Genesis-Konsole (Sega) und das SNES (Nintendo) boten eine höhere Auflösung und mehr Farben und ermöglichten so lebendigere und detailliertere Grafik. Gleichzeitig kamen CDs mit hoher Speicherkapazität auf – und damit hielten Videos von echten Schauspielern in den Spielen Einzug, wie in einem interaktiven Film. US-Senator Joe Lieberman wurde auf diese Entwicklung aufmerksam.

„Die Tage, als Videospiele nur aus Pac-Man und anderen kuriosen Figuren bestanden, sind vorbei“, schrieb Lieberman in einem Brief an seine Kollegen, wie es in Content Rated By: An Oral History of the ESRB zitiert wird. „Der technologischen Fortschritt erlaubt es den neuesten Videospielen, echte Schauspieler und Schauspielerinnen zu verwenden, um Mord, Verstümmelung und Entstellung auf extrem anschauliche Weise darzustellen. Und die Technologie wird schnell immer realistischer.“
Mortal Kombat SNES
SEGA und Nintendo hatten erkannt, dass Mortal Kombat eine Kontroverse auslösen könnte und wollten ihr zuvorkommen. Nintendo hatte lange Zeit die Ansicht proklamiert, dass ein Spiel, das auf seiner Konsole gespielt werden kann, familienfreundlich sei. Man bestand dort darauf, dass der Publisher Acclaim die Farbe des Blutes im Spiel von rot zu grün ändern sollte und einige Fatalities weniger brutal ausfielen. SEGA wollte das Spiel nicht verändern, rief aber die Einstufungskommission „Videogame Rating Council (VRC)“ ins Leben und kennzeichnete das Spiel auf der Verpackung mit der Altersfreigabe MA-13 und dem Hinweis „Parental Discretion Advised“ (in etwa: Elterliche Besonnenheit wird empfohlen).

In einem Brief an seinen Kollegen bei Nintendo drängte der Präsident von SEGA of America, Tom Kalinske, das Unternehmen dazu, der VRC beizutreten, und teilte damit die Bedenken von Lieberman. „Ihre Richtlinien passten wohl zu diesem Geschäft, als es noch nicht so komplex war und als mehr als drei Viertel der Spieler noch keine 17 Jahre alt waren – in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren. Inzwischen ist unsere Technologie viel höher entwickelt und wird zunehmend auch für ein erwachsenes Publikum interessant. Daher sollten wir meiner Meinung nach ein branchenweites Rating-System zur verantwortungsvollen Selbstregulierung einführen – und Sie und Ihr Unternehmen sollten sich uns bei der Umsetzung anschließen.“

Im Jahr 1993 machte SEGA der Vorherrschaft Nintendos auf dem Heimkonsolenmarkt Konkurrenz. Daher dachte der SNES-Hersteller nicht daran, einem Bewertungsgremium beizutreten, das sein schärfster Konkurrent gegründet hatte.

Nintendos und SEGAs Versuche, eine mögliche Kontroverse zu entschärfen, scheiterten jedoch, denn teilweise hatten sie sich selbst ein Problem geschaffen: Die Käufer am Mortal Monday wussten nicht, was in der jeweiligen Version von Mortal Kombat enthalten war. Einige kamen mit der ungekürzten Version von Mortal Kombat nach Hause, die sie schon in der Spielhalle gezockt hatten, und andere hatten sich die zensierte Version gekauft.

Lieberman beschreibt das Problem in seinem Brief so: „Eltern können nur schwer einschätzen, welche Videospiele leicht gewalttätig sind und welche wirklich verabscheuenswürdig sind. Es existiert kein einheitliches System, das ein besorgte Mutter vor dem gewalttätigen Inhalt eines Videospiels warnt, das sie für ihr Kind kauft.“
GTA San Andreas
Nintendo wollte zwar nicht der VRC beitreten, aber das Unternehmen erkannte schnell, dass es sich an einer branchenweiten Lösung beteiligen musste. Als Lieberman und sein Senatorenkollege Herb Kohl die beiden Unternehmen Nintendo und SEGA zum ersten Mal vor den Kongress zitierten, beschuldigten sich die Vertreter der beiden Unternehmen gegenseitig, dass ihre Konkurrenz die Schuld an der unverantwortlichen Veröffentlichung von Spielen trüge. Lieberman drohte damit, eine Regierungskommission einzurichten, um ein Klassifizierungssystem für Spiele zu schaffen, wenn es der Videospielindustrie nicht gelingen würde, ihr eigenes zu entwickeln. SEGA und Nintendo waren sich zwar in vielen Dingen uneins, sollte aber ein staatliches Bewertungsgremium die Macht erhalten, Spiele zu verbieten oder ihren Verkauf einzuschränken, hätte dies dramatische Auswirkungen auf die gesamte Branche.

Im Laufe der nächsten vier Monate riefen Nintendo, SEGA und die Vorsitzenden der wichtigsten Publisher in den USA die Interactive Digital Software Association ins Leben (später wurde daraus die Entertainment Software Association) – und diese Organisation trat als vereinte Front für die US-Videospielindustrie auf. Zu den ersten Maßnahmen der IDSA gehörte die Einrichtung des Entertainment Software Rating Board (ESRB).

Wenn jemand ein Spiel in einem amerikanischen Geschäft verkaufen wollte, war dazu eine Altersfreigabe des ESRB nötig. Als Microsoft, Nintendo und PlayStation später ihre digitalen Shops auf den Markt brachten, verlangten sie ebenfalls eine ESRB-Freigabe. So schaffte es die Branche, die meisten Publisher und Entwickler zu einer Einstufung ihrer Spiele zu bewegen und es weitgehend zu vermeiden, von der Regierung überwacht zu werden.

Es ist Spielen wie DOOM und Mortal Kombat zu verdanken, dass Spiele seit den frühen 90er Jahren weltweit einer genaueren Prüfung unterzogen werden.  Deutschland gründete eine Selbstregulierungsbehörde, die USK – Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle – ähnlich des ESRB. Das Australian Classification Board, das zur Einstufung von Filmen gegründet wurde, begann nun ebenfalls, Spiele zu bewerten. Und obwohl die britische BBFC bereits seit den 1980ern Spiele eingestuft hatte, übernahm sie in den 1990ern eine aktivere Rolle bei der Entscheidung, welche Spiele in Großbritannien verkauft werden durften, und lehnte die Einstufung von Gewaltspielen wie Carmageddon und Manhunt 2 ab – was praktisch einem Verkaufsverbot gleichkam.
 

So funktionieren Videospiel-Einstufungen


Im Gegensatz zu Filmen, die kaum länger als ein paar Stunden dauern, braucht man bei vielen Videospielen Dutzende oder sogar Hunderte von Stunden, bis man sie durchgespielt und sämtliche Inhalte gesehen hat. Die Bewertungsgremien vertrauen darauf, dass ihnen die Entwickler eine ehrliche Zusammenfassung der Spielinhalte liefern, und nutzen dazu einerseits detaillierte Fragebögen und andererseits Bildmaterial des eigentlichen Spiels. Dann machen sich die Prüfer ans Werk, bewerten das Material und entscheiden, welche Einstufung am besten passt.
Manhunt 2
Da dieser Prozess Vertrauenssache ist, werden harte Strafen ausgesprochen, wenn Spielinhalte verschwiegen werden, die ansonsten zu einer höheren Alterseinstufung geführt hätten. Das ESRB kann etwa Publisher mit Geldstrafen belegen, wenn sie Inhalte vor ihren Prüfern verborgen haben – dann kann das Spiel sogar aus den Regalen der Händler verschwinden, so geschehen beim berüchtigten „Hot Coffee“-Vorfall von Grand Theft Auto: San Andreas im Jahr 2004.

Die Prüfer spielen also das Spiel, das sie bewerten, nicht zwangsläufig selbst, aber ein derartiger Fehler kommt die Publisher und Entwickler so teuer zu stehen, dass sie freiwillig so offen wie möglich sind, wenn ihr Spiel eine Einstufung erhält.
 

Werden die Alterseinstufungen im Epic Games Store angezeigt?


Der Epic Games Store ist eine internationale Vertriebsplattform. Daher seht ihr je nach Region, in der ihr einkauft, unterschiedliche Einstufungen. Ein Käufer in den USA sieht daher eine ESRB-Bewertung und ein Käufer in Europa eine PEGI-Einstufung. Die meisten großen Bewertungsgremien klassifizieren die Spiele nach ähnlichen Kategorien – das liegt unter anderem daran, dass sich eine Gruppe von Rating-Organisationen im Jahr 2013 zusammengeschlossen und die International Age Rating Coalition (IARC) gegründet hat.
Need for Speed Unbound mit PEGI-Einstufung
Die Spieleentwickler können einen Fragebogen bei der IARC einreichen, um zu erklären, welche Inhalte in ihrem Spiel vorkommen. Anschließend wird ihnen eine Freigabe für alle beteiligten Länder sowie eine allgemeine weltweite Freigabe erteilt. Zur IARC gehören ACB aus Australien, ClassInd aus Brasilien, ESRB aus den USA, GRAC aus Südkorea, PEGI aus Europa und USK aus Deutschland. Das funktioniert nur, weil die beteiligten Bewertungsgremien nach ähnlichen Bewertungskategorien vorgehen.

Wenn ihr oben die Links anklickt, gelangt ihr zu den Details der Bewertungen der einzelnen Gremien. Hier stellen wir euch vor, wie das ESRB Spiele einstuft:

  • Mit Everyone (Alle) gekennzeichnete Inhalte sind allgemein für alle Altersgruppen geeignet. Sie enthalten möglicherweise minimale, comicartige, abstrakte oder milde Gewaltdarstellung und gelegentlich milde vulgäre Sprache.
  • Mit Everyone 10+ gekennzeichnete Inhalte sind allgemein ab 10 Jahren geeignet. Sie enthalten möglicherweise Gewalt gegen Zeichentrick- oder Fantasiewesen oder leichte Gewalt, leichte vulgäre Sprache und anzügliche Themen.
  • Mit Teen gekennzeichnete Inhalte sind allgemein ab 13 Jahren geeignet. Sie enthalten möglicherweise Gewalt, anzügliche Themen, groben Humor, minimale Blutszenen, simuliertes Glücksspiel und gelegentliche vulgäre Sprache.
  • Mit Mature 17+ gekennzeichnete Inhalte sind allgemein ab 17 Jahren geeignet. Sie enthalten möglicherweise intensive Gewaltdarstellung, Blut- und Gewaltszenen, sexuelle Inhalte und vulgäre Sprache.
  • Mit Adults Only 18+ gekennzeichnete Inhalte sind nur ab 18 Jahren geeignet. Sie enthalten möglicherweise ausgedehnte Szenen intensiver Gewaltdarstellung, explizite sexuelle Darstellungen und Glücksspiel mit Echtgeld.


Neben der Alterseinstufung erfahrt ihr bei den meisten Klassifizierungen im Epic Games Store auch, für welche Art von Inhalten das Spiel seine Einstufung erhalten hat, z. B. „Gewalt“ oder „vulgäre Sprache“. Außerdem seht ihr vielleicht weitere Details, wie zum Beispiel „Käufe im Spiel“.


Wie sich Altersfreigaben auf den Epic Games Store auswirken


Die Altersfreigabe eines Spiels wirkt sich darauf aus, wie und ob es im Epic Games Store angezeigt wird.

Wenn ihr euer Konto zum Beispiel mit einem Minderjährigen teilt, könnt ihr mit der Kindersicherung den Zugang einschränken – diese Funktion ist durch die Spielklassifizierungen möglich. Mit der Kindersicherung könnt ihr eine maximale Altersfreigabe für euer Konto einstellen. Dann kann niemand ein Spiel mit einer höheren Altersfreigabe kaufen oder spielen, wenn nicht zuvor die richtige sechsstellige PIN eingegeben wurde. Außerdem könnt ihr bestimmte Funktionen wie den Sprach- und Textchat einschränken. Weitere Informationen findet ihr in der Einrichtung der Kindersicherung im Epic Games Store.
EGS-Kindersicherung
Epic schreibt zwar nicht vor, dass Spiele für den Epic Games Store eine Altersfreigabe haben müssen, aber wenn sie keine haben, erscheinen sie möglicherweise nicht in eurer Region. Wenn ihr in Australien oder Südkorea spielt, seht ihr zum Beispiel nur Spiele mit Altersfreigabe. Spiele ohne Einstufung werden im Epic Games Store behandelt, als hätten sie die höchste Altersfreigabe erhalten. Wenn ihr eure Kindersicherung so eingestellt habt, dass keine Spiele mit einer höheren Einstufung als „Teen“ (Jugendliche ab 13 Jahren) erlaubt sind, könnt ihr ein Spiel ohne Altersfreigabe nicht kaufen, ohne vorher die richtige PIN einzugeben.

Ihr könnt im Epic Games Store zwar viele „Mature“-Spiele (ab 17 Jahren) wie Red Dead Redemption 2 und Mortal Kombat 1 finden, aber ihr werdet keine Spiele mit der extremeren Einstufung „Adults Only“ finden.

„Adults Only“-Spiele sind zwar nicht verboten, aber die großen Händler vieler Länder verkaufen keine Spiele mit einer höheren Altersfreigabe als „Mature“, sodass die meisten großen Entwickler und Publisher gar keine Spiele entwickeln, die diese Einstufung erhalten könnten. 2007 erhielt Manhunt 2 beispielsweise eine „Adults Only“-Einstufung des ESRB – daher nahm der Entwickler Rockstar Games vor der Veröffentlichung Änderungen vor, um die Einstufung auf „Mature“ zu senken.

Schon seit über 30 Jahren werden Videospiele von Bewertungsgremien mit einer Alterseinstufung versehen, um die Kunden bestmöglich zu informieren. Diese Organisationen erläutern oft ausführlich, aus welchen Gründen sie ein Spiel mit einer bestimmten Altersfreigabe bewertet haben. So erfahrt ihr genau, welche Inhalte in einem Spiel enthalten sind, und ihr könnt euch selbst ein Bild davon machen, ob sich das Spiel für alle Personen eignet, die Zugang zu eurem Epic Games Store-Konto haben, – und ihr könnt die Kindersicherung nutzen, damit auch garantiert nur angemessene Inhalte zugänglich sind.