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Wheel World ist eine freche Liebeserklärung an den ausrüstungsbesessenen Radsport

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Byline: Jeremy Peel
4. Aug. 2025

Mark Essen fährt gern mit dem Fahrrad am Strand entlang. Dabei passiert es ihm häufig, dass ihm ein anderer Radfahrer folgt. Nach einer Weile holt dieser zu ihm auf, tritt wie besessen in die Pedale und fordert ihn wortlos zu einem kleinen Wettrennen auf. „Manche Leute mittleren Alters nehmen das Radfahren ziemlich ernst“, sagt er. „Es geht ihnen darum, sich zu messen. Nach dem Motto ‚Na, kannst du mithalten?‘ wird das Ganze zum Wettrennen, bei dem es letztendlich egal ist, wer gewinnt.“

Das kommt so regelmäßig vor, dass es eine Spielmechanik im Open-World-Radspiel Wheel World seines Studios Messhof inspiriert hat. Nähert euch einem einsamen Radfahrer von hinten und klingelt, und schon beginnt das spontane Duell. „Mir gefällt die Mechanik von Burnout Paradise, bei der man an Kreuzungen spontan Rennen beginnt“, fügt Essen hinzu. „Aber ich habe am Anfang der Entwicklung auch Ghost of Tsushima gespielt und fand die Idee gut, wie man unterwegs NPCs, zum Beispiel Füchsen, begegnen kann, um ihnen dann zu einem überraschenden Ziel zu folgen.“

Dieser Ansatz prägt das gesamte Konzept von Wheel World. Messhofs Spiel ist sowohl von den freiheitsbetontesten und erkundungsreichsten Open-World-Abenteuern aller Zeiten inspiriert als auch vom subtilen, humorvollen Charme der Fahrradkultur in der echten Welt.
 
„Im Profi-Radsport – [etwa] bei der Tour de France – kann man nicht einfach irgendein Fahrrad fahren“, erklärt Essen. „Es muss ein Fahrrad mit Diamantrahmen sein, und selbst die Socken müssen eine bestimmte Länge haben. Entscheidend ist nicht nur die Leistung, sondern auch Stil und Markenidentität spielen eine wichtige Rolle. Und ich glaube, dieser Einfluss erstreckt sich sogar auf Leute, die mit dem Radsport eigentlich nichts am Hut haben. Am Ende dreht sich alles nur noch um die Ausrüstung. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Frage der Mode.“

In Wheel World, wo fast alle Fahrrad fahren, schließen sich die Bewohner zu Gangs zusammen, um ihre Loyalität zu Carbon-Sätteln oder Vintage-Teilen zum Ausdruck zu bringen. Alle sind fest davon überzeugt, den einzig wahren Weg gefunden zu haben, mit der bestmöglichen Effizienz, Leistung und Optik zu radeln. Und ihr müsst ihnen auf der Strecke das Gegenteil beweisen.
Wheel World I
„Wenn man Radfahren als Sport betreibt, fährt man irgendwann nicht mehr zum Vergnügen,“ erläutert Essen. „Man achtet nur noch auf die Zahlen, und je öfter man sich seine Werte ansieht, desto mehr denkt man über kleine Verbesserungen oder marginale Vorteile nach. Als Nächstes investiert man in bessere Ausrüstung und dann muss man sich selbst und der Welt glaubhaft machen, dass dieser Kauf notwendig war. So entstehen seltsame Kulturen.“

„Während ihr die italienische Karte von Tramonto und die angrenzende Industriewüste erkundet, Teile findet und Rennen gewinnt, sammelt ihr jede Menge Ersatzteile, die ihr austauschen könnt, um das Fahrgefühl eures Bikes zu beeinflussen. „Jeder Wert wirkt sich auf mehrere Bereiche im Physiksystem aus, aber wir wollen nicht verraten, welche das genau sind“, sagt Essen.

Ihr könnt die Stärken eures Fahrrads auf „Aero“ oder „Grip“ festlegen, um die Geschwindigkeit bzw. das Kurvenverhalten zu betonen. Allerdings gewährt euch Messhof keinen Zugriff auf die Zahlen, sodass ihr wahrscheinlich nie die perfekte Kombination finden werdet.

„Wir wollten die ständigen Diskussionen über Materialien aus der Fahrradwelt nachbilden“, erklärt Essen. Profi-Radfahrer streiten sich ständig über die Vorteile eines federnden Stahlrahmens gegenüber der Leichtigkeit von Titan oder der Steifheit und Kraftübertragung von Carbon. „Wir wollten, dass die Leute etwas ratlos sind und sich gedanklich im Kreis bewegen, während sie der Lösung nachjagen“, fügt er hinzu. „Dass sie vielleicht in diese Optimierungsfalle geraten, aus der es keinen wirklichen Ausweg gibt. So fühlt es sich zumindest an.“

Und genau diese lässige, typische Sensibilität spiegelt sich in der Geschichte von Wheel World wider. Das Spiel wurde zunächst unter dem Namen Ghost Bike angekündigt – benannt nach den Mahnmalen am Straßenrand, die an verunglückte Radfahrer erinnern. Im Verlauf der Entwicklung nahm es allerdings einen etwas leichteren Ton an. Essen führt diese Veränderung auf seine Unerfahrenheit mit narrativen Spielen zurück.
Wheel World C
„Letztendlich hatte ich zu viel Story eingebaut und ihr zu viel Macht über das Spiel gegeben“, sagt er. „Das Gameplay war dabei fast nebensächlich: ‚Wie machen wir es mehr wie Uncharted oder so?‘ Es hat einfach nicht funktioniert.“ Nachdem Messhof die Handlung in den Hintergrund rückte, um der offenen, lebendigen Spielwelt mehr Platz zu lassen, fühlte sich die Geschichte immer mehr wie eine schwere Last an. „Wir haben das Ganze stark verändert, und für mich war das so Ordnung“, erklärt Essen. „Ich glaube, das ist eine ganz normale Herangehensweise mit einem so kleinen Team.“

Die Geschichte von Wheel World handelt letztlich immer noch vom Übergang der Seelen ins Jenseits, doch die spirituelle Verwandlung tritt inzwischen hinter den Sportsgeist des Radfahrens zurück. „Es gibt ein paar alberne Hintergrundgeschichten, einen Schöpfungsmythos und Gottheiten, zu denen die Leute beten, aber das Ganze ist eher optional und wird den Spielern nicht aufgedrängt. Man muss nicht unbedingt darüber Bescheid wissen.“

Wenn Wheel World irgendeine Art von Religion thematisiert, dann ist es der leidenschaftlich betriebene Hobbykult, der den Radsport prägt und den Messhof spielerisch inszeniert. „Die Freiheit des Radfahrens kann man auf jedem Bike erleben“, betont Essen. „Aber die Leute neigen dazu, sich hineinzusteigern.“

Schwingt euch noch heute im Epic Games Store auf Wheel World.