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Wife Quest ist herrlich durchgeknallt

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Paul Cecchini
19. Jan. 2024
Als ich zum ersten Mal über Wife Quest stolperte, schenkte ich ihm gerade mal einen Seitenblick. 2D-Sidescroller im Cartoon-Stil gibt es wie Sand am Meer und um sich von der Menge abzuheben, muss ein Spiel schon viel zu bieten haben.

Für Wife Quest von dem Indie-Studio Pippin Games trifft das zu. Und zwar keineswegs wegen des Plattform-Gameplays (welches durchaus solide ist) oder seiner niedlichen Anime-Ästhetik (ebenfalls solide) oder gar der überraschenden Story, bei der eine Frau ihren Ehemann aus den Händen der Bösewichte befreit. Nein, was das Spiel so besonders macht, ist seine urkomische verrückte Besetzung, allen voran die Hauptfigur Mia.

Der krasse Gegensatz der Persönlichkeiten Mias und ihres Ehemanns, des einfachen Bauern Fernando, wird gleich zu Beginn des Spiels deutlich, als Fernando seiner Frau salopp mitteilt, dass eine Bande von Monstermädchen wieder einmal gekommen ist, um ihn zu verschleppen – für das Paar offenbar ein alltägliches Ereignis. Mia platzt aus der Haustür, schreit die Möchtegern-Entführerinnen erbost an, schnappt sich ein Schwert und stürmt wütend auf sie los. Die einleitende Erzählung fast das hübsch zusammen: „Und so sieht das tägliche Leben von Fernando, dem einfachen Bauern, und Mia, seiner eifersüchtigen Frau aus.“

Wie zu erwarten ist, entlädt Mia ihren Zorn mit cartoonhafter Brutalität und gibt den bösen Monstermädchen Saures. Wife Quest ist ein ziemlich geradliniger Plattformer mit einer Betonung auf Schwertkampf, seine Besonderheit liegt in dem absolut optionalen (aber überraschend unterhaltsamen) Bestrafungssystem. Wenn sie einen Gegner besiegt hat, kann Mia noch etwas nachlegen und zum Beispiel ein Orkmädchen mit dessen eigener Keule verdreschen, ein Feuermonster in den Schwitzkasten nehmen oder einer bösen Fee die Flügel ausreißen, um damit Spalten zu überqueren (ja, manche Bestrafungen bieten euch sogar Power-ups!). Ich bin kein Fan von Spielen mit übermäßiger Gewalt, aber hier wird die sie so übertrieben dargestellt – und letzten Endes überleben alle –, dass ich einfach lachten musste.
Wife Quest ist herrlich durchgeknallt – Kampf
Taten sagen vielleicht mehr als Worte, aber warum sich mit einer Option begnügen, wenn Mia beide zu bieten hat? Ihre Gegner bedenkt sie mit bissigen Kommentaren und mit „bissigen Kommentaren“ meine ich üble Beschimpfungen. Und damit geht sie nicht sparsam um. Ich fand es immer wieder erheiternd, wie Mia ihre Widersacherinnen „stinkige Hexe“, „elendes Miststück“ oder „schamlose, unmoralische Degenerierte“ nennt. Auch hier ist alles gerechtfertigt, wenn man bedenkt, wie hemmungslos diese männerraubenden Monstermädchen mit Fernando flirten.

Wut ist ja nicht Mias Normalzustand. Sie und Fernando sind auch keine Klischeepärchen von der Sorte „Hausdrachen und Pantoffelheld“. Mia liebt und respektiert ihren fügsamen Gatten ganz offensichtlich und die Art, wie sie jedes Mal in den Turteltaubenmodus wechselt, wenn sie an ihn denkt, ist absolut rührend. Dieser gegensätzliche Charakterzug macht ihre Persönlichkeit wirklich liebenswert.

Mia ist ein echter Hitzkopf und strahlt eine Persönlichkeit aus, die den Protagonisten von Indie-Plattformern im Allgemeinen fehlt. Selbst während ich diesen Artikel schreibe, muss ich immer wieder kichern, wenn ich daran denke, wie überraschend witzig und bezaubernd Wife Quest ist, und hoffentlich wird es euch genauso gehen.

Stürmt in den Epic Games Store und holt euch das Spiel noch heute.