
Vier Spiele, in denen ihr Probleme durch Reden löst

Bösewichte in Videospielen zu zerfleischen und zu pulverisieren, ist eine verlockende Machtfantasie. Dabei könnt ihr – scheinbar unverwundbar – im Zentrum des Gemetzels stehen oder euch dem Adrenalinrausch hingeben, während ihr gegnerischen Angriffen ausweicht.
Aber erbarmungslose Gewalt verliert irgendwann ihren Reiz. Unter Umständen kann ein pazifistischer Ansatz zur Konfliktlösung viel befriedigender sein – zum Beispiel wenn ihr ein hyperintelligentes Wesen von der Sinnlosigkeit seiner militärischen Strategie überzeugt oder ein paar unglückselige Mafiosi einschüchtert und dazu bringt, sich zu ergeben.
Hier sind vier Spiele, in denen ihr herausfinden könnt, wie weit euch eure Überzeugungskraft bringt. Vielleicht entdeckt ihr sogar neue Aspekte eurer Feinde (und der Welt, die euch umgibt), wenn ihr in schwierigen Gesprächen euer diplomatisches Geschick beweist.
Vampire: The Masquerade – Swansong
Die Reihe Vampire: The Masquerade war ursprünglich ein Tabletop-RPG, aus dem mehrere Videospiele entstanden, vom gefeierten RPG Vampire: The Masquerade – Bloodlines bis hin zum Battle Royale Vampire: The Masquerade – Bloodhunt.

Im Gegensatz zu anderen eher kampforientierten Spielen dieser Spezies geht es in Vampire: The Masquerade – Swansong um die politischen Machtkämpfe innerhalb der Vampirwelt. In mancher Hinsicht sind uns diese Blutsauger offensichtlich sehr ähnlich – sie bilden Allianzen und Räte, führen verdeckte Operationen durch und fallen sich gegenseitig in den Rücken, um sich politische Vorteile zu verschaffen.
In Swansong wechselt ihr zwischen drei Vampiren. Ihr spielt als die relativ junge Emem Louis, als Leysha, die sich nur undeutlich an ihre Vergangenheit erinnert, und als der würdevolle Veteran Galeb Bazory. Alle drei arbeiten für „den Prinzen“, die amtierende Vampir-Chefin der Stadt Boston. Als ein mysteriöser Anschlag stattfindet, beauftragt der Prinz Emem, Leysha und Galeb damit, die Täter zu entlarven.
In der Welt von Vampire: The Masquerade wissen die Menschen nichts von der Existenz der Vampire, daher müssen die Ermittlungen geheim und mit einer gewissen Überredungskunst erfolgen. Ihr müsst also mit allerhand Leuten (sowohl Menschen als auch Vampiren) sprechen, wie ein Detektiv Ermittlungen durchführen und alle Beteiligten von euren Ansichten überzeugen – und zwar ohne Gewalt. In der Zwischenzeit will der Prinz die Herrschaft der Camarilla, einer elitären Vampirsekte, auf weitere Städte ausdehnen.
Mit anderen Worten: Es gibt viel zu besprechen.

Aber eure Überredungskünste und euer Charisma sind nicht eure einzigen Waffen. Schließlich seid ihr ein Vampir mit übernatürlichen Kräften. Nutzt die individuellen Vampirfähigkeiten von Emem, Leysha und Galeb, um bei euren Untersuchungen voranzukommen. So könnt ihr zum Beispiel mit „Dominate“ niedrigere Wesen mit wenigen Worten kontrollieren oder mit „Auspex“ Vorahnungen auslösen. Wenn ihr diese Kräfte gut einsetzt, werdet ihr euch in den intrigenreichen Wassern der Camarilla wie altgediente Vampirpolitiker bewegen.
Planescape: Torment
Im Mittelpunkt von Planescape: Torment steht die spannende Frage: „Was kann das Wesen eines Menschen verändern?“ Genau dies beschäftigt den Protagonisten von Planescape: Torment. Der sogenannte Namenlose ist ein unsterbliches Wesen, das auf einem Seziertisch erwacht und sich an nichts mehr erinnern kann.

Passenderweise kann der Namenlose auch gar nicht sterben. Wenn er getötet wird, wacht er einfach wieder auf demselben Seziertisch auf. Der Namenlose bricht auf, um seine Vergangenheit zu erforschen und seine Erinnerungen wiederzuerlangen, was er aber allein mit Handgreiflichkeiten nicht erreichen kann.
Im Gegensatz zu anderen Spielen seiner Epoche ist Planescape: Torment vor allem ein Spiel mit Worten – in Gesprächen aus fortlaufend länger werdenden Scroll-Texten geht es um gewichtige philosophische Themen. Als der Namenlose könnt ihr wählen, auf welche Art ihr eure Mission erfüllen wollt. Ihr könnt zum Beispiel als rücksichtsloser Grobian gedankenlos morden, um eure Ziele zu erreichen. Aber es ist klar, dass Planescape: Torment den gewaltfreien Ansatz vorzieht.
In einer Aufgabe müsst ihr euch um einen hartnäckigen Dauergast in einer Absteige kümmern. Am einfachsten ist es natürlich, ihn zu ermorden. Doch ihr könnt ihn auch zum Gehen überreden, indem ihr einen anderen Charakter dazu bringt, seinen wertvollen Besitz aufzugeben, was euch eine weitaus größere Belohnung einbringt. Ihr könnt auch mehrere entscheidende Kämpfe völlig vermeiden, indem ihr den Gegner überzeugt, sich zu ergeben. Wen die reichhaltige und fantastische Erzählung des Spiels interessiert, der wird die kampflose Vorgehensweise weitaus lohnender finden als das bloße Niederknüppeln der Gegner.

Auch die praktische Fähigkeit des Namenlosen, unter allen Umständen dem Tod zu entkommen, eröffnet neue und faszinierende Dialogoptionen. Bittet beispielsweise eine Schneiderin darum, euch eure Eingeweide aus dem Körper zu reißen … und zwar für eure eigenen Zwecke.
Fallout
Die Fallout-Reihe ist inzwischen fast das Markenzeichen von Bethesda Game Studios. Das ursprüngliche Fallout war jedoch etwas ganz anderes – ein isometrisches RPG mit rundenbasierten Kämpfen und einem ausdrücklichen Schwerpunkt auf mehrfachen Lösungswegen für die Aufgaben. Das ist im Grunde nicht verwunderlich, da sowohl Planescape: Torment als auch Fallout von Black Isle Studios entwickelt wurden.

Ihr spielt einen Überlebenden, der nur als „Vault-Bewohner“ bekannt ist, und seid in Vault 13 geboren und aufgewachsen, einem der vielen unterirdischen Atombunker, die zum Schutz vor einem globalen Atomkrieg gebaut wurden. Als der Steuerchip der Trinkwasseranlage von Vault 13 plötzlich seinen Geist aufgibt, müsst ihr innerhalb von 150 Tagen einen Ersatzchip finden, da sonst das saubere Wasser in der Vault ausgeht. Ihr seid daher gezwungen, euch an die verwüstete und verstrahlte Oberfläche zu begeben. Diese gewaltige Aufgabe haben bisher nur wenige Überlebende auf sich genommen.
In Fallout brachte eine bis dahin unbekannte Dringlichkeit ins Spiel. Ihr habt nur begrenzt Zeit, eure Aufgabe zu erfüllen. Mit anderen Charakteren zu sprechen und Informationen zu sammeln, ist von größter Bedeutung, aber ihr könnt es euch nicht leisten, mit jedem zu sprechen.

Wie in Planescape: Torment können Aufgaben auf verschiedene Arten gelöst werden, ihr könnt es mit Gesprächen versuchen oder etwas Gewalt anwenden. Das gilt sogar für den großen Bösewicht des Spiels.Wenn ihr clever und überzeugend genug seid, könnt ihr ihn dazu bringen, seine raffinierten Pläne aufzugeben – und einen ziemlich schwierigen Kampf vermeiden.
Deus Ex: Mankind Divided
Das Cyberpunk-RPG Deus Ex: Mankind Divided, die Fortsetzung von Deus Ex: Human Revolution (und insgesamt das fünfte Deus Ex-Spiel), ist ein Stealth-Shooter, der den Wurzeln der Reihe ziemlich treu bleibt. Ihr spielt wieder Adam Jensen, einen kybernetisch verbesserten Superhacker mit einem Arsenal an Waffen, Augmentierungen und anderen Vorrichtungen, das ausreicht, um eine ganze Armee von Cyborgs auszuschalten. Und genau das hat Jensen auch vor – er will die Illuminaten zur Strecke bringen, die augmentierte Menschen mit einem Biochip markieren wollen und noch viele andere schändliche Taten planen.

Doch wo bliebe der Spaß, wenn man alle einfach blutig niedermetzelte? In Mankind Divided gibt es den Erfolg „Pazifist“, den ihr euch verdienen könnt, indem ihr das Spiel beendet, ohne jemanden zu töten. Notfalls überwältigt ihr die aggressiveren Feinde mit nicht-tödlichen Waffen wie der „TESLA“, mit der Jensen sie vorübergehend kampfunfähig machen kann.
Alternativ könnt ihr euch aus brenzligen Situationen mithilfe der „CASIE“-Augmentierung herausreden, die euer Gesprächstalent etwas verbessert. In Deus Ex: Mankind Divided könnt ihr eure Überredungskünste beweisen, um entscheidende Sicherheitscodes oder mehr Informationen über geheime Projekte in Erfahrung zu bringen und so – trotz aller eurer coolen Hightech-Gadgets – auf kaltblütige Morde zu verzichten.