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In „Arsene Lupin - Once a Thief“ spielt ihr sowohl Meisterdieb als auch Detektiv

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Francisco Dominguez
15. Nov. 2024

Vielleicht habt ihr den Namen Arsène Lupin schon einmal gehört, aber nur wenige kennen den flüchtigen französischen Dieb und Gentleman aus Maurice LeBlancs Krimireihe aus den frühen 1900er-Jahren wirklich.

Bislang hat sich dieser Verkleidungskünstler dem Weltruhm genauso entzogen wie damals, als er verwirrten Detektiven und Pariser Gefängnissen entkommen ist. Poirot hat David Suchet. Sherlock Holmes hat Benedict Cumberbatch. Arsène Lupin hat kein solches Gegenstück – selbst die Netflix-Serie, die seinen Namen trägt, dreht sich nicht um ihn selbst, sondern um einen Charakter, der von ihm inspiriert ist. Er ist ein Umhang und Zylinder tragendes Rätsel, das sich nicht definieren lässt. In den Geschichten, die seinen Namen tragen, hat er oft bewiesen, dass nichts und niemand ihn einfangen kann – weder eine Gefängniszelle noch ein talentierter Schauspieler.

Aber in Arsene Lupin - Once a Thief stellt Blazing Griffin seine eigene Interpretation dieses berühmt-berüchtigten Diebs vor und gibt ihm seine erste Hauptrolle in einem Videospiel. Neil McPhillips, Head of Games bei Blazing Griffin, gibt zu, dass es nicht nur erheiternd war, Lupin in ein neues Medium zu überführen, sondern auch eine beängstigende Verantwortung. „Für alle, die nie die Bücher gelesen haben, ist unsere Version vermutlich die erste Begegnung mit diesem Charakter“, sagt McPhillips. „Das bedeutet ganz schön viel Druck, aber ich glaube, es ist auch richtig toll, was wir da machen dürfen.“
 

Die Adaption eines Rätsels


Nachdem sich das Entwicklerstudio jahrelang auf Kriminalgeschichten in geschlossenen Räumen konzentriert hat (darunter Hercule Poirot: The First Cases und Hercule Poirot: The London Case) – Blazing Griffin hat letztes Jahr mit uns über die düstere Kunst des Krimis gesprochen –, bedeutet die Adaption von Lupins Eskapaden eine große Veränderung. Die zwei Adaptionen von Agatha Christies Werken waren düster, schmutzig und weitestgehend auf dem Gelände eines Landguts angesiedelt. Arsene Lupin - Once a Thief hingegen ist ein unbeschwertes Weltenbummler-Abenteuer, das auf der ersten Kurzgeschichtensammlung rund um Lupin sowie den extravaganten Exzessen der Belle Époque basiert.

McPhillips denkt, dass viele Adaptionen von Lupin daran scheitern, dass sie ein wichtiges Detail vergessen: Lupin macht Spaß. Lupin sollte kein übertriebenes Maß an pompöser Größe an den Tag legen und die Stimmung in seinen Geschichten sollte auch nicht so düster sein wie in jenen rund um Sherlock Holmes. Erfolgreiche „Adaptionen“ wie die Anime-Reihe Lupin the Third und die Netflix-Serie Lupin sind da schon eher auf der richtigen Fährte. Sie zeigen zwar bewusst nicht Arsène Lupin selbst, betonen aber die verschmitzte Natur des Ausgangsstoffs, der voller alberner Verkleidungen und kühner Hochstapeleien ist.
Arsene Lupin - Once a Thief – Dialog
Auch bei Blazing Griffin fand man, dass ein verspielter Ansatz – mit seinem halb unzüchtigen und ungeheuerlichen Tonfall fast schon eine direkte Nachahmung  – am besten zu Lupins Kapriolen passt. Sein geheimnisvolles Wesen wird mithilfe einer Einschiebung gezeigt, in der sich Lupin bei Maurice LeBlanc höchstselbst an seine ersten Taten erinnert und mit dem Autor über kleine Einzelheiten streitet, während sie am Kamin sitzen.

„So viele der Originalgeschichten drehen sich um die Wahrnehmung von Leuten und die Legende Lupins“, sagt McPhillips. Da gibt es den einen Lupin, wie er von den Medien dargestellt wird – er beherrscht die Schlagzeilen über seine Festnahme oder einen folgenden Strafprozess. Und dann gibt es noch einen anderen Lupin, der in angsterfüllten Gerüchten vorkommt, die unter Bürgern oder Mannschaftsmitgliedern auf einer Reise nach Amerika kursieren.

Aber wer ist Lupin wirklich? Interpretationen seiner Taten und seines wahren Charakters treffen aufeinander und erzeugen bewusste Widersprüche. Man kann ihn niemals wirklich kennen – genau darum geht es!
 

Das Erreichen des Unmöglichen


„In so vielen Lupin-Geschichten heißt es nur, ‚Und dann habe ich einfach diese unmögliche Sache vollbracht‘ und alle sagen, ‚Natürlich hast du das, du bist Lupin!‘“, sagt McPhillips und ist sichtlich neidisch auf LeBlancs allmächtige Figur. „So etwas können wir in einem Spiel nicht bringen! Wir müssen zeigen, wie diese unmöglichen Sachen vollbracht wurden.“

Die erzählerische Lösung für diese unwahrscheinlichen Taten ist der sogenannte Fantasie-Lupin, dessen aristokratische Kleidung laut McPhillips eine reine Erfindung auf Basis der Bucheinbände ist, da das Outfit nie in den eigentlichen Geschichten auftaucht.

Die Legende von Lupin besagt, dass jeder Raubzug fünf Jahre im Voraus geplant wird. Arsene Lupin - Once a Thief greift das auf und lässt euch in die Rolle des berühmt-berüchtigten Kriminellen schlüpfen, wenn er gerade in der Planungsphase steckt. Allerdings laufen seine Pläne selten so wie beabsichtigt. Ein misslungener Raubzug erfordert hektisches Improvisieren, zum Beispiel mit einem Kostüm, das hastig aus irgendwelchen Gegenständen zusammengestellt wird, oder mit einem provisorischen Werkzeug zum Aufbrechen eines Tresors.
Arsene Lupin - Once a Thief – Isometrisch
Damit die Magie eines derart beständigen Rätsels erhalten bleibt, darf man nicht zu viel Zeit mit Lupin verbringen, weil er sonst durch übermäßige Vertrautheit seinen Zauber verliert. In den Büchern werden seine Taten oft aus der Perspektive anderer Charaktere geschildert. So wird es auch in Arsene Lupin - Once a Thief gehandhabt, wo sich Lupin das Rampenlicht mit mehreren spielbaren Charakteren teilt.

Nach dem Zauber von Fantasie-Lupin konzentrieren sich die Kapitel auf spielbare Charaktere, die ihm nachjagen. Dabei rückt das von Blazing Griffin entwickelte Detektiv-Gameplay in den Vordergrund, das an Wo ist Walter oder eine Version von Hitman erinnert, in der ihr Agent 47 verfolgt. Um zu rekonstruieren, was nach dem Raubzug passiert ist, kehrt ihr zum Tatort zurück und betrachtet ihn mit den Augen vieler interessierter Charaktere, darunter mehrere Erzfeinde.
 

Eine Geschichte über zwei Detektive


McPhillips beschreibt Detective Ganimard, dem wir zuerst auf einer Reise nach Amerika begegnen, als einen „Bullen in einem Porzellanladen“, weil er den schurkischen Kriminellen auf tölpelhafte und doch hartnäckige Weise verfolgt. Er ist zum ewigen Scheitern verurteilt und erlebt immer wieder neue Demütigungen. Dennoch sind seine Spielabschnitte eine Rückkehr zu dem Detektiv-Gameplay, auf das sich Blazing Griffin spezialisiert hat – mit detailreichen historischen Schauplätzen zum Erkunden, Mindmap-Mechaniken, die an einen Mordausschuss erinnern, sowie Gespräche-Minispielen im Stil von Ace Attorney.

Es könnte gefährlich sein, Spieler in die Rolle eines nahezu unfähigen Detektivs zu versetzen, der dauernd von einem gewieften Widersacher überlistet wird, aber McPhillips hofft, dass Spieler eine ähnliche Zuneigung zu Ganimard entwickeln werden wie er selbst. „Man spielt einen schlechten Detektiv und ich glaube, das ist recht einzigartig“, sagt er. „Normalerweise geht es um Wunscherfüllung. Man ist der großartigste Dieb oder der großartigste Detektiv überhaupt. Dieses Spiel hingegen sagt einem eher, ‚Nein, das bist du tatsächlich nicht!‘“
Arsene Lupin - Once a Thief – Mindmap
Bald taucht ein herkömmlicherer Widersacher auf, der sehr bekannt klingt, obwohl er anscheinend versucht, unerkannt zu bleiben: Herlock Sholmes. Dabei handelt es sich nicht um einen Tippfehler, sondern um das Ergebnis eines nicht genehmigten, mittlerweile über ein Jahrhundert alten Crossovers, bei dem Sherlock Holmes in Lupins Abenteuern auftauchte, bis der prozessfreudige Arthur Conan Doyle seinen Schriftstellerkollegen LeBlanc dazu zwang, ein hastig erdachtes (und ziemlich faules) Anagramm zu verwenden.

Der überaus kompetente und zu theatralischer Selbstdarstellung neigende Holmes (was jeder bestätigen kann, der seinen jetzt außerhalb des Urheberrechts befindlichen Auftritt in The Great Ace Attorney Chronicles erlebt hat) erhöht die Spannung und die Bedrohung für Lupin, der so gezwungen wird, zunehmend erfinderische Maßnahmen zu ergreifen, um der auf ihn wartenden Gefängniszelle zu entgehen.


Was steckt unter dem Zylinder?


Lupins Ton ist zwar fröhlich und oft unernst, aber McPhillips betont, dass er auch Tiefgang hat: Arsene Lupin - Once a Thief bringt Elemente aus späteren Geschichten ins Spiel, um einen noch faszinierenderen Charakter zu erschaffen. Conan Doyles frühe Sherlock Holmes-Geschichten können eindimensional sein, weil sie einfach ein Genie entfesseln, das verzwickte Fälle mit entschlossenem Blick entwirren kann. Dieses Risiko konnte Blazing Griffin mit Lupin nicht eingehen, also hat das Team bestimmte Teile seiner Persönlichkeit erweitert.

„Es wird angedeutet, dass Lupin gar nicht existiert. Er ist verloren. Er hat vergessen, wer er selbst ist, weil er tagtäglich so viele verschiedene Leute spielt“, erklärt McPhillips. „Wir haben versucht, mit den Erwartungen der Spieler zu spielen. Sie sollten nicht einfach nur in einem Diebesspiel à la Sly Cooper ausgelassene Späße treiben. Es geht mehr um eine erzählerische Annäherung an diese literarische Figur.
Arsene Lupin - Once a Thief
Lupin räumt Tresore leer, entkommt aus Gefängnissen und versteckt sich als blinder Passagier auf Schiffen – aber er verliebt sich auch. Dadurch erkennt er, dass er sich ändern und echter sein muss – echter als ein flüchtiges Mysterium, das in vielen Verkleidungen daherkommt. Diese Erweiterung der Originalgeschichten wurde von LeBlancs Urenkelin genehmigt. Sie bestätigte, dass ein Hauch von Leidenschaft (für mehr als nur ein geklautes Fabergé-Ei) ebenfalls einen Platz in der Geschichte dieses Mysteriums verdient hat. „Es gibt immer eine Frau. Das ist Lupins Regel.“

Arsene Lupin - Once a Thief ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.