
Mit Kainga baut ihr Welten in nur 30 Minuten

Soloentwickler Erik Rempen hat schon viel von der Welt gesehen. Er hat nach eigenen Angaben in acht Ländern gelebt und über 70 weitere besucht, und aufgrund dieser Erfahrungen entwickelte er Kainga – und das komplett in Eigenregie.
Rempen hat sich die Entwicklung von Spielen selbst beigebracht. Ursprünglich hatte er andere Berufsziele. Eigentlich wollte er „sehen, ob [Spielentwicklung] auch möglich wäre“, aber seine Abschlüsse in „Umweltwissenschaft“ und „Internationale Beziehungen“ ließen nicht zu, dass er diese Kurse belegte. Wenn man bedenkt, dass Kainga als Roguelite-Städtebauspiel angepriesen wird, sollte es vielleicht so kommen. „Ich war mit meinem Job bei einer Marketingfirma nicht besonders glücklich und entwickelte Kainga nebenher in meiner Freizeit“, schreibt Rempen in einer E-Mail. „In Kainga sah ich einen Ausweg. Daher stürzte ich mich darauf und begann, ernsthaft daran zu arbeiten.“
Während er noch in Thailand lebte, startete Rempen eine Kickstarter-Kampagne für sein Projekt. Das war im März 2021 und schon im Juni hatte Kainga sein Finanzierungsziel erreicht. Im Oktober war Kainga im Early Access. „Der Kickstarter-Erfolg hat mich wirklich überrascht“, so Rempen. „Ohne diese Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen. Das Geld war natürlich eine große Hilfe, aber es war nur ein Bruchteil der tatsächlichen Entwicklungskosten des Spiels. Die entscheidende Hilfe kam von Hunderten von „Superfans“, mit denen ich meine Ideen teilen konnte. Sie haben die frühen Versionen des Spiels getestet und ihre Vorschläge haben geholfen, Kainga zu einem besseren Spiel zu machen. Diese Unterstützer waren für den längerfristigen Erfolg des Spiels wesentlich.“
Rempen lebt derzeit in Deutschland und sein Spiel Kainga bereitet sich auf den Einzug in den Epic Games Store vor. Es gehört zu einem schnell aufblühenden Genre, bietet aber eine einzigartige Formel. „Kainga schafft eine Verbindung von Stadtplanung und Roguelite, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben“, so Rempen. „Da es eigentlich keine großen Zahlen und keine Einheitenverwaltung gibt, gibt es auch keinen Technologiebaum. Man muss die Technologien in der Welt entdecken, indem man den Anführer seines Dorfes – einen schwachen und hilflosen ‚Denker‘ – zu Inspirationsquellen schickt, die über die ganze Karte verteilt sind.“
In Kainga gibt es etwa 400 technologische Möglichkeiten wie etwa Hausboote, Ballons, Windmühlen und vieles mehr. Bei einem Spieldurchgang schaltet man allerdings nur etwa ein Dutzend davon frei, und das schafft eine abwechslungsreiche Herausforderung mit einer wilden Geschichte. Einige Technologien können die Toten auferstehen lassen – mit anderen kann man das Wetter kontrollieren. Außerdem gibt es in diesem Spiel viele unberechenbare Landschaften, darunter auf den Wellen schwimmende Inseln, frostige Berggipfel und sandige Wüsten. Diese Unberechenbarkeit ist Kaingas Verkaufsargument. „Man empfindet eine andere Art von Überraschung, wenn ein feindlicher Stamm auf dem Rücken einer Riesenkrabbe daherkommt!“, schreibt Rempen. „Ich bin überzeugt davon, dass es keinen anderes Städtebauspiel gibt, mit dem man so einzigartige und abwechslungsreiche Städte bauen kann.“
Ich fragte Rempen, wie er auf den Titel gekommen ist. „Ich wollte einfach einen klangvollen und einzigartigen zweisilbigen Namen … Wenn ich so darüber nachdenke, hätte ich einen Namen wählen sollen, der leichter auszusprechen ist. Irgendwann ist mir das Wort Kainga eingefallen, und als ich es nachschlug, fand ich heraus, dass Kāinga (mit einem Makron über dem ‚a‘) in der Sprache der Maori Zuhause oder Dorf bedeutet, was ziemlich gut passte.“

Kainga gehört zu einem einzigartigen Strategiespiel-Genre mit einer langen, ausführlichen Geschichte – von den ersten Hits wie SimCity bis hin zu modernen Erscheinungsformen. Rempen ließ sich von einem Klassiker von Bullfrog inspirieren. „Es gab ein altes Spiel, das ich immer gerne gespielt hatte: Populous: The Beginning, und ich war es leid, darauf zu warten, dass jemand ein solches Spiel entwickelt, also habe ich es selbst versucht.“
Populous: The Beginning war das dritte Spiel des Franchise und es war ziemlich anders als die ersten beiden Spiele. Die Hauptfigur war nicht mehr ein Gott, sondern ein Schamane, der einen Stamm gründete, um andere zu besiegen. Der renommierte Populous-Entwickler Peter Molyneux verließ Bullfrog vor der Entwicklung dieses Spiels (um Lionhead Studios zu gründen), wodurch The Beginning das erste Spiel der Reihe wurde, das ohne ihren Erfinder entstand. The Beginning hat Rempens Denker eindeutig geprägt. „Ich spiele viele Städtebauspiele, aber mir gefällt der übliche thematische Ansatz nicht“, erklärt Rempen. „Vorräte, Hunger oder Temperaturen zu verwalten, macht mir keinen Spaß, also habe ich das rausgeworfen. Langweilige Fantasy-Städte auf weiten Ebenen zu bauen, macht mir auch keinen Spaß, darum habe ich meine Landschaft sehr ungewöhnlich gestaltet.“
Aus diesen Vorlieben entstand im Zusammenspiel mit Rempens Weltreisen die Design-Philosophie von Kainga. „Es hat mich schon immer fasziniert, wie jede Kultur ihre Städte auf eine einzigartige Weise baut, je nach der Umgebung, den verfügbaren Materialien und ihren sonstigen Vorlieben“, erklärt Rempen. „Diese typische Architektur und Stadtplanung wollte ich in einem Spiel nachbilden und die Spieler dazu zwingen, die Technologien und Ressourcen zu verwenden, die sie benötigen, anstatt gedankenlos einfach alles zu sammeln.“

Rempens Publisher überzeugte ihn davon, sein Spiel zuerst auf anderen Plattformen zu veröffentlichen, aber sein erster Wunsch war, es auf Epic zu veröffentlichen. „Ich mag Epic wirklich sehr und da ich das Spiel vollständig mit der Unreal Engine von Epic geschaffen habe, wollte ich mein Bestes tun, um ihnen meine Unterstützung zu zeigen!”, schreibt Rempen.
Das Warten auf die Veröffentlichung im Epic Games Store hatte aber auch einen Vorteil – Rempen veröffentlichte während dieser Zeit verschiedene Updates für Kainga. Die „Life of Spice“-Version führte Kartenmodifikatoren, acht neue spielbare Denker, neue Ziele, Karten und vieles mehr ein. Dieses umfangreiche Update ist bei Epic von Anfang an mit dabei.
Während die Arbeit an Kainga weitergeht, ist Rempen schon mit einem anderen Projekt beschäftigt, das er Shanty Town nennt. Der Maßstab ist kleiner – nur Stadtteile, kein Planet – aber es wurde von seinen Weltreisen nicht weniger beeinflusst als Kainga. Rempen wird in den „kommenden Monaten“ weitere Infos zu Shanty Town veröffentlichen, aber er postet jetzt schon Video-Blogs, um seine Fortschritte zu dokumentieren.

Bis zur Veröffentlichung von Shanty Town wird Kainga garantiert eure Zeit beanspruchen. Da jedes Spiel nur etwa 30 Minuten bis zu einer Stunde dauert – im Gegensatz zu den endlosen Kampagnen seiner rivalisierenden Städtebauer – ist die Wiederspielbarkeit des Spiels entscheidend. Jedes Mal werden neue Optionen verfügbar, mit denen ihr den nächsten Durchlauf optimieren könnt, eine kreative Abwechslung zur üblichen Vorgehensweise des Genres, die Spieler hunderte von Stunden lang zu fesseln. Das schafft Kainga zwar auch, aber in kleinen Häppchen. Im Epic Games Store müssen die Spieler nicht mehr länger auf dieses Spiel warten.
„Ich habe mich zuletzt darauf konzentriert, das Spiel für Epic vorzubereiten, und ich bin froh, dass es jetzt fast soweit ist!“, schließt Rempen. Er freut sich wirklich sehr, sein Werk in einem anderen Store zu sehen und mehr Menschen auf der ganzen Welt zu erreichen, als er in seinem Leben besucht hat.