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Der Rätsel-Klassiker World of Goo startete die Indie-Revolution mit Stil

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John Walker
1. Nov. 2023
Als World of Goo im Jahr 2008 erstmals veröffentlicht wurde, war das Indie-Gaming noch eine völlig andere Welt. Man kann die Bedeutung des physikalischen Rätselspiels von 2D Boy für die Branche gar nicht hoch genug einschätzen, auch wenn es nur von einem zweiköpfigen Entwicklerteam stammte, die im örtlichen Starbucks ihr Büro aufgeschlagen hatten.

Das Grundprinzip beruht auf der absolut genialen Idee, aus Schleimbällchen Türme und Brücken zu bauen. Wenn sie zusammengefügt werden, bilden sie steifere und stabilere Strukturen, an denen mehr Schleim entlangklettern kann. Dabei stehen euch nur eine begrenzte Anzahl dieser Schleimbällchen zur Verfügung, sodass ihr mit möglichst wenigen davon effiziente Wege schaffen müsst, um ein Ziel zu erreichen. Diese Wege werden allmählich komplizierter, denn es tauchen mahlende Zahnräder auf, die eure kleinen Kerle platzen lassen, und außerdem gibt es verschiedene Arten von Schleimbällchen, die unterschiedliche Verbindungen ermöglichen.

Selbst wenn World of Goo sich nur an diese Formel gehalten hätte, wäre daraus ein absoluter Klassiker geworden. Stattdessen wurden immer wieder neue, einfallsreiche und brillante Wege implementiert, und in den späteren Kapiteln kamen ganz neue Mechanismen hinzu. Dazu gehören quadratischer Schleim und unterschiedliche Herausforderungen sowie eine subtile und fesselnde Geschichte, die das wahre Wesen des Schleims enthüllt.
Der Rätsel-Klassiker World of Goo startete die Indie-Revolution mit Stil – Tutorial
Die Präsentation erfolgt in einer prächtigen Cartoon-Grafik, die damals im Jahr 2008 schon seit Jahren nicht mehr in Spielen zu sehen war. Selbst 15 Jahre später überzeugt World of Goo noch immer durch sein unverwechselbares Design, das dank der zeitlosen Cartoon-Qualität auch heute noch wunderbar funktioniert. Zusammen mit einem Soundtrack, der auch unabhängig vom Spiel lohnenswert ist – und der absolut glänzt, wenn ihr euch euren Weg durch die Level rätselt – ergibt das ein Videospiel, dem der Zahn der Zeit nichts anhaben kann.

Was aber das Wichtigste ist: World of Goo macht unglaublich viel Spaß. Das liegt natürlich auch an seinen gut durchdachten Rätseln, aber vor allem an der Heiterkeit, die das Spiel vermittelt. Die Geschichte lässt eher eine gedrückte Stimmung erahnen – eine finstere Botschaft über die Gefahren der Überindustrialisierung – aber es sprüht von beherztem Tatendrang und vermittelt das Gefühl, dass alle Widrigkeiten überwunden werden können. Außerdem ist es überraschend witzig, besonders wenn man bedenkt, dass es in diesem Spiel darum geht, Brücken aus Schleim zu bauen.

Heutzutage ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass ein kleines Team einen Hit landet. Aber vor 15 Jahren, noch bevor die Indie-Revolution in Schwung kam, war es eine echte Sensation, und nur wenige Spiele verdienten es mehr als World of Goo. Es brachte Millionen von Dollar ein, und die beiden Entwickler hatten keine Hemmungen, die Zahlen und ebenso detaillierte Aufschlüsselungen der Anzahl der Raubkopien zu veröffentlichen. Später feierten sie ihren enormen finanziellen Erfolg mit einem „Amnestieprogramm“ für diejenigen, die nicht vor dem Spiel bezahlt hatten.

Das Projekt lief sogar so gut, dass die Entwickler – zusammen mit einigen anderen früheren Indie-Erfolgsgeschichten – einen Fonds einrichteten, um andere Entwickler mit großartigen Spielideen zu unterstützen. Damit wurden bekannte Spiele wie Tunic, Night in the Woods, Hyper Light Drifter, Manifold Garden, Donut County und viele weitere Titel finanziert. Daher kann man ohne Übertreibung sagen, dass sich das Vermächtnis von World of Goo über eineinhalb Jahrzehnte hinweg in ein Netzwerk von enormen Erfolgen erstreckt.