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Europa Universalis IV: Winds of Change – Die besten neuen Länder

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Len Hafer
8. Mai 2024

Europa Universalis IV: Winds of Change ist die 16. und neueste große Erweiterung für das ehrwürdige Strategiespiel. Sie folgt einem seit längerer Zeit etablierten Trend und konzentriert sich nicht auf einen bestimmten Bereich der Welt oder eine neue Gameplay-Mechanik (wie in früheren Erweiterungen), sondern Winds of Change ist eine Art Wundertüte-DLC mit Inhalten und Flair für verschiedenste Teile der Karte von Europa Universalis IV, die seit einer Weile nicht aktualisiert wurden. Gemeinsam mit dem kostenlosen Patch 1.37 bringt Winds of Change Missionen und Ereignisse für Schauplätze von Mesoamerika bis Mitteleuropa.

Falls ihr die Patch-Notes nicht bis ins letzte Detail unter die Lupe genommen habt, ist euch vielleicht gar nicht aufgefallen, was sich alles geändert hat. Also bekommt ihr hier von einer langjährigen Spielerin einen Leitfaden zu den Ländern, die ich in Europa Universalis IV: Winds of Change am interessantesten finde.
 

Hormus: Die Handelsfürsten des Persischen Golfes


Vermutlich habt ihr noch nie von Hormus gehört, also hier die Kurzfassung: Es ist ein strategisch positioniertes Sultanat auf einer Insel im Persischen Golf. Seit den Anfangstagen von Europa Universalis IV ist Hormus aus verschiedensten Gründen eines meiner Lieblingsländer.

Erstens könnt ihr eure Heimatinsel als sichere Ausgangsbasis nutzen, wenn ihr sie befestigt und mit einer schlagkräftigen Flotte sichert. Die Straße von Hormus gilt als Binnenmeer, also sind günstige Galeeren im Kampf besonders effektiv. Außerdem habt ihr Zugang zu Arabien und Persien, wenn ihr diese Straße beherrscht.

Aber noch besser ist, dass ihr den Handel dominieren könnt. Viele der europäischen Entdeckungsreisen in der Frühen Neuzeit sollten den Reichtum des heutigen Süd- und Südostasiens zurück in Länder wie Portugal und die Niederlande bringen.
Europa Universalis IV: Winds of Change - Hormus
Als Hormus könnt ihr diesen Strom des Reichtums versiegen lassen und sämtliche Profite selbst einheimsen. Ihr befindet euch viel näher an den wertvollen Rohstoffen von Indien, Indonesien und sogar China als die Europäer und ihr müsst keine Handelsrouten rund um Afrika einrichten, um dorthin zu gelangen. Und wenn ihr euch geschickt anstellt, müsst ihr euch nicht einmal mit dem mächtigen Osmanischen Reich herumschlagen.

In Winds of Change eröffnen euch der neue Missionsbaum von Hormus und die eigene Regierungsmechanik Arabian Mercantilism (Arabischer Merkantilismus) neue Möglichkeiten, wie ihr diese wirtschaftliche Position zu eurem Vorteil nutzen könnt. Strengthen Overseas Outposts (Übersee-Außenposten stärken) gewährt euch Handelsmacht und Abwehr und verringert auch die Aufwertungskosten eurer Handelszentren, wodurch eure Handelshäfen produktiver und schwerer einzunehmen werden. Support Overseas Merchants (Übersee-Händler stärken) gewährt euren Händlern mehr Handelsmacht. Und mithilfe von Empower Religious Propagation (Religionsausbreitung stärken) könnt ihr schneller die Völker von Asien zum Islam bekehren. So eröffnen sich neue diplomatische Möglichkeiten und die Chance von Rebellionen in euren Kolonien sinkt.

Mit all diesen Vorteilen könnt ihr den Gewürzhandel beherrschen, ohne große Landgebiete einnehmen zu müssen, sodass ihr eure Admin Power (Verwaltungsmacht) für andere Dinge einsetzen könnt. Diese Kampagne wird euch einen Riesenspaß machen, wenn ihr gerne kleine, aber reiche Länder spielt, die es mit den Großen aufnehmen können.
 

Cusco: Die Sonnenkönige von Amerika


Für mich war Europa Universalis IV immer dann besonders interessant, wenn ich eine indigene amerikanische Nation spielte und versuchte, die Flut der europäischen Kolonisten zurückzuschlagen. Müsste ich wetten, welches echte Land die besten Chancen darauf hätte, würde ich mit ziemlicher Sicherheit das mächtige Inkareich wählen, das von ein paar verschiedenen Startnationen im Spiel gegründet werden kann. Geschichtlich hat es Cusco im heutigen Süden von Peru geschafft.

Fast euer ganzes Startgebiet liegt im Hochgebirge, wodurch es früher ziemlich teuer war, eure Kernprovinzen zu entwickeln. Doch in Winds of Change beginnen Cusco und einige andere Andenländer jetzt mit dem Ständemodifikator High Altitude Adaptation (Höhenanpassung), durch den Hügel und Gebirge einfacher entwickelt werden können … dafür ist es hingegen etwas teurer, tiefer gelegene Provinzen zu entwickeln. Ihr könnt zu richtigen Gebirgsspezialisten werden.

Auch für Cusco gibt es einige neue Missionen, aber ihr schöpft das volle Potenzial nur aus, wenn ihr eure Nachbarn unterwerft und das Inkareich gründet, das einen eigenen vollständigen Missionsbaum hat.
Europa Universalis IV: Winds of Change - Cusco
Zu den größten Änderungen zählt die Überarbeitung der Religion Inti mit einer neuen Mechanik, die die Autorität des heiligen Königs, des Sapa Inka, misst. Ihr könnt Monarchenmacht ausgeben oder etwas Stabilität opfern und eine Prätendentenrevolution provozieren, um diesen Wert zu erhöhen. Auf den höchsten Stufen erhaltet ihr so mächtige Modifikatoren wie erhöhter Moralschaden im Kampf und günstigere Berater desselben Glaubens.

Ihr könnt die Monarchenmacht auch ausgeben, um die Werte eures aktuellen Sapa Inka um 1 zu erhöhen. Diese Taktik ist extrem mächtig. So werdet ihr auch den Malus von Mumifizierten Herrschern los. Dieser Wert wird jedes Mal gesteigert, wenn der Sapa Inka stirbt, wodurch es für die Zentralregierung schwieriger wird, den Ständen Macht abzuringen, oder aus ihnen Profit zu ziehen, wenn ihr ihnen entgegenkommen wollt. Im Grunde genommen seid ihr in einem Kreislauf gefangen, in dem ihr auf einen Haufen toter Typen hören müsst, bis ihr euren eigenen Anführer stärkt, damit der Kreislauf wieder von vorne beginnt.

Aber das ist noch nicht alles. Falls ihr es schafft, die Europäer komplett zu vernichten, erhaltet ihr (gemeinsam mit den Azteken und den Mayas) außerdem eine Reihe neuer Missionen, mit denen ihr die sogenannte Sunset Invasion (Invasion des Sonnenuntergangs) beginnt. Hier wendet ihr das Blatt und fallt in die Heimat der Kolonisten ein. Die Bedingungen für diesen Pfad der Rache zu erfüllen, ist unheimlich schwierig, aber es ist noch schwieriger, ihn bis zu seinem Ende zu beschreiten. Wenn ihr aber Hunderte Stunden Erfahrung in Europa Universalis IV habt, seid ihr dieser Herausforderung vielleicht gewachsen. Und das führt uns zu …
 

Theodoro: Europas Grufti-Freundin


Wenn ihr euch selbst etwas quälen und in einem richtig fiesen Szenario nach dem ultimativen Ruhm greifen wollt, seid ihr bei Theodoro genau richtig. Diese Nation auf der Halbinsel Krim besteht aus nur einer Provinz und ist die letzte Bastion der Gotischen Kultur. Genau diese Goten, die 410 n. Chr. Rom verwüstet haben – oder zumindest ihre nächsten lebenden Verwandten.

Und sie beginnen in einer wirklich schlimmen Position. Nördlich von ihnen sind die feindlichen Krimtataren mit ihren tödlichen berittenen Bogenschützen. Im Osten sind die gierigen Kaufleute von Genua, die reich genug sind, um Söldner zu bezahlen, die für sie die Drecksarbeit erledigen. Und am anderen Meeresufer ist das Osmanische Reich, mehr oder weniger der Endboss von Europa Universalis IV. Und ihr habt zu Beginn keine Verbündeten. Nur reine Masochisten würden versuchen, die Goten wiederauferstehen zu lassen.

Und zu eurem Glück zähle ich zu denen. Und zum Glück für uns alle erhält Theodoro mit der Erweiterung Winds of Change etwas Unterstützung in Form von neuen Missionen und Mechaniken.

Wie jede von mächtigen Gegnern umgebene Einzelprovinz muss auch Theodoro zu Beginn mächtige Freunde gewinnen. Seid gewarnt: Egal, wie erfahren ihr seid, hier werdet ihr nicht um ein paar Neustarts rumkommen. Manchmal werdet ihr Opfer des Zufalls oder ihr geratet in eine diplomatische Zwickmühle ohne Ausweg.
Europa Universalis IV: Winds of Change - Theodoro
Seht euch am besten zu Beginn Theodoros neuen Missionsbaum an und versucht, Freundschaft mit Genua zu schließen (oder sie zumindest bei Laune zu halten). Sie sind ebenfalls Christen und haben vielleicht Mitleid mit euch. Anfangs werden sie euch viel Geld klauen, aber wenn ihr mich fragt, ist das besser, als von ihnen getötet zu werden.

Oder aber ihr biedert euch bei den aufstrebenden russischen Fürstentümern an und heiratet vielleicht sogar in ein mächtiges russisches Adelsgeschlecht ein. So könnt ihr hervorragend gegen eure gemeinsamen Feinde vorgehen, die Steppenvölker. Wenn ihr erfolgreich aus dieser Feuertaufe hervorgeht, könnt ihr den absolut absurden Kriegsgrund Gothic Invasion (Invasion der Goten) freischalten. Er ist extrem mächtig und gewährt euch Boni für das Bekehren aller Provinzen in Deutschland – eurer alten Heimat – zur gotischen Kultur. Eine angemessen mächtige (und etwas alberne) Belohnung dafür, dass ihr eine erbarmungslose frühe Spielphase überstanden habt.

Theodoro kann auch auf eine neue diplomatische Aktion namens Recruit Foreign General (Fremden General anheuern) zurückgreifen, durch die ihr einen erfahrenen Militäranführer aus einer befreundeten Nation und vor allem „10 Army Tradition“ (Tradition der 10 Armeen) erhaltet. Beides wird euch in euren frühen Kriegen, in denen ihr zahlenmäßig so gut wie immer unterlegen seid, über Wasser halten. Die Goten können nur überleben, wenn sie jedes Hilfsmittel einsetzen und in jedem Zug raffinierte Diplomatie walten lassen. Wenn ihr diese Herausforderung besteht, dürft ihr euch zu Recht zu den besten Europa Universalis IV-Spielern zählen!

In Winds of Change haben auch mehrere andere Nationen neue Missionen und Mechaniken erhalten. Zu viele für nur einen Artikel. Aber diese drei Kampagnen, gereiht von einfachster zu schwerster, sollten euch die nächsten 100 Stunden oder sogar länger beschäftigen. Den Mutigen gehört die Welt.

Europa Universalis IV: Winds of Change ist jetzt im Epic Games Store verfügbar.