
Assassin's Creed Mirage kehrt zu seinen Wurzeln zurück

Vor über 15 Jahren machte uns die allererste Ausgabe von Assassin's Creed mit dem dolchschwingenden, abgebrühten Altaïr Ibn-La'Ahad bekannt. Seitdem hat die Reihe zwölf Hauptspiele, unzählige Spin-Offs, Bücher, Comics, Brettspiele und sogar einen Film hervorgebracht.
Assassin's Creed Mirage ist der nächste Titel und wird von den Entwicklern als „Hommage an die Ursprünge des Franchise“ angepriesen. Darin soll das wiederbelebt werden, was die Spieler ursprünglich an den Spielen liebten. Die anfänglichen drei Grundpfeiler von Assassin's Creed waren Parkour, Schleichen und Meuchelmorde. Obwohl die Reihe nie auf diese drei Leitmotive verzichtet hat, sind sie in den letzten Jahren oft zugunsten neuer Mechaniken und Fortbewegungsarten in den Hintergrund getreten. Mirage verspricht, zu diesen Grundpfeilern zurückzukehren und auszubauen, was mit neuen wie alten Spielmechaniken gut funktioniert hat, und abzustoßen, was weniger effektiv ist.
Hier erfahrt ihr, wie Assassin's Creed Mirage seinen Wurzeln wiederentdeckt – und wie es dabei auch noch für frischen Wind sorgt.
Deutlich kürzere Spielzeit
Mirage dürfte ersten Spieltests zufolge in etwa 20 bis 30 Stunden durchzuspielen sein, sodass es eher mit älteren Titeln der Reihe vergleichbar ist. Mit seiner kleineren Karte und der relativ linearen Geschichte hat sich das Spiel vorgenommen, unsere Ausdauer nicht zu überlasten. Wenn ihr ausgedehnte epische Abenteuer bevorzugt, die 80 Stunden und länger dauern, wartet ihr vielleicht lieber auf den nächsten Teil von Assassin's Creed, der wieder zu einer riesigen offenen Spielwelt zurückkehrt, deren Erkundung sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt. Mirage will zwischen zwei größeren Spielen eine Abwechslung bieten – eine Art Zwischendurchvergnügen für diejenigen, die nicht so viel Zeit zur Verfügung haben.
Rückkehr in den Nahen Osten
Unser alter Freund Altaïr war der Sohn eines vollendeten Assassinen. Der Protagonist von Mirage, Basim Ibn Ishaq, hingegen beginnt als einfacher Dieb auf den Straßenmärkten Bagdads, bevor er in der Hierarchie der Verborgenen aufsteigt, die im Grunde die Ur-Assassinen sind. Doch trotz ihrer unterschiedlichen Kindheit und der 300 Jahre, die zwischen ihnen liegen, sind sich die beiden so nahe wie sich zwei Assassinen schon lange nicht mehr waren.

Assassin's Creed hat uns rund um den Globus geführt – von Nordamerika bis London und von Paris bis Griechenland – aber Mirage, das in Bagdad spielt, kommt den Ursprüngen der Reihe an den orientalischen Schauplätzen Masyaf, Jerusalem, Akkon und Damaskus am nächsten. Bagdad ist zwar immer noch ein gutes Stück entfernt – laut Google Maps dauert die Fahrt von Bagdad nach Masyaf im heutigen Syrien zehn Stunden –, aber wir sind doch näher dran als im letzten Jahrzehnt.
Bagdad im Visier
In den verschiedenen Assassin's Creed-Titeln gab es schon immer offene Welten, aber in den neueren Spielen musste man darin sehr viel reisen. Bayek und Aya bzw. Kassandra und Alexios – die Heldenduos aus Origins und Odyssey – verbrachten viel Zeit auf Pferderücken oder Schiffen, um von einer Stadt voller Opfer zur nächsten zu ziehen. Während diese Reisen zwischen den einzelnen Tatorten kleine Verschnaufpausen boten, verzichtet Mirage auf solche Wanderschaft und verwendet stattdessen (fast ausschließlich) eine einzige Kulisse.
Mirage spielt größtenteils im dicht besiedelten Bagdad des neunten Jahrhunderts, 300 Jahre vor der Zeit von Altaïr, wobei die Kartengröße mit der von Unity (Paris) oder Revelations (Konstantinopel) vergleichbar ist. Die Stadt ist in vier Bezirke unterteilt, um die Gebäude etwas abwechslungsreicher zu gestalten, aber die geringere Größe ermöglicht eine gezieltere Erkundung. Dabei erwartet euch wieder die typische Vertikalität von Assassin's Creed.
Im Gedränge der Stadt
Früher stand in den Spielen von Assassin's Creed eher das Klettern im Vordergrund. Das änderte sich jedoch mit dem kolonialen Nordamerika von Assassin's Creed III. Dicht bebaute Städte waren dort noch rar. Anstelle der hohen Basiliken Italiens und der gewaltigen Tempel Jerusalems bot Assassin's Creed III Bäume, Felsen, Sträucher und Zelte. Dazu vielleicht noch ein oder zwei Wachtürme. Auch wenn wir in Odyssey und Valhalla gelegentlich zu hohen Gebäuden und dichter bevölkerten Städten zurückkehrten, gab es in den neueren Titeln dazwischen viel unbewohntes Land.

Das ist in Mirage anders und Basim kann in Bagdad mit seinen engen Straßen, geschäftigen Märkten und wie Jenga-Blöcke gestapelten Häusern genau wie in alten Zeiten nach Herzenslust klettern. Das Parkour-System fühlt sich so an wie früher: Man erklimmt Wände, springt über Dächer und nutzt alle möglichen Gegenstände, die man in einer geschäftigen Stadt findet, um sich zu schwingen, zu springen und sich an die Orte zu katapultieren, die man erreichen muss. Allerdings ist es diesmal so einfach zu erlernen und zu beherrschen wie noch nie. Das Entwicklungsteam hat den Schwerpunkt auf Schwung, Bewegungsfluss und Vertikalität gelegt und den Mirage-Parkour stärker an das ursprüngliche Design angepasst, während er gleichzeitig modernisiert und durch schnellere Animationen verbessert wurde.
Stealth-Mechaniken kehren zurück (aber etwas anders)
Die Dächer sind nicht der einzige Schauplatz. Wenn man sich schnell unsichtbar machen muss, kommt das Gedränge am Boden sehr gelegen. Die Straßen in Mirage sind enger und voller Menschen, was Basim mehr Möglichkeiten bietet, sich zu verstecken, Gegner abzulenken und Chaos zu stiften.
Erinnert ihr euch noch daran, wie ihr in Menschenmengen verschwinden konntet, auch wenn diese ganz klar aus Frauen in Kleidern bestanden und ihr völlig offensichtlich ein Mann mit Umhang wart? Das ist alles wieder da – und zwar besser als je zuvor.
Ihr könnt euch nicht nur mühelos unter die Leute mischen, um euch vor den Gesetzeshütern des neunten Jahrhunderts zu verstecken, sondern ihr könnt die Menge sogar zu euch holen. Basim kann Personen bestechen, damit sie sich um ihn drängen und ihm die dringend benötigte Deckung zu geben, anstatt darauf zu warten, dass in seiner Nähe eine ausreichend große Gruppe von Menschen auftaucht. Sehr praktisch!
Die Sitzbanktarnung – eine nützliche Taktik, bei der man sich auf eine Bank setzt und so tut, als sei man nicht der meistgesuchte Assassine – kehrt ebenso zurück wie die Bankmorde aus Assassin's Creed II. Also nichts wie auf die Bank!
Der Schwerpunkt liegt wieder auf Mord
Da in Mirage das Schleichen im Vordergrund steht, ist der Kampf wirklich nur das letzte Mittel. Assassinen haben schließlich Besseres zu tun, als zu kämpfen. Ihre eigentliche Aufgabe ist, sich von oben auf Leute zu stürzen und ihnen in den Hals zu stechen.

Ihr mordet auf die klassische Art. Eure Opfer sind möglicherweise nicht immer klar zu erkennen. Dann müsst ihr euren treuen Adler auf Erkundungstour schicken, um herauszufinden, wo die Ein- und Ausgänge sind und wo sich die Hornträger aufhalten, die euch verpetzen und Verstärkung rufen, wenn ihr sie nicht zuerst erledigt. Das ist die Rückkehr zum sogenannten „Black Box“-Stil von Ubisoft: Entwerft einen Plan, führt ihn aus und macht euch aus dem Staub.
Eine weitere gute Nachricht: Außer der Rückkehr von Mechaniken wie dem Dächerparkour und den bereits erwähnten Bankmorden erwarten euch auch mehr Tötungsanimationen als je zuvor. Doch nicht alles ist rosig: Es gibt neue Gegnertypen, darunter einen Kerl, der sich darum kümmert, in Heuhaufen zu stechen, nur für den Fall, dass ihr euch darin versteckt habt. Seid also vorsichtig!
Lineare Geschichte
In den neueren Assassin's Creed-Spielen kann man tun und lassen, was man will und ist nur lose an eine größere, mehr oder weniger lineare Geschichte gebunden, in der es in der Regel um die Identität der Hauptfigur, Abstergo-Intrigen und die Enthüllung eines Aliens am Ende des Spiels geht. Aber abgesehen von gelegentlichen Erinnerungen an die übergreifende Handlung, nach denen man sich gleich wieder den verschiedenen Nebenquests zuwendet, muss man der Geschichte nicht wirklich folgen, wenn man nicht will.
Mirage verzichtet auf all diese unsinnige Entscheidungsfreiheit und kehrt zu einer linearen Geschichte zurück, die sich mehr an den Ursprüngen der Reihe orientiert. Wie gesagt, findet die Geschichte größtenteils in Bagdad statt, wobei einige Szenen in der von den Verborgenen betriebenen Ausbildungsstätte spielen, die in der nahe gelegenen Festung Alamut versteckt ist.
… Und Neuigkeiten
Natürlich geht es bei Mirage nicht nur darum, alte Spielmechaniken wieder aufzuwärmen, auch wenn sie vielleicht beliebt sind. Neben den schnelleren Animationen und dem Fokus auf dem Schwung der Bewegung, der den Parkour dynamisch und lebendig wirken lässt, gibt es auch neue Möglichkeiten, die Straßen der Stadt zu durchqueren, um diesen so wichtigen Impuls beizubehalten. Die wichtigste Neuerung ist das Mastenspringen: Basim kann Masten benutzen, die ihn von einem Dach zum nächsten schleudern, was es ihm erleichtert, größere Lücken zu überbrücken.

Basims Erkundungsadler ist nicht neu – sowohl in Origins als auch in Odyssey gab es den nützlichen Greifvogel –, diesmal kann der Adler jedoch sterben. Zu den neuen Gegnern gehört auch der (verheerende) Scharfschütze, dessen Aufgabe es ist, eurem gefiederten Freund nachzustellen und ihn abzuschießen. Dann müsst ihr auf eure Erkundungsfähigkeiten verzichten, bis sich der Adler erholt hat.
Basims Arsenal an Werkzeugen ist so groß wie in keinem Assassin's Creed-Spiel zuvor. Er benutzt Minen, Fallen, Pfeile und die neue Fähigkeit, die Zeit zu verlangsamen, um Ziele anzuvisieren und Meuchelmorde in Reihe auszuführen.
Übernatürliche Elemente
Assassin's Creed hatte schon immer einen Unterton von unheimlichen, übernatürlichen und außerirdischen Geschehnissen. Es geht um mehr als antike Jungs mit Messern im Ärmel! Manchmal gibt es unsterbliche Aliens! Oder verfluchte Gegenstände! Außerdem kontrolliert euch heimlich jemand aus der Zukunft mit einer VR-Brille!
Bei Mirage gibt es diese Elemente nach wie vor – auch wenn noch nicht klar ist, in welchem Umfang, da diese Dinge normalerweise erst gegen Ende des Spiels auftauchen. Wir wissen allerdings, dass auf irgendeine Weise Dschinns vorkommen – falls Basims Anfänge als Straßendieb in Bagdad nichts bereits Anspielung genug auf Aladin sind. Kann man ätherische Wesen erstechen? Das werden wir wahrscheinlich herausfinden, wenn das Spiel im Oktober erscheint!