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Wie ein Satisfactory-Spieler in der Fabrik-Sandbox einen Godzilla und andere faszinierende Kreationen erschuf

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Julian Benson
10. Sept. 2024
In Satisfactory geht es um den Bau von Fabriken. In dem Aufbauspiel in der Ego-Perspektive von Coffee Stain Studios landet ihr in einer fremden Welt und plündert dort die Ressourcen, um damit Maschinen zu versorgen, die Erz zu Barren schmelzen, aus Barren Maschinenteile machen und Maschinenteile in Produkte verwandeln, die ihr dann von dieser Welt an einen weit entfernten Konzern liefert. Manche Spieler halten sich allerdings nicht an den vorgesehenen Plan und benutzen die Werkzeuge des Spiels für kreativere Zwecke, zum Beispiel für den Bau einer enormen Godzilla-Statue.
 

„Ich hatte eigentlich gar nicht vor, Kunst zu machen“, sagt MutedArtist. Anfangs spielte MutedArtist Satisfactory wie die meisten anderen Spieler. MutedArtist holte sich im Jahr 2019 das gerade von Coffee Stain veröffentlichte Spiel, schaute sich in der fremden Welt um, baute Bergwerke, um Ressourcen abzubauen, schuf mit Förderbändern Transportwege zur Heimatbasis und errichtete einfache Fabriken, um die ersten Technologiestufen zu durchlaufen. Das Ziel von Satisfactory besteht darin, immer komplexere und anspruchsvollere Produktionsketten zu entwickeln. Dafür werdet ihr mit Werkzeugen belohnt, mit denen ihr noch komplexere Produkte erschaffen könnt. Das machte zwar Spaß, aber irgendwann wandte sich MutedArtist anderen Dingen zu.

Es vergingen einige Jahre, bis MutedArtist neugierig zu dem Spiel zurückkehrte, um zu sehen, was sich im Early Access alles getan hatte, und das verborgene Potenzial der Werkzeugkiste von Satisfactory erkannte. „Ich erkannte, dass Satisfactory ein eigenes Rastersystem hat – auf der Planetenoberfläche gibt es ein Raster für die Fundamente und jeder Block hat ein eigenes Raster, je nachdem, was darauf platziert wird“, erklärt MutedArtist. Die rechteckigen Fundamente von Satisfactory eignen sich so eher für kastenförmige Konstruktionen, während ihr Balken wesentlich flexibler platzieren könnt.

MutedArtist begann, zu experimentieren und etwas zu bauen, dass in den meisten Spielen sofort ins Auge springen würde. Doch in einer Welt, in der gigantische Kreaturen, die in der Ferne vorbeiziehen, ein gewohnter Anblick sind, war diese Kreation eher unter ihresgleichen: Godzilla.
Wie ein Satisfactory-Spieler in der Fabrik-Sandbox Godzilla und andere faszinierende Kreationen erschuf – Godzilla-Gesicht
Nach einigen Stunden Bastelei an dem berühmten Kaiju schickte MutedArtist einem Freund einen Screenshot des aktuellen Fortschritts und erhielt als Antwort den Vorschlag, den Bau live zu streamen. 20 Tage später war der Schrecken von Tokio fertig und zu der beeindruckenden Statue gewachsen, die ihr heute bewundern könnt. Seitdem hat MutedArtist in Satisfactory bereits eine ganze Reihe zunehmend ambitionierter Skulpturen geschaffen.

MutedArtist sammelte die ersten kreativen Spielerfahrungen in Minecraft – schon seit der Alpha-Version des Sandbox-Spiels – beim Bau von großen Builds. „Damals war die Auswahl an Blöcken noch sehr begrenzt, aber ich entdeckte, dass ich in 3D einfach alles bauen konnte“, sagt MutedArtist.
Wie ein Satisfactory-Spieler in der Fabrik-Sandbox Godzilla und andere faszinierende Kreationen erschuf – Langhals
Natürlich war das erste Projekt von MutedArtist nicht so ambitioniert wie Godzilla. Anfangs ging es darum, am Stil der Bauten zu feilen, die viele Spieler in ihren ersten Tagen im Überlebensmodus von Minecraft errichten. „Zuerst waren es rechteckige und quadratische Häuser mit Mustern auf den Wänden, Fenstern und Dächern, die sich wiederholten oder auch nicht“, erinnert sich MutedArtist. „Das wurde mir aber schnell langweilig und ich begann, mit organischeren Formen zu experimentieren – Kreise, Kurven und eine Mischung aus rechteckigen und runden Formen.“

Laut MutedArtist war die Arbeit in Minecraft einfacher als in Satisfactory, da die Blöcke alle gleichgroße Würfel sind und „nur selten nicht passen“. Aber das Prinzip ist in beiden Spielen das gleiche. „Wenn ich eine Idee für ein Werk habe, suche ich nach Bildern davon aus verschiedenen Perspektiven, um mir über die Proportionen, Farben, Bewegungen und Details klar zu werden“, sagt MutedArtist. Anfangs besteht der Build nur aus einer einzigen Linie, die dazu dient, die Proportionen zu markieren: „Das nenne ich die Wirbelsäule.“

Wenn diese Wirbelsäule einmal steht, kommen die Knochen hinzu. Dabei unterteilt MutedArtist die Wirbelsäule in verschiedene Abschnitte – „Kopf, Hals, Oberkörper, Hüften, Schwanz, usw.“ – und feilt so lange daran, bis alle Proportionen stimmen. Dann wird die Konstruktion ausgefüllt. Zuerst passt MutedArtist die Form in 2D an, danach wird sie auf 3 Dimensionen erweitert. Wie das abläuft, könnt ihr euch in diesem Zeitraffer-Video ansehen:
 

MutedArtist verzichtet lieber auf Tutorials darüber, wie man in Satisfactory Kunstwerke schafft, und rät allen, die von der Idee begeistert sind, einfach loszulegen und selbst herumzuprobieren. „Wenn man experimentiert, lernt und versteht man, wie das Bausystem des Spiels funktioniert“, so MutedArtist. „Das ist genau das, was ich seit Januar mache. Ich experimentiere und versuche dabei jedes Mal, noch komplexere Designs zu erfinden. Das geht Schritt für Schritt, man lernt unterwegs.“

Wenn ihr euch die aktuellen Werke von MutedArtist anseht, werdet ihr sehen, wie sie seit seiner ersten Godzilla-Skulptur gewachsen sind. MutedArtist erklärt, dass man die Veränderung sogar innerhalb eines einzigen Builds erkennen kann: „Das beste Beispiel sind die drei Drachen um das Nautiloid-Schiff. Der erste ist zu 90 % symmetrisch, der zweite etwa zu 60 bis 70 % und der letzte ist größer und nur noch sein Kopf ist symmetrisch, der Rest ist unsymmetrisch.“ Mit zunehmendem Geschick wuchs auch der Mut, auf Symmetrie zu verzichten.
Wie ein Satisfactory-Spieler in der Fabrik-Sandbox Godzilla und andere faszinierende Kreationen erschuf – Nautiloid
Hilfreich dabei war natürlich, dass MutedArtist einer Community von Creators angehört. Seit dem ersten Godzilla-Livestream teilt MutedArtist den Schaffensprozess der eigenen Werke. Manchmal machen Zuschauer Bemerkungen zu kleinen Details. „Diese Vorschläge haben mir oft geholfen.“ Wenn ihr es MutedArtist nachmachen wollt, könnt ihr dem Discord von MutedArtist beitreten oder auf dem Satisfactory-Reddit nach anderen Creators suchen. Es ist der ideale Ort, um zu zeigen, woran ihr gerade arbeitet, und um Rat zu erhalten, wie ihr euch verbessern könnt.

MutedArtist ist nicht allein bei dem Versuch, die Grenzen von Satisfactory auszuloten. Tatsächlich erzählte Community Manager Snutt Treptow, als wir vor einiger Zeit mit ihm sprachen, dass sich das Team von Coffee Stain Studios bei der Veröffentlichung der Alpha neugierig fragte, welche außergewöhnlichen Ergebnisse wohl entstehen würden. Schon wenige Tage, nachdem sie eingestiegen waren, bauten die Spieler „fantastische Fabriken, die um einiges beeindruckender waren, als alles, was wir je gebaut hatten.“
Wie ein Satisfactory-Spieler in der Fabrik-Sandbox Godzilla und andere faszinierende Kreationen erschuf – Alien
Während der gesamten Early-Access-Phase von Satisfactory, so Treptow, haben die Spieler „mehr aus dem Spiel mehr herausgeholt, als wir für möglich hielten, und jedes Mal, wenn wir das Spiel optimieren, schaffen sie es, noch mehr herauszukitzeln.“ Mit der Möglichkeit, größere und komplexere Fabriken zu bauen, konnten Spielern wie MutedArtist nun auch solche aufwendigen und kunstvollen Builds erstellen. In der ersten Early-Access-Version des Spiels wäre dies allein wegen der bloßen Anzahl der benötigen Balken unmöglich gewesen.

Mit der Veröffentlichung der Version 1.0 von Satisfactory, die jetzt erhältlich ist und auch den langerwarteten Story-Modus sowie zahllose Balanceänderungen und Optimierungen enthält, werden wir hoffentlich noch größere und beeindruckendere kreative Builds der künstlerischen Community des Spiels zu sehen bekommen.

Satisfactory ist im Epic Games Store erhältlich.