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Wie Remaster alte Klassiker am Leben erhalten

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Colin Campbell
29. Jan. 2024

Dieses Jahr erwarten uns viele Klassiker, die mit frischer Grafik und verbesserter Leistung auf den PC zurückkehren. Wir können uns also auf ein Wiedersehen mit alten Favoriten freuen.

Zu den wichtigsten Veröffentlichungen von 2024 zählen Remaster und Neuauflagen von Star Wars: Dark Forces, Tomb Raider I–III, Suikoden I & II, Persona 3 Reload, Brothers: A Tale of Two Sons, Alone in the Dark und Braid.

Diese Titel folgen einer ganzen Lawine an Neuauflagen und Remastern, die 2023 erschienen sind, darunter Dead Space, The Outer Worlds: Spacer's Choice Edition, The Last of Us Part I, Quake II: Enhanced Edition, System Shock, drei Samorost-Spiele und Front Mission 1st: Remake.

Doch natürlich sind PC-Spiele nicht die einzigen, die Remaster-Versionen erhalten. Im Januar ist The Last of Us Part II Remastered für PS5 erschienen und wurde mit demselben Hype und Enthusiasmus begrüßt wie ein neuer Titel. Letztes Jahr kam Metroid Prime Remastered auf Nintendo Switch heraus und verkaufte in den ersten paar Wochen über eine Million Exemplare. Und Final Fantasy VII Remake war der Anfang einer ganzen Neuauflage-Trilogie, deren zweiter Teil (Final Fantasy VII Rebirth) im Februar für PlayStation 5 erscheint.

Offensichtlich ist die Nachfrage nach aktuellen Versionen von älteren Spielen auf neuen Plattformen riesengroß. Aber warum sind Remaster und Neuauflagen von Spielen so beliebt und erfolgreich?
Brothers: A Tale of Two Sons Remake
Unter den verschiedenen Kunstformen sind Videospiele mit Sicherheit nicht die einzige Gattung, die ihren Blick immer wieder in die Vergangenheit richtet. Allerdings investiert kein anderes Medium so viel Energie in die Neuauflage von älteren Werken. Spielefans widmen sich mit großer Vorliebe älteren Titeln, wollen allerdings nicht auf eine moderne Grafik verzichten. Aufgrund von technischen und rechtlichen Problemen sind viele alte Spiele zudem schwer zu finden. Einen Klassiker als Remaster zu spielen, bereitet da oft die wenigsten Kopfschmerzen.

Einen älteren Film im 4K-Format neu herauszubringen, mag zwar beeindruckend sein, doch der technische und monetäre Aufwand dahinter ist auf keinen Fall so hoch wie die Neuauflage eines Videospieleklassikers. Bei der digitalen Restaurierung von Kinofilmen will man den Look des Originals so getreu wie möglich nachbilden. Filmliebhaber verlangen im Vergleich zum ursprünglichen Werk, das sie mit großer Wahrscheinlichkeit schon oft gesehen haben, absolute Authentizität. Wenn Filme überarbeitet oder modernisiert werden, spaltet das oft das Publikum. Als der erste Star Wars-Film 1997 mit visuellen Verbesserungen und überarbeiteten Spezialeffekten herauskam, nahm die Fangemeinde das teilweise schlecht auf.

Die Videospiele-Community erwartet hingegen, dass Neuauflagen deutliche grafische Verbesserungen und visuelle Anpassungen bieten, und hofft auf eine überarbeitete Benutzeroberfläche sowie Optionen zur Barrierefreiheit, die in der Vergangenheit keine Priorität hatten. Manchmal implementieren Entwicklungsstudios sogar ganz neue Inhalte.

Das ist zum Teil dem rasanten technologischen Wettrüsten geschuldet. PC-Spiele sehen heute besser aus und laufen deutlich flüssiger als Titel, die vor zehn Jahren herauskamen. Außerdem entwickelt sich das Spieldesign kontinuierlich weiter, was sowohl die Ästhetik als auch das Gameplay beeinflusst. Das bedeutet auch, dass Videospiele im Vergleich zu anderen Kunstformen relativ schnell überholt wirken.
Quake II: Enhanced Edition
Der technologische Fortschritt im Bereich der PC-Spiele schreitet so schnell voran, dass Bethesda zwischen der triumphalen Veröffentlichung des originalen The Elder Scrolls V: Skyrim im Jahr 2011 und der The Elder Scrolls V: Skyrim Special Edition im Jahr 2016 lediglich fünf Jahre verstreichen ließ. Das Remaster überzeugte mit aufgehübschter Grafik und verbesserter Stabilität und bot Spielern eine Reihe von Add-ons.

Das war das erste Mal, dass Bethesda ein Remaster herausbrachte. Damals sagte Game Designer Todd Howard der Time: „Wir konnten mit einer viel größeren Sichtweite arbeiten und sehr viel mehr Details wie Blätter und so weiter auf den Bildschirm bringen. Und das sieht einfach gut aus.“ Es ist kein Zufall, dass der Trailer zur Veröffentlichung des Remasters mit einem direkten Vergleich zwischen der Grafik des Originals und der neuen Version beginnt.

Laut Entwicklerteams, die an Remastern arbeiten, sind sie untrennbar mit der Gaming-Kultur verbunden und ein wichtiger Bestandteil von Konservierungsbemühungen.

„Klassiker gelten als Klassiker, weil sie es geschafft haben, die Spielerschaft zu faszinieren“, erklärt Larry Kuperman, Director of Business Development von Nightdive Studios. Nightdive hat sich auf Remaster und Neuauflagen spezialisiert und u. a. an Quake II und System Shock gearbeitet, die beide 2023 herauskamen. „Wir legen nicht beliebige Spiele neu auf, sondern nur Titel, die damals Eindruck hinterlassen haben. Wir wollen genau die Qualität erhalten, die ihnen den Klassikerstatus überhaupt erst eingebracht hat.“

System Shock ist ein sehr gutes Beispiel“, fährt Kuperman fort. „Das Original war aus verschiedenen Gründen kein großer kommerzieller Erfolg. Aber im Lauf der Jahre hat es sich ins Gedächtnis der Spielergemeinde eingebrannt. Die Fans des Spiels waren total begeistert und haben den Titel weiterempfohlen. Deshalb hatte die Neuauflage [die im letzten Jahr erschienen ist] auch ein großes, neues Publikum.“

Kuperman vergleicht Remaster von Spielen lieber mit Urlaubszielen als mit anderen Medien. „Spiele erlebt man. Sie sind wie Orte, an denen man Zeit verbringt. Wenn man einen Ort besucht, an dem man eine tolle Zeit hatte, will man wahrscheinlich eines Tages dorthin zurück. Man erzählt anderen Leuten, wie schön es dort war. Wenn diese Leute dann ihren Aufenthalt auch genießen, freut man sich über das gemeinsame Erlebnis. Und genau dieses Gefühl wollen wir rüberbringen.“
Crysis 3 Remastered
Steffen Halbig war Project Lead für die Crysis Remastered Trilogy von Crytek aus dem Jahr 2021. Was das Gameplay angeht, haben sich Egoshooter in den letzten zehn Jahren kaum verändert. Aber in Sachen Tempo und Grafik haben sie sich unglaublich weiterentwickelt.

„Zuerst muss man den Umfang des Projekts definieren“, meint Halbig. „Wollen wir ein Remaster oder eine Neuauflage entwickeln? Ein Remaster braucht eventuell eine höhere Auflösung, bessere Texturen und neue Technologien, die das Spiel grafisch aufwerten. Mit einer Neuauflage kann man hingegen grundlegende Änderungen an der Spielwelt vornehmen, wofür aber deutlich mehr Ressourcen und ein höheres Budget nötig sind.“

„Die Arbeiten an der Crysis Trilogy [einem Remaster] begannen mit grafischen Verbesserungen, die an moderne Standards angepasst wurden. Dann folgten taktische Optimierungen sowie verbesserte Leistung und Kompatibilität. Zu guter Letzt implementierten wir Verbesserungen am Spielerkomfort, ohne jedoch das Kernprinzip des Spiels zu kompromittieren.“

Chris Bashaar ist Director of Product bei Aspyr, einem Studio, das gerade an Remastern der ersten drei Tomb Raider-Spiele arbeitet, die am 14. Februar erscheinen sollen. „Wir konzentrieren uns auf drei Bereiche, nämlich Technik, Gameplay und künstlerische Aspekte“, erklärt er.

„Jedes Spiel ist einzigartig, aber es gibt ein paar Leitprinzipien, denen wir folgen“, fährt Bashaar fort. „Im technischen Bereich wollen wir die beste Leistung erzielen, ohne das Spielgefühl des Originals zu opfern. Das Gameplay muss sich seine Magie bewahren, störende Elemente müssen allerdings entfernt werden. Und die künstlerischen Aspekte müssen die Nostalgie der Spielergemeinde respektieren, gleichzeitig aber Grenzen ausreizen.“

Jakub Dvorský ist der Gründer von Amanita Design, einem Studio, das vor Kurzem Remaster seiner populären Samorost-Rätselspiele-Trilogie veröffentlicht hat. „Es war nur logisch, die ersten beiden Samorost-Titel als Remaster herauszubringen, da es sich um alte Flash-Spiele handelte und Flash in den letzten Zügen lag“, erklärt er. „Die Titel sollten weiterhin spielbar bleiben und außerdem wollten wir sie auf mobile Plattformen portieren. Außerdem wollten wir die größten Designfehler ausbügeln und die Steuerung sowie die Spielbarkeit verbessern, um frustrierende Stellen zu beseitigen. Zu guter Letzt haben wir audiovisuelle Aspekte an moderne Standards angepasst.“
Samorost 3
Es ist zwar nicht annähernd so teuer, einen älteren Titel für eine neue Zielgruppe zu überarbeiten, wie ein komplett neues Spiel zu entwickeln, doch es gilt trotzdem, einige Hürden zu überwinden.

Tim Willits, COO von Saber Interactive, hat an Ghostbusters: The Video Game Remastered (2019) gearbeitet. „Der ursprüngliche Quellcode und die Modelle des Spiels sind oftmals unauffindbar oder inkompatibel mit aktuellen Systemen“, erklärt er. „Je nach Spiel ist also ein unterschiedlich großer Entwicklungsaufwand nötig.“

Manchmal sind die größten Probleme recht speziell. „Eine lästige Hürde bei den Entwicklungsarbeiten von Samorost 1 war die Musik“, meint Dvorský. „Die Originalversion von 2003 enthielt zwar ein paar Musikstücke, doch sie waren an vorhandene Songs angelehnt. Nichts davon war selbst komponiert. Um das Spiel offiziell für PC und in den App Stores zu veröffentlichen, brauchten wir also neue Musik, die das Flair des Originals einfing. Und ich finde, dass Floex, der seit Samorost 2 mit uns kollaboriert, ganze Arbeit geleistet hat.“

„Es ist immer eine Gratwanderung zwischen Konservierung und Modernisierung“, meint Bashaar von Aspyr. „Wir tendieren oft in Richtung Konservierung, aber in einigen Fällen ist das einfach keine vertretbare Lösung. Das sind dann die größten Herausforderungen.“
 
„Eine Anpassung der Steuerung wirkt auf den ersten Blick beispielsweise wie eine simple Überarbeitung, aber wir werkeln daran meist bis kurz vor der Veröffentlichung“, fährt Bashaar fort. „Die Form von Controllern, Druckempfindlichkeiten, Eingabeverzögerungskompensierung und andere kleinere Elemente haben einen großen Einfluss auf das Spielgefühl, besonders wenn man einen Titel überarbeitet, der mehre Jahrzehnte auf dem Buckel hat.“

„Das richtige Gleichgewicht zwischen der Konservierung des originalen künstlerischen Stils und der Implementierung neuer Technologien zu finden, kann ziemlich herausfordernd sein“, meint Halbig. „Es gibt immer technische Limitierungen und Kompatibilitätsprobleme, wenn man ein Spiel an moderne Hardware anpasst.“

„Und die Spielerschaft hängt oft sehr am Original“, fügt er hinzu. „Die Erwartungen an ein Remaster können sehr hoch sein. Es ist also essenziell, Verbesserungen vorzunehmen, ohne der Nostalgie zu schaden.“
Tomb Raider Remastered
Wer sich ein paar Jahre mit Videospielen beschäftigt hat, weiß, wie wichtig Nostalgie für die Gaming-Kultur ist. Die Spielergemeinde liebt es, Titel aus ihrer Jugend neu zu erleben, genau wie alle Menschen gerne Musik aus ihrer Teenagerzeit hören.

„Hier bei Aspyr sehen wir diese Klassiker nicht nur als Spiele an“, sagt Bashaar. „Die Titel sind wie eine Zeitmaschine. Sie bringen dich in eine komplett andere Zeit deines Lebens zurück und erinnern dich daran, wer und wo du damals warst. Es ist schön, diese Erinnerungen wachrufen zu können und dass Menschen diese Momente, die ihnen am Herzen liegen, mit Freunden und Familie teilen können. Wir glauben nicht, dass andere Medien dieselben Erfahrungen bieten wie das Remaster eines Spiels.“

Das originale Crysis ist 2007 erschienen. Halbig zufolge war das erste Jahrzehnt des Jahrhunderts für die heutigen Spiele besonders prägend. Zur Begründung führt er den Beginn von Spielereihen wie Far Cry und Red Dead Redemption an. „In diesen zehn Jahren hat sich die 3D-Qualität schnell entwickelt“, erklärt er. „Die Spielelandschaft hast sich grundlegend verändert. Aber die meisten Spieler waren immer noch jung, für gewöhnlich unter 30.“

„Viele von ihnen sind auch heute noch im Gaming-Bereich aktiv“, fährt Halbig fort. „Sie erinnern sich an die guten alten Zeiten mit diesen Titeln und wollen sie mithilfe von Remastern wiederaufleben lassen. Natürlich geben sie ihre positiven Gefühle und Eindrücke dann an ein neues, jüngeres Publikum weiter, das diese Spiele nicht in ihrer Originalform erlebt hat.“
Star Wars: Dark Forces Remaster
Remaster sorgen dafür, dass tolle Spiele im öffentlichen Gedächtnis bleiben und die Spielerschaft Klassiker ausprobieren kann, während sie auf neue Titel wartet. Gearbox will im März diesen Jahres das langerwartete Homeworld 3 veröffentlichen – doch die Homeworld Remastered Collection aus dem Jahr 2015 wurde von Kritikern dafür gefeiert, dass sie einer Generation von Spielern, die zuvor keine Berührungspunkte mit diesen Titeln hatten, die originalen Echtzeitstrategie-Klassiker nähergebracht hat.

Gearbox stellte damals „wichtige Mitglieder des ursprünglichen Entwicklungsteams an“, die „sich maßgeblich von der leidenschaftlichen Fangemeinde beeinflussen und helfen ließen“. In einem überschwänglichen Test lobte IGN die Detailverliebtheit des Entwicklungsteams bei den „überabeiteten Modellen, Texturen und Effekten“ und betonte besonders, dass die Titel bisher „nur schwer spielbar waren“, da das Original 1999 erschienen war.

Die ursprünglichen Tomb Raider-Spiele kamen zwischen 1996 und 1998 heraus, viele Jahre bevor die heutigen Gamer überhaupt geboren waren. Das Franchise existiert allerdings noch immer, dank Verfilmungen und moderner Neuinterpretationen der Geschichte von Lara Croft.

„Wir haben großen Respekt vor der Bedeutung dieser Franchises“, sagt Bashaar. „Es ist eine enorme Verantwortung, ihre Essenz zu bewahren und sie einer größeren, neuen Fangemeinde zugänglich zu machen. Allerdings können Remaster auch Genres, Spielmechaniken und Welten wiederbeleben, die andernfalls nur mithilfe von Emulation und Retro-Hardware gespielt werden könnten oder komplett verloren wären.“
 
„Diese Neuveröffentlichungen und Remaster können letztendlich zu Nachfolgern, Neuinterpretationen und Neuentwicklungen von beliebten Franchises führen“, fährt Bashaar fort. „Unserer Meinung nach brauchen Neuveröffentlichungen, Remaster und neue Titel einander, damit ein Franchise sein volles Potenzial entfalten kann.“

„Dank eines Remasters können neue Spieler Klassiker ausprobieren, die sie noch nie gespielt haben“, so Willits. „Diese Titel sind modernisiert worden, sehen oft besser aus und spielen sich auch besser, und sind auf Plattformen verfügbar, die man bei sich zu Hause stehen hat. So lassen sich Klassiker unkompliziert spielen und für aktuelle Systeme optimieren.“

Dvorský ist auch der Meinung, dass die heutige Spielerschaft dank Remastern eine Verbindung zu alten Klassikern aufbauen kann. „Es ist gut, dass diese Spiele erhalten bleiben“, findet er. „Viele Bücher, die es schon seit Jahrhunderten gibt, sind auch heute noch relevant. Spiele altern allerdings viel schneller, weil sie von Technik abhängig sind, die sich rasant weiterentwickelt. Viele alte Titel lassen sich auf modernen Maschinen nicht einmal mehr starten. Mithilfe von Remastern sind diese Spiele zugänglich und man kann von ihnen im besten Fall etwas lernen.“


Remaster werden zwar nie neue Titel ersetzen, die für Innovation und neue Erfahrungen zwingend notwendig sind. Doch dank ihrer anhaltenden Beliebtheit kann die Spielergemeinde eine Beziehung zur Vergangenheit aufbauen – ganz egal, ob sie damals das Original gespielt hat oder diese Spiele zum ersten Mal startet.