
Als der Westen seltsam wurde

Das isometrische Action-RPG von WolfEye Studios beginnt wie so viele Western, die wir im Kino oder Fernsehen gesehen haben: Eigentlich hatte sich unsere Kopfgeldjägerin schon zur Ruhe gesetzt, um einen friedlichen Lebensabend auf ihrer Farm zu verbringen, als eine Bande widerlicher Gestalten auftaucht und sie sich auf einen blutigen Rachefeldzug begeben muss.
Auf ihrer Reise dürfen die klassischen Genre-Elemente – von Kopfgeldmissionen bis hin zu Schatzsuchen – natürlich nicht fehlen, trotzdem ist die Vision des Wilden Westens von Weird West erfrischend fantastisch und gar nicht vertraut. Das wird schon früh deutlich, als ihr in dem Banditenlager, das ihr aufräumt, nicht auf fiese Bösewichte, sondern auf Schweinemenschen trefft, die euch aufschlitzen wollen.
Aber es wird noch seltsamer. Das Spiel besteht aus fünf einzelnen – wenn auch miteinander verwobenen – Geschichten mit jeweils eigenen Protagonisten. Nachdem ihr die faszinierende Story der Kopfgeldjägerin beendet habt, findet ihr euch in der Rolle eines der bereits erwähnten messerschwingenden Schweine wieder – ein überraschend sympathischer Charakter, der auf der Suche nach der Hexe ist, die ihn verflucht hat.
Im Laufe der langen Kampagne spielt ihr auch als Indianerkriegerin, als magiebegabtes Mitglied eines Geheimbundes und – wie kann es anders sein – als Werwolf. Spätestens an den Türen des Saloons solltet ihr nochmal euer Selbstvertrauen überprüfen, denn drinnen erwartet euch eine ebenso mächtige Auswahl an albtraumhaften Fieslingen. Geister, Sirenen und Zombies, um nur einige zu nennen, warten darauf, eurer Mission ein grausiges Ende zu bereiten.
Viele der fantasievollen – und furchterregenden – Bedrohungen waren früher Menschen, die anscheinend auf der falschen Seite des Zaubers einer bösartigen Macht erwacht sind. Minenschlurfer zum Beispiel sind ehemalige Goldgräber, die auf der Suche nach Reichtümern etwas viel Verderblicheres als eine Goldader entdeckt haben. Diese besessenen, grobschlächtigen Gestalten haben scheinbar ihren Verstand verloren, können sich aber problemlos daran erinnern, wie man mit einer Handvoll Dynamit alles Mögliche in die Luft jagt.

Während die Erzählung und die Charaktere von Weird West auf nette Art und Weise Western-Klischees gegen Dark Fantasy, Body Horror und andere Elemente austauschen, die üblicherweise nicht in der freien Natur zu finden sind, untergräbt das clevere Gameplay die Erwartungen auf ähnliche Weise. Das Spiel wurde von einem Team entwickelt, zu dem auch ehemalige Mitarbeiter der Arkane Studios gehören, und lehnt sich stark an immersive Simulationen an. Dabei wird dieses Action-RPG mit plötzlichen, entscheidungsgesteuerten Elementen ergänzt, die Fans von Arkane-Titeln wie Dishonored und Prey vertraut sein dürften.
In Weird West ermutigt dieser Ansatz stark zum Experimentieren, um kreative Lösungen für Schwierigkeiten zu finden, die man normalerweise mit einer gefüllten Revolvertrommel angehen würde. Anstatt eine Gruppe von Gegnern mit viel Munition zu bekämpfen, könnt ihr zum Beispiel mit einem Schuss ein Ölfass durchbohren und dann mit einem zweiten die schwarze Pfütze entzünden, um allen Feinden in der Nähe einen feurigen Tod zu bereiten.
Die Idee, dynamische, systemorientierte Lösungen zu suchen, beschränkt sich jedoch bei weitem nicht darauf, Bösewichte zu grillen, um Kugeln zu sparen. Wenn ihr zum Beispiel versehentlich vom selben Feuer erfasst werdet, könnt ihr es mit Wasser aus einem nahe gelegenen Tank oder Bach löschen. In eurem durchnässten Zustand seid ihr jetzt natürlich anfälliger für Blitzschaden.
Zusammen mit dem beeindruckenden, lebendigen Comic-Stil und dem eindringlichen Soundtrack machen das fesselnde Gameplay und die düstere Fantasy-Atmosphäre Weird West zu einem Spiel, für das man sich gerne in den Sattel setzt. Ihr könnt das Spiel im Epic Games Store kaufen oder auf eure Wunschliste setzen.