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Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade

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Steven T. Wright
11. Sept. 2023

Von den gespenstischen, von Käfern verseuchten Tunneln von Hollow Knight bis zur verdrehten, von der Inquisition inspirierten Bildersprache von Blasphemous hat sich das sogenannte „Metroidvania“ zu einem der beständigsten Subgenres von Videospielen entwickelt. Nach den ersten Innovationen durch die Metroid-Reihe – neben gewissen Castlevania-Klassikern, vor allem Symphony of the Night – wurden die weitläufigen Karten und die nichtlineare Erkundung, die dieses Genre ausmachen, in den letzten Jahren immer beliebter. Doch obwohl die meisten Metroidvanias sich an die Formel dieser Klassiker halten, gibt es auch einige Titel, sie erweitern wollen.

Die sechs folgenden Metroidvanias bieten ihre eigene Variante der üblichen rasterartigen 2D-Karten ihrer Vorgänger. Sei es eine neue Kameraperspektive, eine brillante neu Mechanik oder das Fehlen von typischen Elementen wie zum Beispiel dem Kampf – diese Metroidvanias sind aus einem guten Grund etwas Besonderes. Selbst wenn ihr absolute Neulinge in diesem Genre seid, sind diese sechs Spiele im Epic Games Store einen Blick wert, vor allem, wenn die gotischen Burgen und Horden von Untoten langsam etwas schal werden.
 

Rain World


Wenn wir Videospiele beschreiben, klingt das Wort „einzigartig“ oft abgedroschen, aber Rain World hat diese Bezeichnung wirklich verdient. Ihr steuert eine süße (und doch irgendwie albtraumartige) „Schneckenkatze“ und versucht, in einer nassen Sumpfwelt voller schuppiger Echsen und wabernder Tentakelmonster zu überleben, die hinter euch her sind, um ihren Frühstückshunger zu stillen. 
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Rain World
Die schmutzige Ästhetik und das komplexe Ökosystem dieses Spiels mache es in jedem Fall zu etwas Besonderem. Wie schon vorher Another World und die Knytt-Reihe versetzt euch auch Rain World in eine fremdartige Umgebung und erwartet, dass ihr das Beste daraus macht. Eure Schneckenkatze kann zur Selbstverteidigung Speere schleudern, die sie unterwegs findet, aber die meisten eurer Probleme lassen sich nicht durch Kämpfen lösen. Tatsächlich seid ihr die meiste Zeit vor euren Widersachern auf der Flucht.

Einige Hardcore-Fans werden sicher mit der Einstufung als Metroidvania hadern, denn es gibt keine Upgrades und man muss nicht Fähigkeiten erwerben, um neue Gebiete freizuschalten. Doch wie bei einigen anderen Spielen auf dieser Liste geht es auch bei Rain World darum, sich Wissen und Kompetenz anzueignen. Nach und nach erlernt ihr Tricks, um mit den lästigen Echsen und den schwierigen Kletterpartien fertig zu werden, die eure Schneckenkatze bewältigen muss, um inmitten des Mülls zu überleben. Wenn euch die Erkundungsaspekte klassischer Metroidvanias gefallen, werdet ihr euch bei diesem Spiel wie zu Hause fühlen.
 

Aeterna Noctis


Oberflächlich betrachtet erscheint Aeterna Noctis wie ein typisches Metroidvania: echte Kämpfe, eine riesige Karte und eine finstere, vom Mittelalter inspirierte Ästhetik. Aber schon nach wenigen Stunden werdet ihr erkennen, dass es die grundlegenden Mechaniken des Genres bis an die Grenzen ausreizt. Außerdem ist es extrem schwierig, aber nicht in der Weise, wie ihr es vielleicht erwartet.
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Aeterna Noctis
Die meisten Metroidvanias verlangen zwar ein gewisses Maß von Plattform-Action, aber in diesem Fall sind die Lauf- und Springsequenzen nicht wirklich anspruchsvoll. Aeterna Noctis verzichtet darauf und bietet stattdessen eine Vielzahl von Bewegungsfähigkeiten und Geschicklichkeitsprüfungen, die gut zu einem brutalen Hardcore-Plattformer wie Super Meat Boy oder Celeste passen würden. (Dazu zählt auch ein Pfeil, an dessen Position ihr euch in der Luft teleportieren könnt, was später im Spiel sehr wichtig wird.) 

Grundsätzlich müsst ihr bei diesem Spiel geschickt springen und rennen. Selbst bei den Bosskämpfen sind präzise Reflexe und komplexe Bewegungsabläufe erforderlich, um allen ihren Angriffen auszuweichen. Bei diesem Spiel gibt es weniger zu erforschen als bei vielen Metroidvanias – vor allem in der zweiten Hälfte – aber die Plattform-Herausforderungen haben einen gewissen Suchtfaktor.
 

Death's Door


Wenn ihr Metroidvanias liebt, ist euch sicher schon aufgefallen, dass sich viele Spiele des Subgenres an der Souls-Serie von FromSoftware und ihren Nachahmern orientieren. Death's Door zieht seine Inspiration sehr erfolgreich aus Souls und setzt mit seinem eindrucksvollen Schwertkampf, dem bestechenden Grafikstil und der bewegenden Geschichte eigene Akzente. 
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Death's Door
Dies ist nicht das erste Metroidvania, bei dem man das Spielgeschehen aus einer isometrischen Third-Person-Perspektive erlebt, aber Death's Door verleiht dieser Variante ein neues Niveau. Ihr spielt eine unglaublich niedliche Krähe, tretet gegen Monster an und entreißt den aufgedunsenen Toten ihre Seelen, und der Kampf gegen die riesigen Ungetüme macht wirklich großen Spaß. Wenn man dieses Spiel mit einem einzigen Wort beschreiben müsste, dann wäre es „bezaubernd“. Diesem Spiel gelingt, was Videospiele nur selten schaffen: Es ist wirklich witzig, bietet eine interessante Welt und dauert nicht länger als es Spaß macht. Es ist nicht so erkundungsorientiert ausgerichtet wie ein reines Metroidvania, aber dafür bietet es Geheimnisse und tolle Bosskämpfe. Und ihr müsst Fertigkeiten entwickeln, um voranzukommen, ihr könnt euer Wörterbuch also getrost weglegen.

Viel mehr lässt sich über Death's Door nicht sagen, ohne etwas zu verraten. Wenn ihr Spiele mit Niedlichkeitsfaktor mögt und euch eine kleine Herausforderung nichts ausmacht, solltet ihr euch das Spiel einmal ansehen.
 

Yoku's Island Express


Yoku's Island Express ist ein weiterer Titel, der sich seinen Ruf der Einzigartigkeit redlich verdient hat: Dieses Metroidvania ersetzt das übliche Plattform-Hüpfen nach Mario-Manier durch Flipper und Bumper.  Es gibt auch andere moderne, von Flipperautomaten inspirierte Spiele, doch nur Yoku's Island Express kombiniert die Möglichkeiten und die Erkundung eines Metroidvania mit der Mechanik und Physik der silbernen Kugel. 
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Yoku's Island Express
Der Mistkäfer Yoku genießt seinen Urlaub und wird dabei zum neuen Postmeister der Insel Mokumana ernannt. Er muss also durch das tropische Paradies schwingen und springen, um den schillernden Bewohnern die Post zuzustellen. Auf der Insel verbergen sich natürlich auch dunkle und mysteriöse Geheimnisse, die Yoku aufdeckt, dazu diverse Verbesserungen, die seine Reisen beschleunigen, und Herausforderungen, bei denen es auf gutes Zielen ankommt.

Wie Death's Door, versprüht auch Yoku's Island Express einen eigenen Charme, dem man einfach verfallen muss. Sein Witz und seine Schrulligkeit sind wirklich nicht zu überbieten.
 

Prey


Mit seinem Bruder auf einer Raumstation zu arbeiten, klingt nach jeder Menge Spaß, aber Morgan Yu muss im 2017 veröffentlichten Prey erkennen, dass es nicht wirklich zum Totlachen ist. Wie sich herausstellt, wurde die Station von Aliens überrannt, und ihr schlüpft in die Rolle des einzigen Charakters, der das wieder in Ordnung bringen kann. Wie so viele der sogenannten „immersiven Simulationen“ – ein unklar definiertes Subgenre, aus den Tagen von System Shock – passt Prey von Arkane kaum in eine Schublade. 
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Prey
Es ist zwar ein Egoshooter mit einem ganzen Arsenal von Waffen, aber eigentlich geht es mehr darum, nützliche Gegenstände und kreative Lösungen für Probleme zu finden, als die Bösen abzuknallen. Solltet ihr eure Ressourcen in euer Hack-Talent investieren, um eine Tür zu öffnen, oder doch lieber mit der limitierten Munition euer GLOO-Kanone matschige Plattformen errichten, um über die Wand in den Raum zu klettern?

Nennt es wie ihr wollt, aber dieses Sci-Fi-Abenteuer hat alles, was ein Metroidvania ausmacht. Die Raumstation Talos I ist ein zusammenhängender Ort mit vielen verschachtelten Wegen und Geheimnissen, die ihr entdecken könnt. Der erneute Besuch bereits erforschter Gebiete lohnt sich meistens, und Feinde haben viele verschiedene Stärken und Schwächen, die euch das Leben schwerer und leichter machen. Ihr könnt sogar in die außerirdische Technologie investieren, um euch einen Vorteil zu verschaffen, aber freut euch nicht zu früh: Sie hat möglicherweise unbeabsichtigte Nebenwirkungen. Wenn ihr die Freiheit liebt und euch gerne mit GLOO und Kugeln euren Weg bahnt, ist Prey euer Spiel.
 

Outer Wilds


Eine Apokalypse, die das Universum ausradiert, ist immer ziemlich frustrierend, aber stellt euch vor, ihr müsstet sie bis in alle Ewigkeit immer wieder erleben! Zum Glück verleiht Outer Wilds dieser ansonsten recht grimmigen Vorgabe eine beschwingte Note. Ihr schlüpft in die Rolle eines Außerirdischen, der die letzten 22 Minuten seines Sonnensystems immer wieder erlebt und dazu verurteilt ist, mitanzusehen, wie sein Stern in einer Zeitschleife unbekannten Ursprungs in einer Supernova verglüht. 
Sechs Metroidvanias geben der klassischen Formel ein Upgrade – Outer Wilds
Euch bleibt nur ein Ausweg: Ihr müsst dieses Miniatursystem erkunden und möglichst viel über das untergegangene Raumfahrervolk der Nomai herausfinden. In echter „Metroidbrainia“-Manier könnt ihr in Outer Wilds keine Fähigkeiten erwerben oder Gegenstände sammeln. Stattdessen ist Information euer Werkzeug und ihr müsst Wissen erwerben, um die verschiedenen Logikrätsel zu lösen, die euch daran hindern, jeden Planeten des Systems zu erkunden. Theoretisch könnt ihr jeden dieser Planeten von Anfang an besuchen, aber viele davon sind nur zu bestimmten Zeitpunkten in der Zeitschleife verfügbar und die Welten reagieren sogar auf einige eurer Entscheidungen.

Wie Fez ist Outer Wilds kein echtes Metroidvania, aber sein auf Entdeckungen ausgerichtetes Gameplay und sein atmosphärischer Weltenbau wird den Fans des Genres bekannt vorkommen. Wenn ihr wissen wollt, wie es sich anfühlt, immer wieder eine Zeitschleife zu durchlaufen, ist dieses Spiel genau das Richtige für euch.