
Die Sims 4: Zeit für Freunde: Erschafft die angesagteste soziale Szene – und lasst sie mit Drama explodieren

2022 verkündete EA, dass die Spieler von Die Sims 4 insgesamt 1,4 Milliarden Stunden damit zugebracht hatten, Nachbarschaften, Familien und Geschäfte zu erstellen. Dabei ließen sie ihre eigenen Fantasien digitale Realität werden und beobachteten, wie sie sich entwickelten. Es fällt mir leicht, das zu glauben, wenn ich an meinen neuesten Spielstand denke, der allein reichliche hundert Spielstunden zählt.
Obwohl ich schon im Hauptspiel jede Menge Chaos anrichten kann, halten mich in letzter Zeit die Erweiterungen von Die Sims 4 auf Trab. Neue Mechaniken (von mythisch bis mondän), pikante Geschichten, einzigartige Biome und skurrile Kulissen – es gibt jede Menge zu entdecken.
Aktuell habe ich großen Spaß mit der Erweiterung Die Sims 4: Zeit für Freunde. Mit Zeit für Freunde könnt ihr eure eigene Gruppe gründen. Dabei könnt ihr mit euren personalisierten Gruppen nicht nur die coolsten Partys feiern. Sie bringen bestimmte Bewohner zusammen und fördern neue Freundschaften in eurem Vorstadtidyll.
Aber obwohl diese Idee eigentlich sehr nett ist, geht es mir bei Zeit für Freunde vor allem darum, das größtmögliche Drama zu arrangieren. Ganz egal, ob ihr euch in Spelunken, Nobel-Nachtclubs oder bei bescheidenen Brettspielrunden trefft – mit Zeit für Freunde könnt ihr die soziale Hierarchie eurer Stadt durcheinanderbringen und selbst unter zusammengeschweißten Cliquen Zwietracht säen.
Jenny, das erste Experiment
Natürlich bin ich ein Riesenfan von Reality-Shows und Serien wie Married at First Sight – Hochzeit auf den ersten Blick und Liebe macht blind schaffen es irgendwie immer zurück auf meine Watchlist. Bei einer Serie mit Episoden muss ich allerdings immer Tage oder sogar ganze Wochenenden auf die spannenden Momente warten, in denen Dinnerpartys oder Verlobungszeremonien dramatisch eskalieren. Bei Die Sims 4: Zeit für Freunde entdeckte ich schnell, dass ich ohne jede ethischen Bedenken meine eigenen virtuellen Höllenszenarien erstellen kann
Da ohne Vorbereitung garantiert alles in Chaos ausartet, diente mein erster experimenteller Haushalt als Testlauf für zukünftige Gruppenprojekte. Darf ich vorstellen: Jenny, eine allein lebende Partylöwin, die für ihr Leben gern tanzt, Musik hört und gutes Essen genießt. Ihre vorgegebenen Persönlichkeitsmerkmale bestimmen die Gruppen, in die sie passen würde, und Faktoren wie finanzieller Status, Familienstand, Alter sowie Vorliebe für Aktivitäten wie Kochen oder Malen helfen dabei, die Abende in Zeit für Freunde zu gestalten.

Da ich unbedingt mein eigenes Berghain bauen wollte, setzte ich Jenny auf das einzige erschwingliche Grundstück in der europäisch anmutenden Region von Windenburg, wo es vor Fachwerkhäusern und viel zu teuren Immobilien nur so wimmelt. Ich hatte es eilig, darum gab ich gleich ein paar Mal „Motherlode“ ein (Hinweis für Uneingeweihte: Das ist ein Cheatcode, der für ein dickes Bankkonto sorgt), um ein Budget für meine architektonischen Ambitionen zu haben.
Bei der Erstellung einer Gruppe kann man in Zeit für Freunde auswählen, ob man ein bereits existierendes öffentliches Grundstück verwendet oder sich ein ganz eigenes erstellt. Jenny sollte die ganze Nacht lang feiern und tagsüber schlafen können, deswegen wurde aus ihrem Haus eine Mehrzweck-Veranstaltungshalle. Die Erweiterung hat jede Menge partyspezifische Objekte wie Bars, DJ-Pulte und Disco-Scheinwerfer, die den Start ins Nachtleben erleichtern.
Trotz jahrzehntelanger Erfahrung im Dekorieren konnte ich aus meinem Haus keinen coolen Club machen – aber immerhin war ich bereit für die Partygäste. Das Willkommenskomitee der Nachbarschaft klopfte zwar viel zu früh an die Tür, doch immerhin konnte ich so die Räumlichkeiten austesten.
Jenny heuerte einen Killer-DJ und einen Mixologen an, und dann ging die Party auch schon los. Es ging feuchtfröhlich zu und Jenny lieferte auf der Tanzfläche eine derart gewagte Show, dass sich ein kleines Grüppchen Schaulustiger bildete.

Kurz vor Ende des Events erhielt Jenny einen Anruf: Sie sollte eine Party auf der anderen Seite der Stadt abchecken. Ich hätte es selbst nicht besser planen können. Innerhalb von Sekunden stand ich auch schon vor einem Anwesen, das mit Laserlichtern angestrahlt wurde – der perfekte Ort, um für ein bisschen Drama zu sorgen. Sobald man in Zeit für Freunde einer Gruppe beitritt, kann man den Leiter schlechtreden, um ein paar pikante Details zu erfahren. Wenn man wirklich auf Krawall gebürstet ist, kann man sogar versuchen, den Leiter zum Rücktritt zu bewegen.
Allerdings war Jenny eher daran interessiert, mit jedem zu flirten, der bei drei nicht auf einem Baum saß. Besonders eine pinkhaarige Schönheit hatte es ihr angetan und es dauerte nicht lange, bis es zwischen den beiden knisterte. Ich erfuhr recht schnell, dass Candy Mitglied bei den Spin Masters ist, einem DJ-Kollektiv, das in der Gegend regelmäßig Partys veranstaltet. Das war ideal, da bei Sonnenaufgang woanders weitergefeiert werden musste. Jenny lebte wie Lady Gaga 2008 – „Kein Schlaf! Bus, Club, nächster Club, nächster Club, Flugzeug, weiter.“
Stefanie, die verschmähte Berühmtheit
Das Interessanteste an Zeit für Freunde ist allerdings, dass es als Nexus für andere Erweiterungen dient und diese in das Gruppenerstellungssystem integriert. Wenn ihr zum Beispiel auf die Fantasy-Elemente von Werwölfe, Vampire und Reich der Magie abfahrt, könnt ihr gruselige Gruppen gründen, die eure besonderen Interessen widerspiegeln. Ist das nicht so euer Ding, könnt ihr euch auf die familienorientierten Erweiterungen konzentrieren und den absurdesten Buchclub mit Stroboskoplicht ins Leben rufen, den ihr euch vorstellen könnt.
Ich hatte zwar jede Menge Spaß als Partymaus, war allerdings immer noch auf der Suche nach erstklassigem Melodrama und Jenny war einfach zu gut drauf, um sich mit jemandem anzulegen. Deshalb versuchte ich es nach ein paar ungelenken romantischen Interaktionen und einem ziemlich dramatischen Bauchplatscher im Pool mit einem neuen Haushalt. Diesmal investierte ich in die Features der an Hollywood angelehnten Erweiterung Werde berühmt, um ein bisschen hierarchischen Zoff vorzuprogrammieren.

Hier kamen das Geschwisterpaar Stefanie und Grant ins Spiel, das im Del Sol Valley und nur für den Glamour lebt. Wieder verfolgte ich die Strategie, aus meinem Zuhause einen Nachtclub zu machen – diesmal allerdings einen noch ausgefalleneren und exklusiveren. Ich ignorierte die traditionelle Einweihungsfeier komplett und trat in einer lokalen Bar gleich der Preset-Gruppe „Stammgäste“, um mein Prestige zu steigern.
In der Bar steppte der Bär und es gingen genug Promis ein und aus, sodass Stefanie etwas von ihrem Glanz abbekommen konnte. Wie auch in der Realität kann schon der Umgang mit Promis einen Sim zur Berühmtheit machen. Aus diesem Grund drängelte sich Stefanie schamlos in alle möglichen Situationen – allerdings mit mäßigem Erfolg. Etwas enttäuscht suchte ich ein weiteres Mal mein Heil in den Cheats und verpasste ihr einen globalen A-List-Status. Da Stefanie nun von aller Welt angeschmachtet wurde, brauchte ich nur noch einen ausgefallenen Laden, wo ihre Fans sie anbeten konnten – und so wurde Deluxe 'n' Fancy geboren.
Ich hatte das örtliche Museum für moderne Kunst ins Auge gefasst und wollte junge, reiche und berühmte Romantiker ganz vorne mit dabeihaben. Die Sache hatte nur einen winzigen Haken: Es gab keine. Ich musste meine Standards ganz schön senken und füllte die Ränge meiner Gruppe letztendlich mit mittelalten B-Promis. Ohne lange zu zögern, organisierte ich ein Treffen und die sieben hoffnungsvollen Anwärter erschienen am Schauplatz.

Es dauerte nur Sekunden, bis die Paparazzi und Fans aufkreuzten – aber etwas anderes hätte man bei der angesagtesten Gruppe der Stadt auch nicht erwartet. Allerdings kam Stefanie nicht ganz so gut mit der vielen Aufmerksamkeit klar. Sie flirtete und machte Fotos mit ihren Fans, und lief dann immer wieder nach draußen, um sich mit einem Klatschreporter zu prügeln.
Als Stefanie schließlich aus der Toilette kam und sah, wie das Objekt ihrer Begierde mit einem Niemand herummachte, ging alles den Bach hinunter. Entrüstet setzte sie den Abgräber vor die Tür, der kurz zuvor noch der Gruppe beitreten wollte, nur um Steffis Bekanntschaft zu machen. Diese belastende Erfahrung war der Höhepunkt des glamourösen Abends und gleichzeitig erweiterte sich Stefanies fragile Persönlichkeit auch um das Merkmal „Self-Absorbed“ (Selbstsüchtig).
Kurz nachdem sie wieder zuhause in ihrem eigenen Nachtclub angekommen war – ohne Party geht es nicht –, brach Stefanie in Tränen aus und heulte schließlich mitten auf der Tanzfläche Rotz und Wasser.

Es war wie im Kino. Ich hatte meine Sim-Frau an ihre emotionalen Grenzen gebracht – und ehrlich gesagt bekam ich langsam ein schlechtes Gewissen. Während sie vor Liebeskummer durchdrehte, ließ ihr Bruder dank ihrer Berühmtheit die Puppen tanzen. Wie man sieht, kann Berühmtheit einen wirklich verändern.
Eine Sache habe ich aus meinen Gruppenexperimenten allerdings gelernt: Die Sims 4: Zeit für Freunde ist ein überraschend komplexes Werkzeug, mit dem sich Gruppenkulturen und -Dynamiken erstellen und manipulieren lassen. Das klingt sicher fragwürdig – und das kann es definitiv auch sein –, aber ich hatte damit mehr Spaß, als abends bei klirrender Kälte in Bars absurd hohe Preise für verwässerte Drinks zu bezahlen.
Mein Traum von der ultimativen Partynacht ist zwar noch nicht in greifbare Nähe gerückt, aber wenn es dann einmal so weit ist, wird es bestimmt jede Menge Klatsch und Tratsch geben. Fürs Erste muss ich meinen Versuchskaninchen allerdings eine Pause gönnen und ihnen eine entspannende Reise spendieren. Und sie eventuell ihren etwas introvertierteren Hobbys nachgehen lassen.
Ihr könnt Die Sims 4 kostenlos im Epic Games Store herunterladen. Außerdem findet ihr dort die Erweiterung Zeit für Freunde und, falls ihr Blut leckt, noch jede Menge andere DLCs für Die Sims 4.