
Eine Ode an die Kettensäge, die blutigste aller Gaming-Nahkampfwaffen

Kettensägen gehen einem einfach unter die Haut, vor allem in dem entsetzlichen Moment, bevor sie sich durch den Knochen fressen. Die beste Freundin des Holzfällers ist ein Dauerbrenner des Horror-Genres und unentwegt bewerben Spiele ihre unvergleichliche Fähigkeit, Fleisch zu zerreißen wie ein Hund, der die Schuhe seines Herrchens zerkaut, während ihr ruckelndes Brüllen die verzweifelten Schreie ihrer Opfer übertönt.
Der zuckende Motor und die reißenden Zähne sind ein unaufhaltsames Werkzeug in euren Händen – und in denen eines anderen euer schlimmster Albtraum. Selbst wenn ihr den stotternden Motor von Weitem hört, hilft euch das wenig, denn weder Türen noch Barrikaden können sie aufhalten.
Wenn ihr Glück habt, verstummt ihr bösartiges Knurren gerade lange genug, dass ihr diese kurze, blutige Geschichte der Videospiel-Kettensägen ungestört lesen könnt.
Die Eager Beaver aus DOOM
Wenige Spiele hatten einen größeren Einfluss als das ursprüngliche DOOM – und der Reiz seiner Kettensäge hat die Jahrzehnte unbeschadet überstanden – ganz im Gegensatz zu ihren zahllosen Opfern. Das Vorbild für die legendäre Nahkampfwaffe in DOOM war die „Eager Beaver“-Kettensäge von Tom Hall, Designer bei id Software, und angesichts ihrer Pionierarbeit für viele nachfolgende Kettensägengenerationen – von Resident Evil 4 bis zu Lollipop Chainsaw und darüber hinaus – hat sie sich ihren Platz in der Gaming-Geschichte redlich verdient.

Der Nahkampf im originalen Ego-Shooter, bei dem man einen pixeligen Imp, Pinky oder Zombieman in eine Wolke quadratischer Blutströpfchen verwandelt, hat nichts von seinem beglückenden Charm eingebüßt. Bei Doomguys blitzschnellen Bewegungen geht es im Handumdrehen hautnah zu. Hilflos taumeln eure Opfer unter euren Hieben ihrem Tod entgegen.
In den späteren Spielen musste man die Kettensäge betanken, was ihren Einsatz etwas komplizierter machte, aber in DOOM und DOOM II ist sie die erste und auch brutalste Wahl, wenn man Munition sparen möchte. Mit ihrer sparsamen Animation ist sie unauffällig und effizient. Ihr schwingt sie nicht, sondern lauft einfach in die Dämonen hinein und seht zu, wie die rotierende Kette den Rest erledigt.
In DOOM III war die Kettensäge (neben vielen anderen Änderungen der Serie) zur mächtigsten Nahkampfwaffe des Spiels avanciert. Leider hatten die Dämonen hatten endlich auch aufgerüstet. Die erbarmungslosen Sawyer-Zombies jagten euch mit ihren eigenen Kettensägen durch klaustrophobische Gängen – und waren doch nur Vorboten größerer Schrecken, die folgen würden.
Kettensägen und Zombizid in Killing Floor 2
Zombies und Kettensägen passen wie die Faust aufs Auge. Ihr verzweifelter und hirnloser Ansturm auf die Lebenden macht es zum Kinderspiel, ihr verwesendes Fleisch zu zerfetzen.
In Killing Floor 2 von Tripwire Interactive walzt eine Welle dieser Dummys des Grauens nach der anderen auf euch zu und stellt euer Teamwork, eure Schusswaffen und eure Schlachterkünste auf die Probe. Diese mutierten Zeds erscheinen in den verschiedensten Formen, doch wenige sind so bedrohlich wie der Scrake, eine gewaltige Monstrosität, die eine prächtige Kettensäge schwingt, deren Hieben ihr kaum entkommen könnt. Wenn ihr ihm alleine gegenübersteht, wird es schwierig, diese Begegnung zu überleben. Und wenn ihr gerade mit einer Meute niedrigerer Zeds beschäftigt seid und dann einen Scrake bemerkt, ist es entschieden an der Zeit, euch einen Fluchtweg freizumetzeln.

Eine gute Regel ist, dass ihr Leute mit einer Kettensäge nie verärgern solltet, erst recht nicht, wenn es sich um wilde Biomutanten handelt. Wenn ihr ohne Verstärkung die Lebenspunkte eines Scrake auf die Hälfte reduziert, könnt ihr erleben, wie er richtig wütend wird und euch eine tödliche Lektion erteilt. Wenn ihr es wirklich mit einem aufnehmen wollt, ist oberstes Gebot, dass eure Feuerkraft der Aufgabe gewachsen ist – kombinierte Waffen oder eine gut gezielte Rakete sind das Mindeste. Und wenn sie gleich zu mehreren auftauchen? Tja, dann war es schön, euch kennengelernt zu haben.
Wenn ihr die Berserker-Klasse spielt, habt ihr vielleicht eine Chance. Diese tapferen, aber draufgängerischen Kämpfer treten wagemutig gegen die Scrakes an, weichen ihren mächtigen Schlägen geschickt aus oder parieren ihre Angriffe mit einer Nahkampfwaffe ihrer Wahl. Leider kann man in einem Kettensägen-Duell keine Klingen kreuzen – wäre das vielleicht eine Idee für Killing Floor 3, Tripwire? Aber die flexibel einsetzbare Kreissägenwaffe „Eviscerator“ ist ein würdiger Ersatz. Eure Standardkettensäge leistet zwar alles, was man sich von ihr wünscht, aber der Eviscerator überzeugt mit einem weiteren Vorteil: Er verschießt rotierende Sägeblätter, die abprallen und Zeds direkt über der Hüfte halbieren.
Die Säge am Bein in Turbo Overkill
Apogee tritt mit Turbo Overkill in die blutigen Fußstapfen von DOOM und präsentiert einen rasanten Shooter in einer neonerleuchteten Cyberpunk-Welt. Die rasende Nonstop-Action des in die Jahre gekommenen Ego-Shooters verbindet sich mit einem grellen, maximalistischen Ethos zu einem schonungslos genialen Erlebnis.
Es mangelt nicht an Waffen – schließlich steht das S in FPS für Shooter und nicht für Schredder. Aber ohne die Kettensäge wäre Turbo Overkill nur Stückwerk. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, denn euer Charakter hat ein ganz besonderes kybernetisches Implantat: ein Kettensägenbein.

Diese Innovation war in der Gaming-Welt längst überfällig. Warum sollte man sich mit einer Waffe pro Arm begnügen, wenn ein Fuß im Fußumdrehen zur Kreissäge werden kann? Ihr verwendet diese Erfindung übrigens nicht mit einem Tritt, sondern mit einer Rutschbewegung des ganzen Köpers. Wie in einer Fleischfabrik surrt ihr euch durch eure Feinde und sie verschwinden mit einem befriedigenden Schmatzen in einer blutigen Explosion.
Diese Spielmechanik verlangt danach, missbraucht zu werden, und Apogee ermutigt euch nach Kräften dazu. Die Level von Turbo Overkill sind großzügig mit Rampen, Halfpipes und Kanten bestückt, damit ihr wild schlitternd einen Amoklauf wie ein Tony Hawk im Mordrausch aufs Parkett legen könnt. Ihr saust durch eure Feinde und verarbeitet sie wie überreife Wassermelonen zu Brei. Über den Schwung müsst ihr euch dabei keine Gedanken machen – haltet einfach die Rutsch-Taste gedrückt und schon gebt ihr Gas – zumindest, bis ihr in eine Wand kracht.
Später im Spiel erlangt ihr sogar die Heilige Dreifaltigkeit: Kettensägenarme helfen euch bei der Verwandlung in eine höhere, drei Kettensägen schwingende Daseinsform. Der Himmel stehe jedem bei, der es wagt, sich euren wirbelnden Klingen in den Weg zu stellen – oder der sich in einem engen Gang an euch vorbeidrängeln will.
Lernt in The Evil Within einen echten Sadisten kennen
Die Kettensäge ist nur eine der vielen Waffen, die der Sadist in The Evil Within perfekt beherrscht. Das erfahrt ihr gleich zu Beginn des Spiels, wenn ihr – an einem Fleischerhaken baumelnd – in seinem grauenvollen Versteck erwacht und auf eine Leiche blickt, in deren Brust ein Jagdmesser steckt.
Im Gegensatz zu Shinji Mikamis vorherigem Kettensägenmann – dem umnachteten Verrückten mit dem Sack über dem Kopf aus Resident Evil 4 – bevorzugt der unvergessliche Boss ziemlich zu Anfang von The Evil Within beim Schlachten von Menschen einen methodischen Ansatz – er ist in eine Fleischerschürze gekleidet und hat seine Schuhe sorgfältig wasserdicht eingepackt.

Viele Kettensägenschwinger überlassen die Arbeit einfach ihrer Waffe, die bei einem der wilden Hiebe ihren Job schon erledigen wird. Nicht so dieser Künstler – er macht gezielte Ausfallschritte, um genau dort zu treffen, wo es am meisten weh tut. Wenn er euch frühzeitig erwischt, wird er Sebastien genüsslich den Kopf von seinen Schultern trennen. Wenn ihr verwundet seid, habt ihr keine Chance – außer ihr habt ein ungewöhnliches Glück (und Geschick) im Umgang mit dem winzigen Messer, das euch zur Verfügung steht.
Wenn ihr dem Sadisten später gegenübertretet, die meisten Folgen seiner barbarischen Folter bereits geheilt sind und ihr deutlich besser bewaffnet seid, habt ihr vielleicht eine Chance. Haltet euch aber von den Bärenfallen fern, wenn ihr überleben wollt, um The Evil Within 2 zu spielen, sonst ist die Kettensäge das Letzte, was ihr seht, während ihr verzweifelt mit den Bügeln des Fangeisens kämpft.
Ash Williams treue Homelite XL-12
Wenn ich an Kettensägen denke, kommt mir – wie wohl jedem anderen Sam-Raimi-Fan auch – sofort Ash Williams aus der kultigen Evil Dead-Reihe in den Sinn. Nachdem Texas Chainsaw Massacre in den 70er Jahren das sadistische Grauen der Kettensäge mit umwerfendem Erfolg ausgewälzt hatte, begeisterte die Horrorkomödie Evil Dead mit dem unschuldigen Nervenkitzel, sich durch Unmengen von untoten Gliedmaßen und Körpern zu hacken.
In Evil Dead: The Game könnt ihr mit Ashs berüchtigter Homelite XL-12 ein Blutbad der 80er Jahre nachstellen. Bruce Campbells Figur schwang diese Kettensäge – die man zumindest 1987 in jedem Baumarkt kaufen konnte – auf eine unvergessliche Art mit großer Begeisterung und einem manischen Leuchten in den Augen. Nutzt als Ash in dem asymmetrischen Untoten-Battle-Royale von Saber Interactive die Chance, dasselbe manische Grinsen wie Bruce Campbell aufzusetzen.

Das Einzelspieler-Eröffnungskapitel von Evil Dead: The Game, „Wenn du jemanden liebst, befreie ihn … mit einer Kettensäge“, bietet Fans und Neueinsteigern gleichermaßen einen Crashkurs in den mörderischen Techniken des Kettensägenschwingens. Ihr zerlegt die Untoten und während ihr euch auf der Leiter der zunehmend selteneren (und verheerenderen) Kettensägen nach oben bewegt, verarbeitet ihr die Innereien der Untoten zu einem Brei jenseits der entferntesten Möglichkeit einer Wiederauferstehung.
Mit der Kettensäge in der Hand (bzw. als Ash nach einem unglücklichen Zwischenfall den Arm gepfropft) schlitzt ihr euch durch die dämonische Armee der Finsternis. Das Spiel gibt euch sogar die Möglichkeit, als eine Armee von Kettensägen schwingenden Bruce Campbells zu spielen – das hätte Sam Raimi sicher gefallen.
Damit sind wir am Ende dieser kurzen, blutigen Geschichte der Kettensäge und ihrer benzinbetriebenen Verderbnis angelangt. Ganz gleich wer sie schwingt, die Kettensäge wird ihre Schreckensherrschaft noch viele Jahrzehnte verteidigen. Schau mir in die Augen, Kleines!