
Dead Reset ist ein blutiges FMV-Horrorspiel mit einer Zeitschleife

Wales Interactive entwickelt und veröffentlicht seit einiger Zeit FMV-Abenteuer und bringt solide, unterhaltsame Spiele in einem vielgeschmähten Genre heraus. Spiele wie The Infectious Madness of Doctor Dekker, The Complex und Night Book bieten gruselige Geschichten im Stil von Lovecraft, die von echten Schauspielern vor echten Kulissen aufgeführt werden und irgendwo zwischen einem B-Movie und einer seltsamen Science-Fiction-Serie angesiedelt sind, wie man sie vielleicht zufällig auf BBC America entdeckt. Das Zeitschleifen-Horror-Abenteuer Dead Reset, das neueste Spiel von Wales Interactive und das erste des Entwicklers Dark Rift Horror, ist ein Paradebeispiel für diese B-Movie-Sonderbarkeit.
Wenn ihr euch an die ersten FMV-Spiele erinnert – als die 1990er Jahre durch die Einführung der CD-ROM verflucht waren und plötzlich 650 MB statt 1,44 MB auf Disketten passten … das war nicht besonders gut. Sondern eher schlecht. Sehr schlecht sogar. Grauenvoll.
Aber vergesst diese pixeligen Fenster mit der Darstellung einer Person, die vielleicht Christopher Walken oder Christopher Lloyd sein könnte (es ist ohnehin viel zu klein, um das zu erkennen). Die 2020er Jahre bieten weitaus Besseres – HD, gestochen scharf gefilmt und weitaus professioneller produziert. Zwar gibt es noch immer einige absolute Flops, doch insgesamt lohnt es sich endlich, dieses Genre zu erkunden.
Dead Reset ist ein interessantes Beispiel dafür, wo das Genre derzeit steht. Es macht unglaublich viel Spaß, verfügt über eine wirklich starke Besetzung mit überwiegend unbekannten britischen Schauspielern und verfolgt eine äußerst interessante Prämisse. Zugleich ist es jedoch ein herrlich kitschiger und blutiger B-Movie mit einem monströsen Gegner, der so albern ist, dass man einfach laut lachen muss.

Cole Mason, ein 34-jähriger ehemaliger Chirurg, wacht auf als er von einem hünenhaften Wachmann, der es liebt, seine Waffe zu ziehen, vom Boden hochgezogen wird. Der Raum könnte in jedem beliebigen Science-Fiction-Szenario angesiedelt sein – in einer geheimen unterirdischen Basis, einem Raumschiff auf einem fernen Kolonieplaneten oder einem dystopischen Hochhaus. Der Punkt ist, wir wissen es nicht. Cole kann sich nicht an sein früheres Leben vor seinem Erwachen erinnern, scheint sich jedoch seine Fähigkeiten bewahrt zu haben und wird (mit vorgehaltener Waffe) dazu gezwungen, eine Frau zu operieren, die auf einer Krankentrage liegt.
Ihr seht euch sofort vor die Wahl gestellt. Das Video wird pausiert, und ihr habt nur begrenzt Zeit, zwischen zwei Optionen zu wählen: Seid ihr bereit zu helfen oder versucht ihr zu fliehen? Versucht ihr, dem Wachmann die Waffe zu entreißen oder nehmt ihr das Skalpell? So was in der Art. In der Anfangssequenz von Dead Reset führt so ziemlich jede Entscheidung, die ihr trefft, zu eurem Tod – und zwar aus gutem Grund.
Cole merkt schnell, dass er in einer Zeitschleife feststeckt. Sobald er stirbt, fängt die ganze Szene von vorne an und er wird wieder vom Boden hochgezogen. Klar, es ist jedes Mal eine neue Inszenierung, da Cole wegen der Situation immer mehr durchdreht und versucht, diese feindselige Gruppe davon zu überzeugen, was gerade geschieht. Dabei sterben sie immer und immer wieder, wenn eine groteske Kreatur mit Tentakeln aus dem Bauch des Patienten hervorbricht und sie alle umbringt.
Also ja, Und täglich grüßt das Murmeltier trifft auf Alien – eine hervorragende Prämisse! Aufgrund von Handlungselementen ändert sich der Startpunkt von Coles Zeitschleife im Laufe des Spiels, sodass die Geschichte voranschreiten kann, ohne dass man alles immer wieder wiederholen muss (bis zu einem späteren Zeitpunkt). Die Figuren werden euch aufgrund eurer Handlungen entweder mögen oder hassen, und je nachdem, wie ihr handelt, können Menschen entweder leben oder sterben. Aber viele Leute werden so oder so sterben. Und es wird furchtbar werden.

Es scheint, als hätten der Regisseur und die meisten Darsteller schon mal bei einem Film zusammengearbeitet, von dem ihr sicher noch nie gehört habt: How to Kill Monsters. Es geht um junge Polizisten und Kriminelle, die sich zusammentun, um Monster aus einer anderen Dimension zu bekämpfen, und wie Dead Reset wurde er von Stewart Sparke inszeniert und von Paul Butler mitverfasst. Der Film ist außerdem ein blutiges Splattervergnügen. Das erklärt zum Teil, warum sich die Darsteller von Dead Reset so wohl miteinander fühlen.
Es bedeutet auch, dass Dead Reset seinen Ursprung in einer ganz bestimmten Kultur hat, in der Filme wegen ihrer übertriebenen Spezialeffekte und Monster in Gummikostümen gefeiert werden, was in der Gaming-Welt vielleicht weniger üblich ist. Es ist auf jeden Fall etwas Besonderes.
Im ersten Teil des Spiels handelt es sich so offensichtlich um eine Handpuppe, dass ich lachen musste. Stellt euch vor, ihr würdet das Xenomorph-Baby aus Alien nehmen und es auf links drehen – genau das haben wir hier, und wir sehen es durch den Raum huschen und von der Seite aus ins Bild schauen, sodass unser Verstand automatisch den menschlichen Arm im Hintergrund ergänzt.
Später bekommen wir dann den kompletten Gummianzug zu sehen, der sogar noch übertriebener ist: eine Kombination aus unbeholfenen, schwerfälligen Bewegungen und marionettenartigen Tentakelarmen, die man kaum als gruselig bezeichnen kann. Allerdings geht dies mit unglaublich beeindruckenden Gemetzeln einher, mit Szenen, in denen Wirbelsäulen aus lebenden Menschen herausgerissen werden, viele Köpfe mit Einschusslöchern belüftet werden und einem eindrucksvollen Moment, in dem eine Person vollständig entzweigerissen wird. Ich habe laut gejubelt.

Kennt ihr diese Warnhinweise, die man zu Spielbeginn erhält und euch wissen lassen, dass es Aspekte im Spiel gibt, die möglicherweise verstörend sein könnten? Dead Reset enthält eine ganze Seite voller Stichpunkte, darunter einen, den ich noch nie zuvor gesehen habe: „Parasitäre Infektion und Mutation“. Was allerdings fehlt, ist die Warnung: „Blut wird in Strömen fließen“.
Das macht Dead Reset zu einem unglaublich albernen Spiel – aber auf eine bewusste und sehr unterhaltsame Art und Weise. Es ist wichtig zu erwähnen, dass es sich selbst sehr ernst nimmt, ohne dabei jemals naiv oder unglaubhaft zu wirken.
Die Entscheidungsmöglichkeiten treten vielleicht etwas zu sporadisch auf, sodass man fast vergisst, dass es sich um ein Spiel handelt, und sich einfach zurücklehnt, um zuzusehen, wie sich alles entwickelt, und dann hastig nach der Maus tastet, wenn schließlich doch einmal eine zeitlich begrenzte Option auftaucht. Das Spiel wird eine Entscheidung für euch treffen, wenn ihr es nicht tut. Und diese Entscheidungen machen einen Unterschied! Ich habe das Spiel zweimal durchgespielt (bei wiederholten Durchläufen kann man bereits bekannte Szenen überspringen) und hatte dabei ganz unterschiedliche Beziehungen zu einigen der Charaktere und definitiv ein ganz anderes Ende beim zweiten Mal, auch wenn es natürlich denselben Handlungsstrang verfolgt.
Außerdem – und das ist wirklich wichtig – habe ich, obwohl ich das gesamte Spiel zweimal durchgespielt und beim zweiten Mal versucht habe, ganz andere Entscheidungen zu treffen, immer noch nur 259 der 339 verfügbaren Szenen erlebt. Sobald man das Spiel durchgespielt hat, verwandelt sich Dead Reset in etwas völlig anderes, da man alle bekannten Szenen überspringt, um die dutzenden Szenen zu finden, die man verpasst hat, und herauszufinden, wie man alle vier Enden erleben kann. (Die beiden, die ich gefunden habe, waren beide spektakulär grausig!)

Ich würde mir wünschen, dass man nach ein paar Durchläufen zu bestimmten Szenen springen könnte, anstatt die ganze Geschichte von vorne spielen zu müssen – aber dank der Möglichkeit, Szenen überspringen zu können, ist es zumindest möglich, das ganze Spiel in nur wenigen Minuten durchzuspielen.
Dead Reset wirkt wie eine äußerst persönliche Low-fi-Produktion, angefangen bei den großartigen handgefertigten Waffen und Maschinen – man erkennt, dass sie aus alten PC-Teilen und Eierkartons zusammengebaut wurden – bis hin zu den urkomischen wackeligen Metallreifen an jeder Tür. Aber sie bietet ebenfalls fantastische Bluteffekte und echten Pathos im Bereich der schauspielerischen Leistung. Es ist völlig verrückt, keine Frage, aber es bietet eine ganz andere Erfahrung als fast alle anderen Spiele.
Wenn euch das alles interessiert, dann findet ihr Dead Reset jetzt im Epic Games Store.