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MythForce zeigt, warum sich Zeichentrickserien der 80er perfekt für Roguelikes eignen
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Julian Benson
In MythForce hat der Vampir Deadalus eine Armee aus untoten Skeletten, giftigen Sporenwesen und Echsenmenschen mit gespaltener Zunge aufgestellt, um die Fantasy-Welt von Eldryth in Schutt und Asche zu legen. Nur vier Helden stellen sich ihm entgegen: Rico, ein dolchschwingender „Schurke“, Victoria, eine mächtige gepanzerte Ritterin, der tödliche Bogenschütze Hawkins und Maggie, eine Magierin mit mächtiger Magie. Als einer der Charaktere dieser Heldentruppe stellt ihr euch allein oder in Koop-Abenteuern Deadalus' Gefolgschaft entgegen, kämpft euch durch seine tödlichen Armeen und sammelt unterwegs Gold und andere Schätze.
MythForce spielt sich wie andere First-Person-Roguelikes, z. B. Warhammer: Vermintide 2 und Gunfire Reborn. Zusammen mit euren Freunden betretet ihr einen zufällig generierten Dungeon und kämpft euch durch die Räume, in denen es von Feinden wimmelt, schnappt euch die Beute und erhöht dabei euren Level. Zwischen einem Raum und dem nächsten erhaltet ihr einen Vorteil, der euren Kampfstil erweitert, eurem Streitkolben zusätzlichen Schaden verleiht oder eure Pfeile mit Giftschaden ausstattet. Gelegentlich stolpert ihr auch über einige Gegenstände, wie etwa magische Heiltränke oder Edelsteine, mit denen ihr eure Charakterwerte oder eure Basis verbessern könnt. Was MythForce so besonders macht, ist seine Aufmachung im Zeichentrickstil der 80er Jahre, die die grafische Ästhetik jener Epoche perfekt reproduziert. Alle Charaktere, Feinde und zerstörbaren Gegenstände in der Welt von MythForce werden in Cel-Shading-Grafik gerendert, während die Welt selbst eher im Aquarellstil gehalten ist.
Für jüngere Abenteurer

Das einzigartige Umfeld des Spiels wurde teilweise von den persönlichen Erfahrungen seiner Schöpfer inspiriert. „Wir haben einige junge Eltern im Team“, erklärt Rideout. Dazu zählt auch Cameron Tofer, der Mitbegründer von Beamdog. Tofer spielt oft Roguelike-Spiele mit seinen Kindern und zählt sie zu ihren Lieblingsgenres. Dieser Spielstil eignet sich besonders für Kinder, denn sein Hauptaugenmerk liegt auf der Wiederspielbarkeit und den kürzeren Spielsitzungen, bei denen ein Durchlauf nicht einmal eine Stunde dauert. Bei diesem Genre hat man jedes Mal das Gefühl, voranzukommen, selbst wenn man gerade nur wenig Zeit zum Spielen hat. Rideout fügt hinzu: „Allgemein wimmelt es in diesem Genre von Spielen, die wesentlich gruseliger oder blutiger sind.“ Sein Team „wollte etwas Familienfreundliches erschaffen“.
„Ich habe mich schon immer für Zeichentrickfilme und die Pop-Kultur der 80er Jahre begeistert, das war ja meine eigene Kindheit und Jugend“, so Rideout. „Daher schlug ich vor, MythForce im Stil der „Monster der Woche“-Zeichentrickserien der 80er Jahre zu gestalten. Im Grunde sind die Zeichentrickserien der 80er Jahre Videospielen sehr ähnlich. Die Helden sind schon fast Superhelden, aber aufgrund der Beschränkungen der Animation und der Rotoskopie kann man sich in sie hineinversetzen und möchte sogar sein wie sie, denn sie bewegen sich und kämpfen wie Menschen. Die Zeichentrickserien der 80er Jahre waren wesentlich weniger hektisch und aufgeblasen als die heutigen Cartoons. Sie eigneten sich perfekt für das gemäßigtere ‚First-Person-Dungeons & Dragons‘-Tempo, das uns vorschwebte.“
Die Zeichentrickversion von Fantasy-Abenteurern erwies sich sofort als eine großartige Möglichkeit. Das Team hatte MythForce bereits als Mehrspielertitel geplant und die Spieler sollten unter Charakteren mit unterschiedlichen Rollen wählen können. Daher waren Figuren wie eine Ritterin, ein Schurke, ein Jäger und eine Magierin sehr naheliegend. Motive und Klischees gehören bei Fantasy-Abenteuern zum Standard, aber auch Zeichentrickfilme der 80er Jahre schrecken vor ihnen nicht zurück und Beamdog daher ebenso wenig.
„Der gesamte Stil versorgte uns praktisch schon mit allem, was wir brauchten“, sagt Rideout. „Er war die Optik, an der wir unsere Entscheidungen maßen.“ Aber der Grafikstil der 80er Jahre stellte die Grafiker von Beamdog vor eine technische Herausforderung. „Unreal Engine 4 und 5 wurden nicht für Spiele geschaffen, die wie Zeichentrickserien aussehen sollen, daher war es ein gewisser Kampf gegen das, was die Engine erwartete.“ Die Grafiker von MythForce „mussten einige übliche aktuelle Techniken verlernen“, um Modelle zu erstellen, die die vom Team entwickelte Cel-Shading-Technologie nutzten.
Was einen Helden ausmacht

Die selbst auferlegten Beschränkungen des Zeichentrickstils der 80er Jahre waren für das Team ebenfalls eine Herausforderung. Einerseits bot er Beamdog die Möglichkeit, vertraute Motive zu verwenden, andererseits durfte man sich aber auch nicht allzu weit von dem entfernen, was damals eine Zeichentrickserie ausmachte.
Wie die Serien dieser Zeit, z. B. Thundercats und He-Man, erzählt auch MythForce eine optimistische Geschichte von Teamwork, Freundschaft und Heldentum. „Wir wollten keine Parodie auf die 80er Jahre schaffen, sondern eine Liebeserklärung an dieses Jahrzehnt und die Zeichentrickserien, die damals produziert wurden“, so Rideout. „Dabei war es sehr wichtig, dass wir das Ausgangsmaterial nicht mit dem Zynismus betrachten, der heute oft die Sichtweise prägt. Stattdessen wollten wir vermitteln, mit welcher Ernsthaftigkeit die kreativen Köpfe damals an diesen Zeichentrickserien arbeiteten.“
Obwohl die endlosen Abenteuer der Zeichentrickserien der 80er Jahre wunderbar in das Roguelike-Genre passten, war die Übertragung dieser Geschichten in ein Videospiel nicht immer ganz einfach. Wenn man sich eine Zeichentrickserie ansieht, sitzt man einfach nur passiv vor dem Fernseher, aber bei einem Spiel wechselt man in den Fahrersitz – und in der Ego-Perspektive merkt man das ganz besonders. Die Spieler kämpfen sich durch Dungeons voller Feinde, um am Ende den bösen Vampir Deadalus zu besiegen. Selbst bei einem einzelnen Abenteuer erreicht man schnell eine dreistellige Opferzahl von Skeletten, Pilzwesen und Echsenmenschen. Wenn sich der Spieler so durch das Spiel metzelt, kann man ihn dann noch als Held bezeichnen?
Genau diese Frage „prägte viele Entscheidungen sowohl bei der Handlung als auch beim Design der Monster“, so Rideout. Das Team musste gegen den Drang ankämpfen, das Spiel „gewalttätig werden zu lassen“. Deshalb sind die Gegner, denen man begegnet, angeblich Kreaturen, die durch böse Magie erschaffen wurden, und wenn sie sterben, fallen sie nicht einfach tot um, sondern verschwinden in einer Pfütze aus leuchtendem Schleim oder einem Blitz aus lila Magie.
Dieser Trick, die für viele Roguelikes typische Gewalt zu vermeiden und stattdessen die barmherzige Einstellung der Fernsehhelden der 80er Jahre zu übernehmen, war tatsächlich eine Lösung für ein erzählerisches Problem, mit dem viele andere Spiele zu kämpfen haben. In vielen Roguelikes tritt man immer wieder gegen die gleichen Bosse an und muss sie immer wieder töten. Bei jedem Durchgang werden sie wiederbelebt und man trifft erneut auf sie, ohne zu erfahren, wie sie ins Leben zurückgekehrt sind. Nicht so bei MythForce. Wie bei den Fernsehsendungen, auf die es sich bezieht, benehmen sich die spielbaren Charaktere immer wie Helden. Rideout erläutert: „Sie zögern nicht und lassen immer Gnade walten. Die Helden führen keinen Todesstoß aus, weil sie es nicht nötig haben, und sobald die Bösewichte besiegt sind, schleichen sie sich davon und heben sich ihre Boshaftigkeit für einen anderen Tag auf.“
In den Zeichentrickserien ergibt es Sinn, dass immer wieder dieselben Decepticons die Autobots herausfordern, dass immer Team Rocket hinter den Intrigen steckt, die Ash auf seiner Reise zur Pokémon-Liga behindern, und dass Shredder es immer wieder schafft, seine Truppen zu sammeln, um in der nächsten Folge die Teenage Mutant Ninja Turtles erneut zu bekämpfen. Die Helden könnten ihnen ein für alle Mal den Todesstoß versetzen, aber dann wären sie keine Helden mehr. MythForce könnte Deadalus' Handlanger Beastor vernichten, aber dann wären sie nicht die Guten, die sie sein müssen. Daher lassen sie ihn geschlagen zurück, aber mit der Möglichkeit, sie beim nächsten Roguelike-Durchgang durch sein Waldkönigreich erneut herausfordern.

Das Roguelike-Genre entwickelt sich ständig weiter und seine Mechaniken tauchen an unerwarteten Orten auf. Beispiele dafür sind Wall World, eine Mischung aus Manic Miner und Missile Command, oder Against the Storm, ein Echtzeit-Strategiespiel, bei dem jedes Jahr die ganze Welt zerstört wird und man gezwungen ist, alles immer wieder von Grund auf neu aufzubauen. Spiele wie MythForce werfen einen neuen Blick auf seine Mechaniken und Motive und präsentieren das Genre in einem neuen Umfeld. Wer hätte gedacht, dass sich viele Besonderheiten des Roguelike-Genres – von seinen unbesiegbaren Bossen bis zu den flüchtigen Erfolgen – mit der Logik des Kinderfernsehens der 80er Jahre erklären lassen?
MythForce 1.0 ist ist jetzt im Epic Games Store verfügbar. Begegne Schurken wie Beastor the Brute, Hexstar the Dark Sorceress und dem bösen Vampir Deadalus.