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Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen

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John Walker
21. Juli 2023

Wart ihr schon mal im Weltall? Falls ja, dann habt ihr diesen Artikel vermutlich in einem Archiv mit den wichtigsten Dokumenten der Menschheit gefunden – in einer Datenbank zwischen den Überresten eures Raumschiffes. Denn wie wir alle wissen, enden Ausflüge in den Weltraum immer mit einer Katastrophe. (Schon gewusst? Nicht die Mondlandung war inszeniert, sondern die Rückkehr zur Erde. Neil und Buzz sitzen immer noch da oben fest und kämpfen mit behelfsmäßige Sauerstoffpumpen aus losen Schläuchen und Mondwurmorganen um ihr Überleben.)

Aus diesem Grund gibt es auch keine Videospiele, in denen man einfach zum Mars fliegt, den angeforderten Nachschub ablädt und dann die ereignislose Heimreise antritt. Das wäre viel zu unrealistisch. Heute werden wir den Spielen Anerkennung zollen, die sich ernsthaft mit der brutalen Wirklichkeit von Weltraumreisen auseinandersetzen, bei denen unser Leben an einem Faden hängt und wir unter Zuhilfenahme von Klebeband die Wände mit Matt-Damon-Postern verzieren.

Wir wollen schließlich alle sein wie Der Marsianer

Mark Watney, der Protagonist dieser bekannten Verfilmung des Romans von Andy Weir, ist selbstverständlich die Messlatte für alle Weltraum-Survival-Spiele. Im Buch schlägt sich der moderne Held ein Jahr lang auf dem Mars durch, schüttelt eine Kartoffelfarm aus dem Ärmel und improvisiert aus einer Schokoriegelverpackung und einem halben Schraubenschlüssel ein Geländefahrzeug. Und genau so wollen wir in einem Spiel dieses Genres auch selbst sein. Das ist vollkommen ernst gemeint: Wer denkt bei Spielen wie Osiris: New Dawn oder Nibiru: Uncharted Planet nicht sofort an Watneys unglückliche Abenteuer auf dem Mars? Aber wenn Watney es geschafft hat, kriegen wir das auch hin – vorausgesetzt, wir haben eine Rolle Klebeband in der Tasche.

Das ist zumindest das Motto für die meisten Survival-Spiele.Osiris: New Dawn ist ein Paradebeispiel dafür. Ein kurzes Intro-Video klärt euch darüber auf, dass unterschiedliche menschliche Expeditionen einen Planeten im Sternensystem Gliese 581 besiedeln wollten, sämtlicher Kontakt jedoch abgebrochen ist. Ihr befindet euch an Bord eines Versorgungsschiffs, der U.N.E. New Dawn, das die Kolonisten der Phoenix-Mission mit allem Nötigen versorgen soll, vorausgesetzt, dass die Crew überlebt hat. Leider geht beim Anflug etwas schief und die Reise endet mit einer Bruchlandung auf dem Planeten. Euch ist keine Verschnaufpause gegönnt, denn ihr müsst sofort ein Loch in eurem Raumanzug flicken und eure Wunden verbinden. Anschließend müsst ihr euch eine Unterkunft zusammenzimmern, um euch vor den brutalen Temperaturschwankungen zu schützen.

Die Mindestvoraussetzungen sind – wie immer – Sauerstoff, Nahrung und ein Dach über dem Kopf, alles Dinge, die auf einem fremden Planeten für gewöhnlich recht knapp sind. Zum Glück seid ihr clever wie Watney und erzeugt beim Verhütten verschiedener Mineralien den Sauerstoff gleich mit. Das verschafft euch genug Zeit, riesigen ameisenartigen Kreaturen mit eurer Spitzhacke eins überzubraten und nach Erzen zu suchen, um ein Geländefahrzeug in der Nähe zu reparieren.

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – RemainsRemains – ein weiteres Beispiel, das aktuell im Early Access ist – beginnt auf ganz ähnliche Weise. Allerdings gibt es diesmal keinen Planeten. Ihr befindet euch an Bord eines Raumschiffes und übt noch, euch in der Schwerelosigkeit zurechtzufinden, Gegenstände zu sammeln und Ausrüstung anzufertigen, als plötzlich – kabumm – euer Schiff explodiert und ihr im Weltall zwischen den Tausenden von Trümmern eures ehemaligen Zuhauses umherschwebt. Auch hier bleibt euch kaum Zeit zum Nachdenken. Ihr müsst schleunigst einsammeln, was ihr könnt, eine Art Unterkunft basteln und letztendlich ein neues Schiff bauen. Doch Sauerstoff, Verbandsmaterial und Nahrung stehen noch weiter oben auf der Prioritätenliste. Zum Glück treiben fast unerschöpfliche Mengen an Gummi, Metallschrott und Komponenten um euch herum sowie eine praktische Anzahl an Sauerstofftanks, dank derer ihr weiteratmen könnt.

Remains konzentriert sich hauptsächlich auf das Anfertigen von Ausrüstung. Ihr könnt große Mengen an Rohmaterialien investieren, um neue Bauanleitungen zu erforschen und neue Gegenstände herzustellen, die dann wieder neue Anleitungen freischalten, und immer so weiter. Dieser Prozess ist äußerst befriedigend. Das methodische Sammeln von Materialien vermittelt ein konstantes Fortschrittsgefühl und das ultimative Ziel, eine Art Basis zu bauen, baumelt wie eine Karotte immer vor eurer Nase und hält euch in Bewegung.

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – NibiruOder wie wäre es mit Nibiru: Uncharted Planet? Auch hier stürzt ihr über einer fremden Welt ab und müsst euch um eine Unterkunft, Sauerstoff und Nahrung Gedanken machen. Diesmal habt ihr allerdings Schusswaffen im Gepäck! Das Genre scheint zwar allgemein die Ego-Perspektive zu bevorzugen, überraschenderweise habt ihr in diesen Spielen aber nur selten Zugriff auf schlagkräftige Waffen und ausreichend Munition. Doch Nibiru ist ein gefährliches Spiel, und von der Unmenge insektenartiger gepanzerter Wesen, die die Gegend unsicher machen, werden euch die meisten bei Sichtkontakt angreifen. Auch wenn ihr damit euren ersten Eindruck ruiniert, solltet ihr euch unbedingt verteidigen.

In Nibiru trefft ihr außerdem auf einen recht einzigartigen, ähm, tanzenden, singenden und kichernden Roboterkumpel, der euch auf eure Erkundungstouren begleitet. Ihn twerken zu sehen, ist zwar verstörend und sein Lachen klingt auch eher bedrohlich, aber er steht euch trotz merkwürdig übersetzten Dialogen und KI-Stimme hilfsbereit zur Seite. Das Spiel ist ziemlich exzentrisch und interpretiert das Genre auf seine ganz eigene Weise. Allerdings ist alles da, was man sich wünschen könnte, von Survival-Mechaniken bis hin zu Crafting und mehr Kämpfen, als man gewohnt ist.

Tief durchatmen

Wo wir gerade von exzentrischen Weltraumspielen sprechen, dürfen wir Breathedge nicht vergessen. Wenn man die Schrägheit von Nibiru, die Schwerelosigkeit von Remains und die Erkundungstouren von Osiris kombiniert, kommt dabei Breathedge heraus. Oder noch besser gesagt: Das Spiel ist Subnautica im Weltall, aber mit Hühnern. Der folgende Ladebildschirm sagt eigentlich schon alles: „Versuchen Sie nicht, auf Elektrogeräte und blanke Kabel zu urinieren, auch nicht im Spiel.“ Der Humor ist, na ja, Geschmackssache, aber der Survival-Spaß erstklassig. Im Jahr 2073 liefert unser „Held“ gerade am Rande des Universums Särge aus, als sein Schiff explodiert. (Wie ihr seht, haben das Weltraumexpeditionen so an sich.) Nun muss er versuchen, so lange wie möglich nicht zu sterben.

Eine Besonderheit von Breathedge ist, neben der etwas verstörenden Obsession mit Hühnern und Karotten, der begrenzte Sauerstoffvorrat. Anfangs könnt ihr euch gerade mal 75 Sekunden aus der Rettungskapsel bewegen, in der ihr euer Lager aufgeschlagen habt, und kommt kaum voran. Doch das Spiel verfolgt einen Metroidvania-Ansatz und erhöht mit jeder abgeschlossenen Mission euren Sauerstoffvorrat und somit auch die Distanz, die ihr gefahrlos zurücklegen könnt. Je länger ihr atmen könnt, desto weiter wird auch euer Erkundungsradius und desto mehr öffnet sich das Spiel. Der Sauerstoffmangel sitzt euch zwar kontinuierlich im Nacken, da ihr euch mit jedem Upgrade weiter von der sicheren Basis entfernt, doch eure Fähigkeiten und Techniken verbessern sich stetig mit. Das motiviert immer aufs Neue, Grenzen auszutesten und das nächste Geheimnis aufzudecken.

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – Occupy MarsEinen etwas anderen Weg schlägt Occupy Mars ein, das euch mit dem ersten Tipp auf dem Ladebildschirm gleich sagt, was Sache ist: Platinen lassen sich von unten leichter löten als von oben. Es wird sofort klar, dass euch hier eine äußerst detailorientierte Version des Überlebenskampfes fernab der Erde erwartet. Auch wenn Occupy Mars (im Early Access) nicht direkt mit einer Katastrophe beginnt, schwebt ihr trotzdem in Gefahr. Sobald ihr auf dem Planeten landet, werdet ihr darüber informiert, wie viele Variablen auf eurer Nutzeroberfläche zu einem schnellen Ableben führen können. Hunger, Durst, Gesundheit, Strahlung, Schlafmangel und Witterung – die Liste ist schier endlos. Glücklicherweise seid ihr auf dem Mars nicht allein. Auch wenn ihr es hier mit einem Sandbox-Survival-Spiel zu tun habt, lernt ihr in einem umfangreichen Tutorial alles über die drölfzigtausend Systeme, die euch bei der Besiedelung des Planeten helfen sollen.

Als Elektrotechniker habt ihr eure Finger überall auf der Marsbasis im Spiel, ganz gleich, ob ihr das Gewächshaus für den Tomatenanbau optimiert oder an einer Solaranlage tüftelt, um die Stromgewinnung zu steigern. Schon bald werdet ihr jedoch merken, dass selbst unter idealen Umständen der Tod hinter jeder Ecke lauert.

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – Surviving MarsOccupy Mars erinnert euch vielleicht an Surviving Mars und nicht nur, weil die Namen ähnlich klingen. Letzteres ist eine strategische Simulation, in der ihr eine Kolonie auf dem roten Planeten aufbaut. Die Strategiegurus von Paradox haben ein Survival-Spiel der etwas anderen Art geschaffen: eine klassische Städtebau-Simulation mit allen Stärken des Genres, allerdings mit dem zusätzlichen Clou, dass eure gesamte Kolonie jederzeit zugrunde gehen kann, falls etwas katastrophal schief geht.

Das zentrale Thema bei Occupy Mars ist, dass der Mars eigentlich nicht für menschliches Leben geeignet ist. Nur gibt es in unmittelbarer Nähe sonst keinen Planeten, auf dem wir mit dem derzeitigen Stand der Technik landen können, ohne sofort zu schmelzen oder zu explodieren. Auf dem Mars gibt es weder Luft noch Wasser noch Nahrung – alles Dinge, auf die Menschen ziemlich viel Wert legen. Das Überleben auf dem unwirtlichen Planeten zu sichern, ist also alles andere als ein Kinderspiel, doch dieses Spiel lässt euch sogar eine blühende Stadt errichten. Aber selbst wenn eure Drohnen eifrig putzen und reparieren, fröhlich neue Menschen ankommen und sich niederlassen und eure Stadt wie am Schnürchen läuft, kann euch alles innerhalb von Sekunden um die Ohren fliegen, was zu erschreckenden Todeszahlen führen würde.

Occupy Mars wurde vor fünf Jahren veröffentlicht und das Entwicklerstudio hat seitdem ein weiteres Spiel namens Stranded: Alien Dawn herausgebracht, das Elemente aus Survival- und Strategiespielen miteinander kombiniert. Dabei handelt es sich um ein deutlich intimeres Erlebnis, bei dem ihr eine kleine Gruppe Überlebender auf einem noch unwirtlicheren Planeten beschützen müsst. Das Ganze erweckt eher den Eindruck einer Survival-Simulation, auch wenn ihr den Mitgliedern des Trios aus der isometrischen Ansicht eines klassischen Strategiespiels Befehle erteilt, als wären sie eure Einheiten. Ein gelungenes Tutorial erklärt, wie ihr euch um die einzelnen Figuren kümmert, und bringt euch Hintergrundgeschichten, Motivation und Fähigkeiten der Charaktere näher.

Dann müsst ihr auch schon herausfordernde Szenarien bewältigen und gleichzeitig auf das körperliche und seelische Wohlbefinden eurer Truppe achten. Gerade letzterer Aspekt wird bei Weltraum-Survival-Spielen oft unterschlagen, obwohl er bei Genrevertretern, die auf der Erde angesiedelt sind, für gewöhnlich eine wichtige Rolle spielt. (Wie viele dieser Spiele kommen mit einer Leiste für geistige Gesundheit oder Angst daher, die man im Auge behalten muss?) Da ist es nur angemessen, dass unsere gestrandeten Überlebenden etwas menschlicher dargestellt werden.

Der Weltraum in der zweiten Dimension

Je weiter wir uns durch die Asteroidenfelder von Weltraum-Survival-Spielen wagen, desto bevölkerter werden die Planeten. Mehr Menschen bedeutet zwar auch weniger Isolation, aber trotzdem kann weiterhin alles in die Hose gehen. Das bringt uns zu Oxygen Not Included. Entwickler Klei hat uns bisher mit profaneren Situationen konfrontiert, wie beispielsweise der Wildnis von Don't Starve, und setzt uns nun eine weitere Simulation vor, in der wir trotz widriger Umstände eine Kolonie besiedeln sollen. (Wenn ihr euch für den „Kein Schweiß“-Modus entscheidet, sind die Umstände nicht ganz so widrig.) 

Auch wenn wir es hier mit Zeichentrickgrafik in der Seitenansicht zu tun haben, beginnt das Spiel so ähnlich wie Occupy Mars. Ihr startet mit drei Charakteren, die jeweils individuelle Eigenschaften und Fähigkeiten haben, die sich auf Wunsch neu generieren lassen. Auch hier erinnert die Benutzeroberfläche an ein Strategiespiel und ihr könnt euren Figuren Befehle erteilen, damit alles rundläuft und hoffentlich nicht in einem allgemeinen Desaster endet.

In Oxygen Not Included müsst ihr euch um erstaunlich viele Details kümmern: vom Rohrnetz der Basis über den Kohlendioxidgehalt bis hin zur Unterhaltung und Erholung eurer Charaktere, damit ihre geistige Gesundheit nicht leidet. Ganz zu schweigen von der Vielzahl an DLCs, die alle über kurz oder lang im Erstickungstod enden. Zum Glück ist ein Neustart nur einen Klick entfernt!

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – FTLDa wir jetzt bei den 2D-Titeln unserer Reise angelangt sind, kommen wir um einen Klassiker der Weltraum-Survival-Spiele nicht umhin: FTL. Auch hier haben wir eine kleine Crew, ein klappriges Raumschiff und eine riesige Galaxie, die es zu erforschen gilt. Scheitern gehört zu diesem Roguelite genauso dazu wie der obligatorische Neustart, denn beim nächsten Versuch läuft garantiert alles besser.

In FTL geht es weniger komplex zu als in den vorherigen Beispielen, was aber nicht heißt, dass ihr es leichter habt. Dieses Spiel dreht sich ums Risikomanagement: Stürzt ihr euch ins nächste Gefecht gegen Piraten oder geht ihr auf Nummer sicher und stockt eure Vorräte im nächsten Weltraumladen auf konventionellere Weise auf? Dann werdet ihr plötzlich geentert und müsst euch auf eurem eigenen Schiff verteidigen. Schon bald gilt es, überall Brände zu löschen, ohne dass eure Crew dabei draufgeht, und ihr verflucht euch selbst, weil ihr vor Kurzem eure Triebwerke verbessert und nicht in eure Verteidigung investiert habt.

FTL ist 2012 erschienen und hat das Genre der Roguelites in den letzten zehn Jahren ins Rampenlicht der Spielewelt gerückt. Auch heute hat es nichts von seiner Faszination eingebüßt. Obwohl ihr eure Crew nicht so gut kennenlernt wie in den anderen genannten Spielen, entwickelt ihr in FTL doch eine tiefe Beziehung zu eurem Schiff, mit dem ihr die Galaxie erforscht. Ihr könnt Unsummen in seine Aufwertung investieren, was es umso schlimmer macht, wenn ihr es für immer verliert.

Raum zum Atmen: Warum wir so gern im Weltall ums Überleben kämpfen – Outer WildsUnd das bringt uns natürlich zu Outer Wilds. Dieser Titel ist nicht zu verwechseln mit dem RPG The Outer Worlds aus dem Hause Obsidian Entertainment, das verwirrenderweise im selben Jahr erschienen ist. Outer Wilds ist ein Roguelite und hat neben klassischen Survival-Elementen auch noch eine 22-minütige Zeitschleife zu bieten. Da ihr immer wieder einen Murmeltiertag im Weltall erlebt, müsst ihr jede Schleife genau planen, um die vielen Geheimnisse zu lüften, die sich um ein ausgestorbenes Alienvolk namens Nomai ranken.

Da zwischen den Zeitschleifen niemand aus eurem Bildschirm klettert und euch mit einer Kokosnuss eins überzieht, leidet auch euer Spielcharakter nicht an Amnesie und erinnert sich an alles, was ihr bereits herausgefunden habt. So hat man stets das Gefühl, Fortschritte zu machen, ganz im Gegensatz zu den schmerzhaften (aber brillanten) Neustarts von FTL. Falls ihr jetzt allerdings befürchtet, dass wir uns zu weit von Mark Watneys Vorbild entfernt haben, könnt ihr aufatmen: Auch in Outer Wilds müsst ihr euch um Lebenspunkte, Treibstoff und Sauerstoff Gedanken machen. Schließlich seid ihr trotz allem immer noch im Weltall unterwegs.

Eine sichere Zuflucht

Wir haben in diesem Beitrag eine enorme Bandbreite an Spielen abgedeckt, von Crafting in der Ego-Perspektive über Echtzeitstrategie mit Top-Down-Ansicht bis hin zu Roguelite-Arcade-Titeln. Allen ist jedoch eines gemeinsam: Ihr müsst in den Weiten des Weltraums überleben. Ganz gleich, um welches Genre oder um welche Besonderheit es sich handelt, letztendlich braucht ihr immer Sauerstoff und müsst auf eure Lebenspunkte achten, um unter extremen Bedingungen zurechtzukommen. Aber warum übt diese Art von Spielen eine solche Anziehungskraft auf Entwickler und Gamer aus?

Vielleicht liegt es daran, dass man in Videospielen schon immer Anzeigen im Auge behalten musste. Ganz egal, ob es Lebensbalken oder Höchstpunktzahlen sind, sie müssen immer einen möglichst hohen Wert haben und Überleben im Weltraum basiert auf dieser Mechanik. Begrenzte Vorräte und der Wille, so lange wie möglich zu überleben – das ist die Essenz des Weltraumgenres. Bei einer derartigen Vereinfachung könnte man allerdings auch Space Invaders als erste Survival-Simulation der Welt bezeichnen!

Es muss also noch mehr dahinterstecken. Das Leben macht uns Angst und wenn es nur wegen der Tatsache ist, dass es eines Tages vorbei sein wird. Im Grunde geht es uns immer ums Überleben. Wir haben Hunger, Durst und müssen unsere Lebenspunkte im Auge behalten. Außerdem wären da noch die Anzeigen für Geld, Wohnraum, geistige Gesundheit und vieles mehr. Und oft scheinen wir nur sehr wenig unter Kontrolle zu haben, weil viele Faktoren, die außerhalb unseres Einflusses liegen, diese Anzeigen völlig willkürlich reduzieren. In einem Survival-Spiel ist das Gefühl, unser Schicksal im Griff zu haben, viel stärker, selbst wenn wir regelmäßig scheitern.

Survival-Spiele reduzieren die Anzeigen des echten Lebens auf ein Maß, mit dem man leichter fertigwird. Und selbst wenn sie ganz bewusst so schwierig sind, dass Scheitern praktisch vorprogrammiert ist, erhalten wir doch zumindest einen neuen Versuch. Wir lernen aus unseren Fehlern, werden immer besser und sterben trotz der Prämisse des Genres nie wirklich.

Außerdem lassen sich in Survival-Spielen auch geschützte Bereiche schaffen. Wir schweben zwar durchs Weltall – eine wunderbare Analogie für das Gefühl, ziellos durchs Leben zu irren –, haben allerdings auch alles, um eine sichere Basis zu bauen. Wenn wir uns konzentrieren, vorsichtig vorgehen und genug Ressourcen sammeln, können wir letztendlich eine Zuflucht schaffen – eine Höhle, in der die Weltraumtiger uns nichts anhaben können. Psychologisch gesehen hat dieser Prozess, Kontrolle über das Chaos zu gewinnen, etwas sehr Beruhigendes an sich, wenn auch nur im Rahmen eines bestimmten Videospiels.

Letzten Endes wären wir doch alle gern wie Mark Watney. Vielleicht nicht unbedingt auf dem Mars und auch nicht Hunderte von Tagen ohne jegliche Hoffnung auf Rettung, aber wer wäre nicht gern so kreativ und einfallsreich, dass er scheinbar mühelos über die Runden kommt? In Weltraum-Survival-Spielen sind wir genau das: Wir helfen einer ganzen Kolonie, bevorstehendes Unheil abzuwenden, oder bauen unserem einsamen Spielcharakter ein temporäres Plastikdach.