
Von Spike TV zum Streaming: Der Werdegang von The Game Awards

The Game Awards, Geoff Keighleys jährliche Feier der Videospielindustrie und laute dahinter, ist inzwischen ein fester Bestandteil der Gaming-Landschaft – so vorhersehbar wie eine Spielfigur sich hin- und herwiegt, wenn man den Controller aus der Hand legt. Dabei hat sich die Show seit ihren Anfängen enorm weiterentwickelt.
The Game Awards gingen eigentlich aus einer früheren Veranstaltung hervor, den Spike Video Game Awards (oder VGA). Diese mit Prominenten bepackten Events hatten viele skurrile Momente, die manchmal zum Totlachen (und manchmal einfach nur seltsam) waren.
In Vorfreude auf The Game Awards 2024 am 13. Dezember wollen wir einen Blick auf die Geschichte der Show und einige der denkwürdigsten Spiele und Momente werfen.
Die Ära von Spike TV
Was heute als The Game Awards bekannt ist, ging direkt aus den Spike Video Game Awards hervor.
Es waren allerdings andere Zeiten. Die Veranstaltung wurde vom Fernsehsender Spike TV übertragen, der selbst aus dem Kanal TNN (The Nashville Network) hervorgegangen war und sich auf eine junge männliche Zielgruppe konzentrierte – also genau die Art von Publikum, das sich eine Preisverleihungsshow über Videospiele ansehen würde.
Keighley war damals zwar schon eng in die Produktion der Spike Video Game Awards eingebunden, stand aber nicht wirklich im Mittelpunkt des Events. Ein Jahrzehnt lang hatte die Preisverleihung nicht nur prominente Gäste und Showacts, sondern auch namhafte Moderatoren, darunter Joel McHale, David Spade, Samuel L. Jackson und Zachary Levi.
Einige dieser Gastauftritte von Prominenten schienen wie für Spikes ausgefallenes Markenzeichen gemacht zu sein, aber die Ergebnisse waren eher … gemischt. Zum Beispiel zielte McHale mit seinem für ihn typischen Sarkasmus direkt auf Gamer, was ihm Kritik einbrachte. In gewisser Weise gab er das mit seinen ersten Worten als Moderation im Jahr 2018 zu, als er sagte: „Hallo, Geoff. Wow! Ich kann gar nicht glauben, dass du mich nochmal eingeladen hast!“ Eine eher schlüpfrige Vorstellung gab dann Jack Black, der mit einer Xbox 360 knutschte und eine eifersüchtige PlayStation 3 zu einem Schäferstündchen ins Bett einlud.
Wenn man auf die Gewinner der Spike Video Game Awards zurückblickt, findet man etliche Videospiele, die inzwischen als Klassiker gelten. Man denke nur an die Titel, die bei den zahlreichen Preisverleihungen als „Game of the Year“ ausgezeichnet wurden: The Elder Scrolls V: Skyrim, Grand Theft Auto V, Red Dead Redemption, Grand Theft Auto IV, BioShock, The Elder Scrolls IV: Oblivion, Resident Evil 4, Grand Theft Auto: San Andreas, Madden NFL 2004.
Im Jahr 2013 benannte Spike die Spike Video Game Awards in VGX um, nur um sie dann 2014 nach zehn Jahren endgültig einzustellen. Nachdem Spike einst aus dem Sender TNN entstanden war, folgte dann im Jahr 2018 die Umbenennung in Paramount Network.
Während Spike also mit sich selbst beschäftigt war (und dann verschwand), kümmerte sich Geoff Keighley darum, die Preisverleihung am Leben zu erhalten.
Die Ära von The Game Awards
Für Spike waren die VGX vielleicht erledigt, aber für Geoff Keighley noch lange nicht. Im Jahr nach der Auflösung der VGX wurde die Preisverleihung „The Game Awards“ ins Leben gerufen. Man wollte von Anfang an zu den „Academy Awards“ der Videospiele werden.
Keighley wurde als Gastgeber (und Mitveranstalter) zum Aushängeschild der Show. Neben den Auszeichnungen erwarten euch bei diesen Veranstaltungen auch zahlreiche Neuigkeiten, Enthüllungen, Trailer und Auftritte. Außerdem wurden The Game Awards zunächst nur per Streaming übertragen, was heute zwar normal erscheint, vor einem Jahrzehnt aber noch ziemlich neu war.
Im Laufe der Jahre baute Keighley sein Imperium als Gastgeber und Produzent weiter aus. Er moderierte die Eröffnungsshow der gamescom und organisiert das Summer Game Fest, das die von der E3 hinterlassene Lücke in der Branche füllt.
Allerdings sind The Game Awards das größte Ereignis, weshalb er und sein Team das ganze Jahr über mit der Planung der Show im Dezember verbringen.
„Es ist ein ständiger Balanceakt“, so Keighley. „Manchmal wird unsere Show als zu kommerziell empfunden, was ich verstehen kann. Aber unsere Veranstaltung ist insofern unabhängig, dass wir kein Geld mit dem Verkauf von Spielen verdienen. Wenn eine Spieleplattform ein Livestream-Event durchführt, wird das über das Marketingbudget finanziert. Da wir über solchen Luxus nicht verfügen, sind wir auf Sponsoren angewiesen. Glücklicherweise hat sich das Sponsoring im Laufe der Jahre verbessert, da es immer mehr Partner gibt, die sich wirklich für dieses Publikum interessieren.“
„Genauso wie bei der Comic-Con, die die Filme und Streaming-Shows feiert, geht es uns darum, herausragende Leistungen zu würdigen und eine Vorschau auf das zu geben, was die Fans in Zukunft von unserer Branche erwarten können.“
Mehr als ein Jahrzehnt lang haben wir bei der „The Game Awards“-Verleihung nun Gewinner und Showacts gesehen. Bei der ersten Auflage in 2014 wurde Dragon Age: Inquisition als „Game of the Year“ ausgezeichnet. Im Jahr 2015 erhielt The Witcher 3: Wild Hunt diesen Preis. 2016 konnten sich die Macher von Overwatch darüber freuen. In 2017 war The Legend of Zelda: Breath of the Wild das sogenannte GOTY, während Sid Meier's Civilization® VI als „Best Strategy Game“ ausgezeichnet wurde. God of War war 2018 das „Game of the Year“, Sekiro: Shadows Die Twice in 2019, The Last of Us Part II in 2020, It Takes Two in 2021, Elden Ring in 2022 und Baldur's Gate 3 in 2023.
Auch wenn The Game Awards etwas formeller und professioneller als ihre Vorgänger sind, haben Live-Shows immer wieder faszinierende Momente zu bieten – wie zum Beispiel 2020, als Eddie Veddar mitten in der Pandemie Pearl Jams „Future Days“ darbot. Oder wer könnte die Show aus dem Jahr 2022 vergessen, als Al Pacino mit einer Trophäe seinen Bizeps trainierte, bevor er Christopher Judge nach dessen Auszeichnung in der Kategorie „Best Performance“ für God of War Ragnarök umarmte?
Oder das:
Und damit kommen wir nun zur diesjährigen Ausgabe von The Game Awards, die wieder zahlreiche Nominierungen zu bieten hat, von denen einige in Zukunft wahrscheinlich genauso wie BioShock heute als Klassiker gelten werden.
Zu den Nominierten in diesem Jahr gehören unter anderem Black Myth: Wukong für „Game of the Year“, Dragon Age: The Veilguard und Prince of Persia: The Lost Crown für „Innovation in Accessibility“, Humberly González für „Best Performance“ in Star Wars Outlaws, Indika and Tales of Kenzera: Zau in der Kategorie „Games for Impact“, Fortnite für „Best Ongoing Game“ und Manor Lords und Pacific Drive für „Best Debut Indie Game“.
In unserem Artikel über die The Game Awards 2024-Nominierungen könnt ihr euch alle Nominierten für jede Kategorie ansehen. Außerdem habt ihr bis zum 12. Dezember um 3:00 Uhr MEZ die Möglichkeit, über eure Fortnite-Insel des Jahres abzustimmen! Sucht in Fortnite nach „Abstimmung für: The Game Awards“ oder gebt den Insel-Code 0853-1358-8532 ein.
The Game Awards 2024 werden am Freitag, dem 13. Dezember 2024 von 01:30 Uhr bis 05:00 Uhr MEZ live aus dem Peacock Theater in Los Angeles übertragen. Schaut euch unbedingt unsere umfassende Berichterstattung über The Game Awards 2024 an, die wir ständig aktualisieren, um euch über alles Wichtige auf dem Laufenden zu halten sogar live während der Show.