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Wie die Virtual Photography Awards digitale Kunstfertigkeit feiern

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Matt Paprocki
22. Apr. 2024

Im Jahr 2020, als in der realen Welt COVID-19 das Leben bestimmte, rief der Brite Mik Bromley die Virtual Photography Awards ins Leben, einen sicheren Ort, um künstlerische Bilder zu produzieren, ohne sich unter Menschen mischen zu müssen. Mithilfe interner Fotomodi von Spielen konnten die Nutzer Bilder von Landschaften, Charakteren oder anderen Dingen in der digitalen Welt aufnehmen (und je nach Spiel mit verschiedenen Tools bearbeiten). Seit dem ersten Jahr des Wettbewerbs haben sich die Virtual Photography Awards zu einer jährlichen Veranstaltung mit einer Jury aus Spieleentwicklern, führenden Figuren der Community und echten Fotografen entwickelt.

Spiele, in denen es um Fotografie geht, gibt es schon seit Jahrzehnten (in Nessie aus dem Jahr 1985 ging es darum, ein Foto des legendären Kryptiden zu schießen, und Pokémon Snap für das Nintendo 64 wurde zum Kultklassiker). 2004 war Gran Turismo 4 das erste Spiel, das einen detaillierten Fotomodus mit Objektivfiltern, Farbkorrekturen, Beleuchtung und anderen Einstellungen bot, mit denen die Spieler experimentieren konnten. Seitdem sind diese Modi in vielen Spielen zu finden, was Mik nicht entgangen war.

Mik begann mit dem Amiga und ist nach wie vor begeisterter Gamer, zusätzlich hat er aber ein weiteres leidenschaftliches Hobby. „Zum ersten Mal arbeitete ich während meines Studiums der Tatortfotografie vor etwa 19 Jahren ausgiebig mit echten Kameras. Ich war davon fasziniert, wie kleine Details und überzeugende Aufnahmen eine größere Geschichte erzählen können“, erklärt Mik. „Ein paar Jahre später boten die Fotomodi in Videospielen die gleichen Funktionen wie echte Kameras. Plötzlich hatte ich die Möglichkeit, Beides zu kombinieren und einzigartige Aufnahmen im Spiel zu machen, die ihre eigenen Geschichten erzählen.“

Begeistert von dieser Idee schuf er seine Website, TheFourthFocus, sowie die Preise selbst. Im Jahr 2023 gab es sieben Gewinner in verschiedenen Kategorien wie Action-Fotos, abstrakte Arbeiten, Kreativität und anderen. Sämtliche Gewinnerfotos waren mit spielinternen Tools bearbeitet worden, ob Bildschärfe, Farbkorrektur, Schärfentiefebereich oder andere Möglichkeiten, um das Beste aus ihnen zu machen.

Wie Mik erklärt, gehe es nicht nur darum, ob das Bild heraussticht, die Jury berücksichtige noch weitere Punkte. „Vielleicht ist die Komposition interessant, die Perspektive für das Thema sehr originell oder die Beleuchtung sehr gelungen. Oder die Aufnahme rückt Details in den Vordergrund, die für gewöhnlich übersehen werden.“

Die siegreichen virtuellen Fotografen kommen alle aus unterschiedlichen Bereichen. Der Gewinner des Preises für Action-Fotos 2023 mit einem Weitwinkelfoto aus Assassin's Creed Unity hatte überhaupt keine Erfahrung im Bereich der Fotografie und machte seine ersten virtuellen Schritte in Grand Theft Auto V. Unter dem Online-Namen astrayn kommentiert er (oder sie): „Es ist echt spannend, Teil dieser neuen Kunstform der virtuellen Fotografie zu sein. Sie bietet eine wirklich besondere Art der Selbstdarstellung und die Möglichkeit, mit einem einzigen Foto eine Geschichte zu erzählen.“
5 Gewinner Action 2023
Michelle Neumann aus Schottland, Gewinnerin des diesjährigen Preises in der Kategorie „Detail“, ist auch im echten Leben Fotografin und begann mit ihren virtuellen Versuchen ebenfalls in Grand Theft Auto V. „Wenn ich Freunden oder Angehörigen, die keine Gamer sind, erkläre, dass ich in Videospielen fotografiere, schauen sie mich immer komisch an“, sagt Michelle. „Für mich ist es die Möglichkeit, unbekannte Welten zu erkunden, die Schönheit der Fantasie eines anderen Menschen einzufangen. Man kann Ansichten und Erlebnisse, Flora und Fauna, Wetter und Atmosphäre auf seine ganz persönliche Art und Weise präsentieren.“

Der Gewinner in der Kategorie „Abstract“, Yi, spielte ausschließlich Forza Horizon 5, hatte mit realer Fotografie kaum Erfahrung und entdeckte die virtuelle Fotografie als sein Hobby. „Ich hatte bisher eigentlich immer nur gearbeitet. Dann habe ich mit diesem Hobby angefangen, das mir viele Gelegenheiten bietet“, sagt Yi. 

Der Gewinner in der Kategorie „Evironment“ (Umgebung), Ludovic Helme aus Japan, beschäftigt sich schon am längsten mit dem Thema. „Ich habe viele MMORPGs wie Guild Wars 2, Aion, Tera oder Black Desert Online gespielt. Wenn meine Charaktere genug Erfahrungspunkte gesammelt hatten und mir langweilig wurde, nahm ich mit ihnen Screenshots auf, die ich dann bearbeitete, um tolle Bilder zu machen“, erklärt Ludovic und bezieht sich dabei auf Spiele aus den späten 2000er und frühen 2010er Jahren. 

Virtuelle Fotografie ist eine einzigartige zeitgenössische Kunstform, die bei manchen Kopfschütteln auslöst. Schließlich sind Spiel und Spaß der eigentliche Zweck von Videospielen, aber Interaktivität bietet weitaus mehr Möglichkeiten. Für die meisten der Gewinner ist sie eine Gelegenheit, diese Welten auf eine völlig andere Art und Weise zu erkunden und einen neuen, sehr befreienden künstlerischen Schauplatz zu entdecken. „Auf künstlerischer Ebene ist es unglaublich reizvoll, seine Kreativität in einer Umgebung auszudrücken, die frei von den üblichen Einschränkungen der traditionellen Fotografie ist. Man kann fliegen, die Welt verlangsamen usw. Es ist ein einzigartiger Tummelplatz“, so Ludovic. 

„Die Idee, etwas festzuhalten, was noch niemand so gezeigt hat, ist für mich einer der Hauptanreize“, steuert astrayn bei.

„Für mich geht es darum, Momente in Spielen festzuhalten oder anderen zu zeigen, was ein Spiel für dich bedeutet“, fügte Yi hinzu.

Für alle, die sich damit befassen wollen, sagt Mik, dass Kenntnisse in der echten Fotografie von großem Vorteil sind. Spiele bieten in der Regel zwar unendlich viele Beleuchtungsmöglichkeiten, aber die Verwendung derselben 3-Punkt-Beleuchtung wie sie bei Studioaufnahmen üblich ist (Spitzlicht, Führungslicht und sogenanntes Fülllicht), macht den Unterschied. „Auch wenn die Ausrüstung unterschiedlich ist, geht es in beiden Medien darum, ansprechende Bilder zu machen, die künstlerische Sprache ist daher dieselbe“, sagt Mik. (Im Epic Games Store könnt ihr auch seinen Leitfaden Erste Schritte in der In-Game-Fotografie lesen.)

Andererseits kommt, wie in Yis Fall, auch das Gegenteil vor. „Nachdem ich mich schon drei Jahre mit virtueller Fotografie beschäftigte, riet mir ein Freund, es doch mit echter Fotografie zu versuchen. Und ich kann sagen, dass sich Bearbeitung und Komposition von Aufnahmen der virtuellen Fotografie sehr gut in die reale Fotografie übertragen lassen“, erklärt Yi.
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Als Filmemacher und Maler betont Ludovic, dass sich die Fähigkeiten genauso auf den virtuellen Raum übertragen lassen. „Letztendlich ist auch bei der virtuellen Fotografie entscheidend, dass man die Regeln der Komposition versteht.“

Wollt ihr euch 2024 einen Preis holen? Mik gibt diesen knappen Ratschlag: „Nutzt es zu eurem Vorteil, dass ihr unbegrenzt virtuelle Aufnahmen machen könnt, und probiert verschiedene Stile und Kompositionsmöglichkeiten, bis ihr etwas nach eurem Geschmack entdeckt. Kunst bedeutet ja, sich auszudrücken.“

Über die Bedienung und das Verständnis der verschiedenen Effekte hinaus gibt astrayn noch zusätzliche Ratschläge: „Versucht, die Bilder von anderen oder die Cover der Spiele nachzuahmen. Ihr lernt dabei eine Menge und werdet besser. Experimentiert und probiert verschiedene Stile aus – lasst euch nicht von strikten, einfachen Regeln beschränken. Habt einfach euren Spaß dabei und nehmt es nicht zu ernst. Letztendlich ist es ein Hobby, also amüsiert euch.“ astrayn sagt weiter: „Ich habe mir mein ganzes technisches Wissen von verschiedenen Websites und aus YouTube-Videos angeeignet.“

Michelle betont, dass die Community groß sei und weiter wachse. Dies sei zu Anfang natürlich eine Hilfe, könne aber auch leicht zu überhöhten Ansprüchen führen oder zu Frustration, wenn die eigenen Fotos nicht so perfekt wie die der anderen gelingen. 

„Bei so vielen virtuellen Fotografen ist es wichtig, sich nicht zu verzetteln“, beginnt Michelle und betont, dass man sich am Anfang nicht einschüchtern lassen solle. „Es gibt viele wirklich begabte Leute. Da findet man natürlich Bilder, die einem gefallen, oder sogar Stile, die einen beeindrucken, aber letzten Endes muss man seinen eigenen Weg finden.“ Manchmal wirkt auch Musik sehr anregend auf den eigenen kreativen Fluss. Michelle hört gerne Filmmusik, wenn sie ihre Fotos bearbeitet, aber Musik aus einem beliebigen Spiel, das ihr gerade spielt, könnte euch vielleicht noch mehr inspirieren.

Es kann nicht schaden, sich an Gruppen auf Reddit, X oder anderen Social-Media-Plattformen zu wenden, aber es gibt auch einen einfachen Tipp von Yi: „Legt einfach los.“ Wie macht man das? „Sucht euch ein Spiel, das ihr gerne spielt und das einen Fotomodus hat, auch wenn er nicht der Beste ist", sagt Ludovic.

In Anbetracht der allgemeinen Verbreitung von Fotomodi, der Vielzahl der damit erstellten Fotos und schließlich dieser Preisvergabe scheint es sich um ein sehr konkurrenzträchtiges Gebiet zu handeln. Ludovic bestätigt dieses Gefühl, rät aber, sich nicht zu sehr darauf zu konzentrieren – vor allem, wenn man gerade erst anfängt. „An oberster Stelle sollte natürlich das eigene Vergnügen stehen, aber wenn man sich in der Community engagiert, sollte man auch versuchen, etwas beizutragen, anstatt sich nur auf das eigene Wachstum zu konzentrieren. Denn nur so fühlt man sich zufrieden“, erklärt Ludovic.
2 Gewinner Creative 2023
Manche Spiele haben einen besseren Fotomodus als andere. Ludovic hat sogar einige Fotomodi mitentwickelt, insbesondere für Deathloop und Mortal Shell. „Aber unvoreingenommen betrachtet habe ich eine Schwäche für [STAR WARS] Jedi Survivor und Shadow of the Colossus, trotz der horrenden Kamerabewegungen“, sagt Ludovic.

Michelles Wahl für den besten Fotomodus ist Cyberpunk 2077 (wobei anzumerken ist, dass sie ihren Preis für einen Beitrag aus Alan Wake 2 erhielt). Für astrayn fiel die Wahl auf das Spiel Kena: Bridge of Spirits von Sony, da hier die Kamera völlig frei bewegbar ist. Mik empfahl Ghost of Tsushima, Marvel's Spider-Man 2 und Ratchet & Clank: Rift Apart. Wenn man bedenkt, dass die diesjährigen Gewinnerfotos aus Lies of P, Avatar: Frontiers of Pandora und der Assassin's Creed-Reihe stammen, wird klar, dass das Spiel weniger wichtig ist. Alle Fotomodi bieten ein kreatives Ergebnis mit ähnlichem Potenzial.

Hinzu kommt, dass Videospiele das Medium reichlich bizarre Möglichkeiten bieten. Aliens, Monster, Helden, die Welten und die Details – das alles ist eine wilde, verrückte Leinwand. „In Spielen kann ich Bilder machen, die ich im echten Leben nie machen könnte. In Starfield zum Beispiel eine Schießerei im zerstörten NASA-Gebäude auf der Erde oder in Dying Light 2 Nahaufnahmen von Zombies“, sagt Michelle. „Im echten Leben kann ich kaum damit rechnen, solche Aufnahmen zu machen.“